Kommentar

Absage an Danger Dan und Igor Levit: Das ZDF hat absolut richtig gehandelt

Chefredakteur Philipp Peyman Engel Foto: Marco Limberg

Kommentar

Absage an Danger Dan und Igor Levit: Das ZDF hat absolut richtig gehandelt

Nicht alles, was nicht justiziabel ist, muss auch gesendet werden. Schon gar nicht unverhohlene Aufrufe zur linksextremen Gewalt und Verherrlichung der »Hammerbande«-Terroristen

von Philipp Peyman Engel  18.07.2026 22:36 Uhr Aktualisiert

Kann die verurteilte, gewaltbereite deutsche Linksextremistin Lina E. ein Vorbild sein? Eine Täterin, die wegen schwerster körperlicher Angriffe auf tatsächliche und vermeintliche Neonazis mit mehr als fünf Jahren Gefängnis wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung bestraft wurde? Sind teils lebensgefährliche Angriffe, Körperverletzung und die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung plötzlich ein Vorbild, bloß, weil die Opfer »rechts« waren?

Wenn es nach Danger Dan und seinem neuen Lied »Keine Angst« geht, ist Lina E. ein solches Vorbild. Und nicht nur sie: Auch die Mitstreiter von Lina E. der sogenannten Hammerbande (die jungen Deutschen attackierten ihre Opfer laut Bundesgerichtshof zumeist mit Schlagwerkzeugen) »Gucci«, Maja T. hebt Danger Dan in seinem neuen umstrittenen Song positiv hervor.

Nun sollte man meinen, dass Konsens darüber besteht, dass ein solches Lied nicht geeignet ist, im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie dem ZDF live einem Millionenpublikum präsentiert zu werden. Der Liedtext kann schließlich nur mit sehr viel Fantasie und Naivität nicht als Aufruf zur Gewalt und Verherrlichung linksextremer Attacken verstanden werden – ein diametraler Gegensatz zum Auftrag und den Programmrichtlinien des ZDF. Weshalb es nicht nur nachvollziehbar ist, dass das ZDF den verabredeten Auftritt von Danger Dan, begleitet von Igor Levit am Klavier, in der Sendung »Die Anstalt« abgesagt hat.

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Der Text des Liedes ist nicht weniger als eine Anleitung zur Selbstjustiz im Vorgehen gegen »Faschos«, »Nazischweine«, »rechte Strukturen« (O-Ton Danger Dan) und die AfD. »Keine Angst, nehmt es selber in die Hand. Die seh’n gefährlich aus, aber wir legen sie lang«, heißt es an einer Stelle. »Koordiniert euch, fangt an zu trainier’n. Wenn ihr zusammen kämpft, dann kann es funktionier’n.«

Ebenso bezeichnend wie geschickt formuliert auch folgender Satz, wohl wissend, dass eine explizitere Aussage justiziabel wäre: »Juristisch ist mal wieder die Grauzone geschrammt. Ich lasse ihn jetzt einfach mal im Raum, den Elefant. Ist eh klar, was zu tun ist, ich sag nichts mehr dazu. Liebe Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk (von der «Hammerbande», Anm. d. Red.).«

Nun wird es wieder heißen: Die ZDF-Führung cancelt linke Künstler! Die Meinungs- und Kunstfreiheit wird beschnitten! Voreiliger Gehorsam gegenüber der AfD! Genau so verliert man den Kampf »gegen rechts«! Wenig überraschend deshalb auch, dass sich die ZDF-Sendung »Die Anstalt« sogleich auf die Seite von Danger Dan und Igor Levit gestellt hat: »Wir, ›Die Anstalt‹, distanzieren uns von dieser Entscheidung des ZDF. Wir empfinden die Entscheidung als mutlos – gerade jetzt, wo rechtsextreme Gewalt wieder stark zunimmt.«

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Begründet wird dieser kaum verhohlene Gewaltaufruf von Danger Dan mit den Zeiten, in denen wir angeblich leben: »Es gibt jetzt zwei Optionen, beide machen Stress. Eine ab morgen schon, die andere ab jetzt. Wir können darauf warten, dass sie in den Parlamenten und auf der Straße erstarken, bevor wir sie bekämpfen. Und wir warten, warten, warten, das ist erstmal bequemer. Es geht uns trotzdem an den Kragen, nur halt etwas später.«

Und weiter: »Die Geschichte hat uns schon mal gezeigt. Es wird noch schlimmer, wenn man gar nichts tut und schweigt. Dafür ‚ne kleine Chance, das Blatt nochmal zu wenden. Oder vielleicht das Schlimmste noch verhindern zu können.«

Will heißen: Entweder stoppen wir die AfD jetzt. Oder es wird schon bald zu spät sein.

Bei aller vorherigen großen Sympathie mit Danger Dan: Hier geriert sich einer als Widerständler in der Tradition der Weißen Rose. Doch Danger Dan ist nicht Sophie Scholl. Und Deutschland 2026 ist mitnichten Weimar. Der Vergleich mit der Weimarer Republik ist geschichtsvergessen und grundfalsch.

Danger Dan ist nicht Sophie Scholl. Und Deutschland 2026 ist mitnichten Weimar.

Ja, die AfD ist eine brandgefährliche, zu großen Teilen rechtsextreme Partei, die eben keine Alternative für Deutschland darstellt, auf fast alle großen Probleme unserer Zeit keine überzeugenden Antworten hat und nur deswegen so erfolgreich ist, weil die großen Volksparteien von der SPD über die Grünen bis hin zur CDU eine fatale Migrations-, Energie- und Wirtschaftspolitik zu verantworten haben. Das beste Wachstumsprogramm für Extremisten von rechts und links, das man sich nur vorstellen kann.     

Doch auch auf die Gefahr, wie eine Mischung aus unserem bräsigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, Kirchentag und bajuwarischer Law-and-Order-Politiker zu klingen: Die einzige Antwort auf jene, die unsere Freiheit beschneiden oder gar abschaffen wollen (seien es die »Faschos«, wie Danger Dan sagen würde, Linksextremisten auf den Straßen oder Linksextremisten der Partei Die Linke und des BSW in unseren Parlamenten, radikale Muslime oder die biodeutschen Genozid-Yalla-Intifada-Viva-Hamas-Schreier vom Ku’damm) ist der wehrhafte Rechtsstaat einerseits, demokratisches Engagement, eine konsequente Migrationspolitik und eine wirklich verantwortungsvolle, zukunftsgerichtete, wirtschaftsfreundliche Regierung andererseits.

Und eben nicht, den Nachbarn auszuspionieren, zu denunzieren und wie Lina E. mit Hämmern selbst loszuziehen und Menschen mit Schlagwerkzeugen grün und blau zu prügeln.

engel@juedische-allgemeine.de

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