ZDF

ZDF verbietet Igor Levit und Danger Dan zu singen

Danger Dan und Igor Levit Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

ZDF

ZDF verbietet Igor Levit und Danger Dan zu singen

Auf Social Media werfen die Musiker Igor Levit und Danger Dan dem öffentlich-rechtlichen Sender ZDF Zensur vor. Dabei geht es um ein gemeinsames Lied für die Sendung »Die Anstalt«

 17.07.2026 15:30 Uhr Aktualisiert

Ein Instagram-Post der Musiker Igor Levit und Danger Dan sorgt am Donnerstagnachmittag für Aufregung und Empörung. Darin heißt es, der öffentlich-rechtliche Sender ZDF habe einen »antifaschistischen« Liedbeitrag der beiden für die Satiresendung »Die Anstalt« kurzfristig und ohne Begründung abgesagt.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

»Ganz kurz vor der Aufzeichnung« habe die ZDF-Intendanz Veto »gegen unseren Auftritt eingelegt«, heißt es in dem Post. »Eine offizielle schriftliche Begründung für unsere Ausladung haben wir leider bislang nicht erhalten, aber natürlich hat dieses Auftrittsverbot einen politischen Hintergrund.« Zudem habe das Lied den Zuständigen »seit Wochen« vorgelegen und sei auch vom Sender-Justiziar geprüft worden, der »grünes Licht« gegeben habe.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

»Dieser Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit ist skandalös«, heißt es weiter. »Dass nicht alle das Lied, das wir spielen wollten, mögen würden, war uns klar (...) Dass wir jetzt aber schon an dem Punkt angekommen sind, an dem eine ZDF-Intendanz autoritär in Sendungen eingreift, antifaschistisches Liedgut verbietet und eine Begründung verweigert, das erschüttert uns und das nennt man nicht Demokratie, das ist ein autoritärer Akt.«

Lesen Sie auch

Schnell gab es Reaktionen aus der Politik- und Kulturszene. Julia Gámez Martin, Teil des Ensembles der Satiresendung »Die Anstalt«, schrieb: »Wir hatten uns sehr auf euch gefreut. Das ganze Team ist bestürzt und fassungslos!«

Die Pop-Band Leoniden kommentierte zynisch: »Schade, Deutschland.« Auch die Grünen-Abgeordnete Marlene Schönberger solidarisierte sich: »Kann nicht erwarten, euer Lied zu hören!« Die Band Donots kommentierte auf Social Media passenderweise den Namen des neuen Songs: »Keine Angst!«

Auch die Aktivisten vom Social-Media-Account »Jews of Berlin« zeigten sich schockiert. Der Sender müsse jetzt erklären, warum eine vorbereitete künstlerische Position nicht mehr stattfinden darf.

Lesen Sie auch

Die Pressestelle des ZDF antwortete mit folgender Erklärung. Darauf, dass der Sender-Justiziar »grünes Licht« gegeben habe und dass die Absage sehr kurzfristig geschehen sein soll, wird nicht eingegangen.

»Der Künstler Danger Dan war in die 100. Ausgabe von ›Die Anstalt‹ eingeladen, die sich mit dem Themenkomplex der wachsenden politischen Radikalisierung und der Wehrhaftigkeit der Demokratie auseinandersetzt. Im Rahmen der Sendung waren sowohl die Performance seines neuen Liedes ›Keine Angst‹, das sich mit dem Thema ›Widerstand gegen Rechtsextremismus‹ befasst, als auch eine sich daran anschließende diskursive Befassung damit geplant. Der Text des Liedes kann allerdings als Aufruf zu Gewalt verstanden werden. Ein solcher Aufruf stünde im klaren Widerspruch zu den Programmrichtlinien des ZDF. Im Zuge der Sendungsvorbereitung ergab die intensive redaktionelle Bewertung, in die auch die Geschäftsleitung des ZDF involviert war, dass dieser Widerspruch im Anschluss an die mehr als siebenminütige Live-Performance auf der Bühne nicht aufzulösen war. Vor diesem Hintergrund hat sich das ZDF dazu entschieden, sich zeitnah dokumentarisch-journalistisch mit dem Lied von Danger Dan zu befassen und an einer anderen Stelle im Programm aufzuarbeiten.«

»Mutlose Entscheidung«

Das Ensemble der Sendung »Die Anstalt« meldete sich am Donnerstagabend mit einem Kommentar unter dem Post von Igor Levit und Danger Dan. Darin heißt es: »Das ZDF hat Danger Dan kurz vor der Aufzeichnung wieder ausgeladen. Wir, ›Die Anstalt‹, distanzieren uns von dieser Entscheidung des ZDF. Wir empfinden die Entscheidung als mutlos — gerade jetzt, wo rechtsextreme Gewalt wieder stark zunimmt. Wir hätten es als öffentlich-rechtliche Pflicht angesehen, das Lied zu präsentieren und danach zu diskutieren.«

Getaggt sind die drei Ensemble-Mitglieder Max Uthoff, Claus von Wagner und Maike Kühl. Wie es aussieht, »wenn Sender und Sendung nicht einer Meinung sind«, heißt es weiter, »seht ihr in der nächsten Folge der Anstalt am Dienstag, 21. Juli, um 22:15 Uhr im ZDF.«. ja

Orlando (Florida)

Harrison Ford wird erneut zu Indiana Jones

Diesmal wird der jüdische Darsteller kein Abenteuer auf der Leinwand erleben. Aber worum geht es dann?

 20.08.2026

Frankfurt am Main

Motty Steinmetz stimmt auf die Hohen Feiertage ein

Es dürfte es ein Abend werden, bei dem Musik und Spiritualität besonders eng miteinander verbunden sind

 20.08.2026

Vorschau

Widderhorn im Dom und ein Hauch von »Yiddish Summer« - Festival »Shalom-Musik.Koeln«

Begegnungen, Neugier und Zuhören fördern - das wollen die Macher des Festivals »Shalom-Musik.Koeln«. Und reichlich Musik und Gesang auf die Bühne bringen. Der Verein hinter dem Festival bekommt dafür jetzt einen Preis

von Leticia Witte  20.08.2026

Kunst

Von Guggenheim bis Geffen

Wie jüdische Mäzene im 20. Jahrhundert der Moderne zum Durchbruch verhalfen

von Jana Talke  20.08.2026

Kulturkolumne

Some like it cold

Warum Disneys Eiskönigin nicht nur gegen Hitze hilft

von Sophie Albers Ben Chamo  20.08.2026

Medien

Protokollant des täglichen Irrsinns

Der Publizist Henryk M. Broder wird heute 80 Jahre alt. Eine persönliche Würdigung

von Reinhard Mohr  20.08.2026

Heidelberg

Hüter des Gedächtnisses

Im Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden liegt alles, was jüdische Gemeinden seit 1945 in Deutschland an Dokumenten produziert haben. Jens Hoppe, der Leiter der Einrichtung, sichert die Zukunft der Bestände

von Eugen El  19.08.2026

Programm

Ein Moped-Gottesdienst, Kaffee, Kuchen und ein Zirkus-Koffer in Frankfurt: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 20. August bis zum 27. August

 19.08.2026

Film

25 Jahre »A.I.«: Odyssee eines Roboter-Jungen

Ein Vierteljahrhundert ist Spielbergs Film »A.I. – Künstliche Intelligenz« jetzt alt. Das Werk ist extrem rührselig, aber dennoch sehenswert. Und es wirft Fragen auf, die auch 2026 sehr relevant sind

von Gregor Tholl  19.08.2026