Waren Sie schon mal in Nawahrudak? Nein? Wahrscheinlich haben Sie noch nie von diesem Ort gehört. Und auch ich habe es in den ersten 13 Jahren meines Lebens versäumt, das etwa 120 Kilometer westlich von Minsk liegende Städtchen zu besuchen. Vielleicht war das nicht so klug: Denn wie gefühlt jede belarussische Kleinstadt kann sich Nawahrudak mit jüdischen Söhnen und Töchtern rühmen, die es zu internationaler Bedeutung brachten.
Marc Chagall werden Sie jetzt zu Recht nennen. Aber wussten Sie auch, dass die israelischen Staatspräsidenten Chaim Weizmann, Salman Schasar und Schimon Peres auf dem Gebiet der heutigen Republik Belarus geboren wurden?
Der auch als Weißrussland bezeichnete Landfleck hat somit dreimal so viele israelische Staatschefs hervorgebracht als eigene! Fairerweise ist anzumerken, dass der bislang einzige Amtsinhaber Alexander Lukaschenko schon seit 1994 an der Macht klebt. Und seit neuestem interessiert er sich für einen weiteren berühmten Sprössling des einstigen jiddischen Siedlungsgebietes.
Die Kushners - Sprösslinge des einstigen jiddischen Siedlungsgebietes
Fiel Lukaschenko zuvor eher durch die antisemitische Beschimpfung jüdischer Belarussen auf, so hofft er nun, die Kushners in das von ihm beherrschte Land zu locken.
Tatsächlich wurde Joseph – der Patriarch des Clans um Charles Kushner, US-Botschafter in Paris, und Jared Kushner, Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump – im eingangs erwähnten Städtchen Nawahrudak geboren. Joseph Kushner überlebte die Schoa als Partisan und wanderte anschließend in die Vereinigten Staaten aus, wo er als Immobilienunternehmer reüssierte.
»Könntest du einen Zugang zum Weißen Haus organisieren?« - »Es ist nicht superschwer, aber auch nicht supernötig«
Belarus hat also weltberühmte Künstler, israelische Präsidenten und amerikanische Präsidentenschwiegersöhne hervorgebracht – das sumpfige Land ist ein wahrer Humus für große Persönlichkeiten! Langsam frage ich mich, was ich eigentlich falsch gemacht habe: Immerhin komme ich aus Minsk, die Weltbühne lässt aber weiterhin auf sich warten. Ich sollte meine persönliche Belarus-Connection intensiver pflegen!
Humus für große Persönlichkeiten
Das muss sich auch Alexander Lukaschenko gedacht haben, als er unlängst die Chance witterte, seine Beziehungen zu Trumps Weißem Haus zusätzlich aufzubessern, und die Kushner-Familie nach Nawahrudak einlud. Es wäre immerhin deren erster Belarus-Besuch seit über zehn Jahren – und diesmal bestimmt ein äußerst öffentlichkeitswirksamer.
Ein Zugang zum Weißen Haus! Die Mobiltelefonnummer des mächtigsten Mannes auf der Welt! Um an solche Preziosen zu kommen, bemüht sich Lukaschenko sogar, seinen Antisemitismus zu zügeln.
Chancen wollen genutzt werden, dachte auch ich und nahm vor ein paar Wochen meinen ganzen Mut zusammen: Ich rief einen Verwandten an, der mir zuvor von seiner Beteiligung an einem Bauprojekt in den Vereinigten Arabischen Emiraten erzählt hatte.
Ebenso beiläufig erwähnte er damals Jared Kushner, der ebenfalls in dem Projekt involviert sei. »Könntest du einen Zugang zum Weißen Haus organisieren?«, fragte ich den Verwandten nun aufgeregt am Telefon. »Es ist nicht superschwer, aber auch nicht supernötig«, lautete seine beiläufig-unaufgeregte Antwort.
Stimmt, dachte ich nach dem Gespräch: Wozu braucht man Connections ins Weiße Haus, wenn man ohnehin familiäre Wurzeln in Belarus hat! Wie übrigens auch Steve Witkoff und Steven Miller. Und all die anderen Promis, von denen Sie es vielleicht noch nicht wussten.