Olaf Sundermeyer

AfD: Auch ohne Kalbitz Partei der Bewegung

Olaf Sundermeyer Foto: dpa

Olaf Sundermeyer

AfD: Auch ohne Kalbitz Partei der Bewegung

Die Partei setzt auf eine Verschärfung der Krise

von Olaf Sundermeyer  27.08.2020 09:35 Uhr

Am Ende der Woche, in der sich endgültig das politische Schicksal von Andreas Kalbitz entschieden hatte, war Björn Höcke der Erste, dann zog Alice Weidel nach – schließlich rief auch Tino Chrupalla zur umstrittenen – und am Mittwoch vom Senat verbotenen – Großdemo gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung in Berlin auf.

Nach der Milzrissaffäre und der, zumindest faktischen, Bestätigung des Parteiausschlusses von Andreas Kalbitz durch das Berliner Landgericht nahmen seine bislang wesentlichen politischen Unterstützer sein Ende zur Kenntnis.

Kurs Gleichzeitig gaben sie das Signal, den bisherigen gemeinsamen Kurs als radikale Bewegungspartei fortzusetzen: der thüringische Landesvorsitzende Höcke, die Co-Vorsitzende der Bundestagsfraktion und Landesvorsitzende des wichtigsten westdeutschen Landesverbandes in Baden-Württemberg, Weidel, sowie der sächsische Co-Vorsitzende der Bundespartei Chrupalla.

Bereits in der Flüchtlingskrise hatte Kalbitz das Zusammenwirken von Parlament und Straße erfolgreich organisiert. In der Corona-Krise sollte Ähnliches gelingen: Aus dem Unmut vieler Bürger sollte Protest werden, aus dem offenen Widerstand gegen den Staat sollte sich das politische Kapital der AfD mehren – ausgehend von den überschaubaren »Hygienedemonstrationen« in der Hauptstadtregion in den vergangenen Monaten.

Verschwörungsideologie Zwar fiel der politische Ertrag danach bescheiden aus. Aber Corona ist das einzige Thema, das aktuell mobilisiert. Die AfD setzt auf eine Verschärfung der Krise, die sich im Wahljahr 2021 offenbaren könnte. In der Woche nach dem Abtritt von Kalbitz bereitet nun die Initiative der Corona-Leugner von »Querdenken« eine willkommene Bühne vor ihren verschwörungsideologischen und häufig antisemitischen Anhängern.

Darauf wird die AfD versuchen, als politischer Arm zu agieren, um das gemeinsame Ziel zu erreichen: die Bundesregierung aus dem Amt zu treiben und das Parlament aufzulösen.

Der Autor ist Journalist in Berlin.

Kommentar

Hätte er doch einfach geschwiegen

Michael Schulte ist der erfolgreichste deutsche Teilnehmer des ESC der letzten Jahre. Und Schulte ist ein geschichtsbewusster Künstler. Umso befremdlicher sind seine Einlassungen zu Israel

von Daniel Killy  18.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Wir Juden sollten uns nicht verstecken. Wir sollten offen, laut und stolz sein - auch und insbesondere auf den jüdischen Staat

von Daniel Neumann  17.04.2026

Meinung

Correctiv: Zu viel Theater, zu wenig Journalismus

Die Recherche zum »Potsdamer Geheimtreffen« hat deutschlandweit Proteste gegen die AfD ausgelöst. Doch die Kernaussage des Textes stimmt nicht, urteilt nun ein Gericht – und der Schaden ist groß

von Joshua Schultheis  16.04.2026

Meinung

Große Worte, leiser Rückzug – und Israel bleibt zurück

Für Israel war US-Präsident Trumps harte Linie gegen Iran eine sicherheitspolitische Rückendeckung. Jetzt, wo Trump den Rückzug angedeutet hat, entsteht ein strategisches und militärisches Vakuum

von Roman Haller  15.04.2026

Meinung

Wie die UN indirekt den Holocaust relativieren

Die kürzlich angenommene Resolution zur Aufarbeitung des transatlantischen Sklavenhandels ist ein Akt des geschichtspolitischen Revisionismus

von Jacques Abramowicz  15.04.2026

Meinung

Israel, Ungarn und die Abwahl Viktor Orbáns

Mit dem langjährigen Ministerpräsidenten hatte der jüdische Staat einen Verbündeten in der EU. Dennoch könnte dessen Abwahl eine Chance sein, das ungarisch-israelische Verhältnis auf eine nachhaltigere Grundlage zu stellen

von Domokos Szabó  14.04.2026

Essay

Schoa-Erinnerung ohne Juden

Gunda Trepp über ihren verstorbenen Ehemann Leo Trepp, die Vereinnahmung der Schoa und Wege jüdischen Erinnerns

von Gunda Trepp  14.04.2026

Meinung

Hoffentlich wird Viktor Orbán abgewählt

Am 12. April stehen in Ungarn Wahlen an. Unter seinem langjährigen Ministerpräsidenten ist das Land zu einem russischen U-Boot in der Europäischen Union geworden

von Joshua Schultheis  12.04.2026 Aktualisiert

Kommentar

Empathie für alle?

Dunja Hayali hat zu mehr Mitgefühl mit Betroffenen von Kriegen aufgerufen. Zu Recht. Was in den deutschen Medien jedoch kaum vorkommt: das Leid der Israelis, die unter dem ständigen Beschuss der Hisbollah stehen

von Jenny Havemann  10.04.2026