Es ist 20 Jahre her, dass Miranda Priestly, Nigel, Andy und Emily im Kinohit Der Teufel trägt Prada zu Ikonen der Kinounterhaltung wurden. Die scharfzüngige Komödie nahm begeistert den Heiligen Gral der Modebranche aufs Korn, denn Meryl Streeps Miranda war natürlich nichts anderes als eine Anna-Wintour-Parodie, und das »Runway«-Magazin war die »Vogue«.
Zur Erinnerung: Im Jahr 2006 gab es noch Heilige Grale, und die Leute gingen zuhauf ins Kino. Es war der Anfang von Facebook, Mark Zuckerberg noch ein belächelter Nerd. Klapp-Mobiltelefone und Nintendo Wii waren Trend, Streamer utopisch. Zac Efron feierte im High School Musical den internationalen Durchbruch, Hannah Montana startete durch, und Justin Timberlake sang »Sexy Back«. Und in Berlin wurde der neue Hauptbahnhof eröffnet.
Sie fühlen sich alt? Brauchen Sie nicht. Jedenfalls nicht, wenn Sie auf Leinwand oder Bildschirm schauen, wo Streep, Stanley Tucci, Emily Blunt und Anne Hathaway in der Fortsetzung des Kultfilms nicht einen Tag älter aussehen. Naja, Tucci vielleicht ein paar Wochen … Ansonsten ist Der Teufel trägt Prada 2 – sogar der Titel ist gebotoxt – wieder so anspruchsvoll harmlos und befriedigend, wie man es sich im Jahr 2026 kaum mehr zu wünschen wagt.
Sogar der Titel ist gebotoxt
Das Schlimmste, das passieren kann, ist, dass man nicht das richtige Outfit für die Hamptons parat hat, dass die Wandfarbe eine Spur zu rosa ist, oder dass man, Gott bewahre, Economy fliegen muss. Auf brutale Realitäten aus den täglichen Nachrichten wird verzichtet. Eigene Probleme werden vorzugsweise mit Geld überhäuft, bis sie so handlich sind wie ein Vintage-Valentino-Täschchen.
Und das geht so: Aus Anne Hathaways Andrea Sachs (»Das schlaue, fette Mädchen«, O-Ton Miranda im Original) ist tatsächlich eine seriöse Journalistin geworden. Sie sitzt zu Beginn des Films gerade mit Kollegen aus der Redaktion bei einer Medien-Preisgala, als dem gesamten Tisch per Textnachricht gekündigt wird. Willkommen in der Ära des Zeitungssterbens. Klicks sind wichtiger als der Inhalt, der sie auslöst.
Gleichzeitig stürzt »Runway« in die Krise, weil eine dort gefeierte Kleidermarke Kinder in Sweatshops zur Arbeit zwingt. Der Shitstorm brüllt und tobt, und diesmal gibt es keinen Privatjet, der Miranda nach Hause bringt. Auch in der glitzerbunten Fashion-Welt wird das Ende der Institutionen eingeläutet. Zumindest wird es versucht. Deshalb wird die bisher unberührbare »Runway«-Chefredakteurin nicht nur vom Verleger zusammengefaltet, sie muss schließlich sogar ihren Mantel selbst aufhängen. Und Thank God für Meryl Streep, die auch daraus ein Oscar-reifes Spektakel macht.
Die Wiedervereinigung von Andrea und Miranda
Andrea und Miranda werden nach zwei Dekaden wieder zusammengeworfen, weil die Verlagsspitze hofft, dass eine ernsthafte Journalistin in der »Runway«-Redaktion den Ruf des Mode-Schlachtschiffs und damit Anzeigen retten könnte. Das seit dem ersten Film so beliebte eiskalte Gefrotzel Mirandas beginnt von Neuem, während der Cashmere-knuffige Stanley Tucci auf seine Art Wogen glättet und Mini-Miranda Emily Blunt stählern dazwischenfunkt.
Meryl Streep, Emily Blunt und Anne Hathaway sehen nicht einen Tag älter aus.
Doch um wirklich auf alle Spoiler zu verzichten, die die Sehfreude schmälern könnten, nun ein Blick hinter den Vorhang. Denn da werkelt eine regelrechte Der Teufel trägt Prada-Mischpoche, die wunderbarerweise gleichgeblieben ist.
Angefangen mit Lauren Weisberger – »Natürlich bin ich eine jüdische Schriftstellerin« –, die 2003 den Roman Der Teufel trägt Prada über ihre Zeit als Assistentin von »Vogue«-Chefredakteurin Wintour vorlegte und über Nacht berühmt wurde – und das bereits vor Entstehung des Films. Den haben damals schon Regisseur David Frankel (Inventing Anna, Marley & ich), Hollywoods Power-Produzentin Wendy Finerman (Forrest Gump) und Drehbuchautorin Aline Brosh McKenna (Crazy Ex-Girlfriend) möglich gemacht und sich diesmal richtig Zeit gelassen, offensichtlich um der Geschichte von Miranda und Andrea eine Fortsetzung zu geben, die auch etwas zu sagen hat. Eine »Family Reunion« nannte Finerman die erneute Zusammenarbeit.
»Vogue«-Chefredakteurin Wintour inspirierte dei Miranda
Und die Familie ist groß. Der ungarisch-stämmige Tibor Feldman spielt wieder den Verleger Irv Ravitz, der offensichtlich vom früheren Condé-Nast-König Samuel Irving »S.I.« Newhouse inspiriert ist, der die »Vogue« einst weltweit zum Inbegriff des Modemagazins ausbaute. Ein Modemagazin, das die Welt nicht vergaß: Ex-Covergirl und Fotografin Lee Miller hatte zwischen Modeseiten darüber berichtet, was sie als US-Journalistin Ende des Zweiten Weltkriegs bei der Befreiung von Konzentrationslagern sah.
Jahrzehnte später, als »Vogue« sich dem Kampf um die digitale Modernisierung stellen musste, war es Vollblut-Journalistin und »Vogue«-Original Suzy Menkes, die erstaunlich früh und beeindruckend die Online-Präsenz des Hochglanzmagazins bereicherte. Und dann sind da noch Irene Lewisohn and Aline Bernstein, die Gründungsmütter des heutigen Costume Institute am Metropolitan Museum of Art, der Institution, wo unter Anna Wintours Schirmherrschaft alljährlich mit der Met-Gala die Mode-Oscars zelebriert werden.
So harmlos schimmernd und befriedigend der Kinoabend mit Der Teufel trägt Prada 2 ist, bietet die Geschichte auch tiefere Ebenen, und es ist die Kunst der Macher, es dem Zuschauer zu überlassen, ob er auch diese erkunden möchte. Das wiederum erinnert an die Szene im ersten Teil, als Miranda eine arrogant-unwissende Andy über die Bedeutung der Farbe Himmelblau in der Modewelt aufklärt. Alles hat Weg und Ursprung. Und nur weil wir die nicht kennen, heißt das nicht, dass es uns nicht auch persönlich betrifft.
Alles hat Wege und Ursprünge, die uns auch betreffen, obwohl wir sie nicht kennen.
Geradezu zärtlich ist die Reverenz an diesen Filmmoment im zweiten Teil, als Andy gleich zu Beginn beim Anblick eines himmelblauen Gürtels in der Auslage eines Straßenhändlers wissend lächelt.
Für die, die andere Töne gewohnt sind, wird sie bald darauf schreien: »Journalismus ist verdammt wichtig!« Aber dank des schlauen Drehbuchs und immer wieder auch subtiler Inszenierung sind es die feinen Spitzen, die die Fortsetzung so sehenswert machen. In diesem und Mirandas Sinne: »That’s all!«
Ab dem 30. April im Kino