Meinung

Auslöschen? Kein Problem!

Georg M. Hafner

Meinung

Auslöschen? Kein Problem!

Die Konsequenz des Frankfurter Urteils ist eine verheerende Verschiebung von roten Linien

von Georg M. Hafner  29.03.2024 09:08 Uhr

Wer auf deutschen Straßen zur Auslöschung des Staates Israels aufruft, darf das straffrei tun. Staatsräson hin, »Nie wieder« her. So muss man jedenfalls das Verwaltungsgericht Frankfurt verstehen, das an der Parole »From the river to the sea – Palestine will be free« nichts auszusetzen hat. »Nicht einmal ansatzweise« sei ein Bezug zur Hamas und zu deren Auslöschungsplänen zu erkennen, urteilte das Gericht zugunsten einer »propalästinensischen« Kundgebung in Frankfurt vergangene Woche.

In deutschen Amtsstuben mag man das gelassen so sehen. Falls man sich irrt, ist Israel eben weg oder heißt dann halt »Palästina« und ist ein Land, das sich die Richter in der Schönfärberei der Veranstalter ausmalen: »Ein freies und friedliches« Land »für alle Menschen mit gleichen Rechten, egal welcher Religion oder Herkunft«. Ein Kuschelzoo mit Anfassen.

Man muss Augen und Ohren schon fest verschließen, um nicht zu verstehen, was Israelfeinde weltweit brüllen.

Außerdem gäbe es keine »konkreten Anhaltspunkte« dafür, dass der Aufruf »zwingend als Aufruf zur Gewalt und Terror gegen Israel zu verstehen« sei. Schon vor dem 7. Oktober wäre das für jeden des Lesens Kundigen ein Hohn gewesen, nach dem »Schwarzen Schabbat« ist es nur noch zynisch. Man muss Augen und Ohren schon fest verschließen, um nicht zu verstehen, was Israelfeinde weltweit brüllen.

Vermutlich wäre den hessischen Richtern selbst der Ruf »Tod allen Juden« noch nicht eindeutig genug, um einzuschreiten. Eine hitzige Parole, mehr nicht. Zwischen Rufen und Handeln ist ein großer Schritt. Das mag so sein. Aber wenn uns der 7. Oktober eine Lehre war, dann diese: Judenhasser meinen es ernst. In Zürich hat vor wenigen Wochen ein 15-Jähriger mit dem Ruf »Tod allen Juden« einen 50-jährigen orthodoxen Juden niedergestochen. Er meinte »Tod allen Juden« genauso, wie er es sagte, wie er es gelernt hat und wie es in der Charta der Hamas nachzulesen ist.

In einer Demokratie müssen wir zuweilen mehr aushalten als wir aushalten können. Aber die Konsequenz des Frankfurter Urteils ist eine verheerende Verschiebung von roten Linien. Die juristisch feinsinnige Verteidigung der Demonstrationsfreiheit adelt Judenhass als Meinungsfreiheit. Das steigert das Bedrohungsgefühl, und die Gelassenheit der anderen verstärkt die Einsamkeit für Juden in Deutschland.

Der Autor ist freier Journalist und lebt in Frankfurt.

Meinung

Das Gerücht über Israel

Die Geschichte des Antisemitismus ist eine Geschichte der Lüge. Was früher dem Juden als Individuum unterstellt wurde, wird nun Israel als Nation vorgeworfen

von Daniel Neumann  31.08.2025

Einspruch

Wenn Urlaub zum Risiko wird

Sabine Brandes ist schockiert, dass Israelis im Ausland ständig Angst vor Beleidigungen und Angriffen haben müssen

von Sabine Brandes  31.08.2025

Meinung

Muss erst ein australischer Jude sterben?

Wie nun bekannt wurde, steckt der Iran hinter zwei Anschlägen auf jüdische Einrichtungen in Australien. Doch auch ohne Hilfe aus dem Ausland wächst der Antisemitismus im Land ins Unermessliche

von Amie Liebowitz  27.08.2025

Meinung

Warum Leon de Winter in Osnabrück lesen soll

Die Positionen des Schriftstellers zur AfD sind streitwürdig. Canceln hingegen ist langweilig und kontraproduktiv, findet unsere Redakteurin

von Ayala Goldmann  27.08.2025

Meinung

Embargo gegen Israel: Merz´ gefährliche Botschaft

Die Bundesregierung hat ein Exportverbot für Waffen an Israel verhängt und sendet damit fatale Signale: An Israel, an die Hamas und deren Unterstützer - und an die Juden in Deutschland

von Remko Leemhuis  22.08.2025

Meinung

Verbaute Perspektive

Minister Bezalel Smotrich hat Siedlungspläne genehmigt, die das Westjordanland teilen würden. Auch für Israelis ist das keine gute Nachricht

von Mascha Malburg  22.08.2025

Meinung

Israels Kräfte sind endlich

Der Rückzug aus Gaza 2005 führte zum Krieg gegen die Hamas. Rafael Seligmann fordert, den Konflikt endlich politisch zu lösen

von Rafael Seligmann  21.08.2025

Meinung

Für Juden in Frankreich ist das Spiel aus

Präsident Emmanuel Macrons antiisraelische Politik macht ihn zum Verbündeten der Islamisten und deren linken Mitläufern. Für Juden wird das Leben währenddessen immer unerträglicher

von Haïm Musicant  20.08.2025

Meinung

Diktatfrieden abgewendet?

Das Treffen zwischen Donald Trump, Wolodymyr Selenskyj und europäischen Spitzenpolitikern lief besser als erwartet. Doch es ist fraglich, wie lange die Erleichterung anhält

von Nils Kottmann  19.08.2025