Musik

Wenige gute Momente

Die Rapper Drake (l.) und 21 Savage Foto: Universal Music

Musik

Wenige gute Momente

Der kanadische Rapper Drake legt mit »Her Loss« zum zweiten Mal in diesem Jahr ein neues Album vor

von Lilly Wolter  19.11.2022 18:47 Uhr

Für seine letzten beiden Alben Certified Lover Boy (2021) und Honestly, Nevermind (2022) erntete Drake durchwachsene bis vernichtende Kritik. Jetzt legte er Anfang November seine neueste LP Her Loss vor. Dafür stellte sich Drake Atlanta-Rapper 21 Savage zur Seite, der schon auf Honestly, Nevermind als Feature-Gast auftauchte. Das schien dort gut zu funktionieren. Nun ist 21 Savage auf dem gesamten neuen Album als Co-Artist dabei.

Zum Glück, will man sagen, denn die wenigen guten Momente gehen meist auf dessen Konto (schade, dass er dabei wie ein Gast klingt). Bei elf von insgesamt 16 Tracks machen Drake und 21 Savage gemeinsame Sache. Vier weitere Tracks behielt sich Drake allein vor. Es gibt einen einzigen Song, auf dem nur 21 Savage zu hören ist.

loungestimmung Fans machten schon jetzt transparent: Die Begeisterung für Her Loss hält sich in Grenzen. Und das, obwohl Drake nicht wie bei Honestly, Nevermind auf Loungestimmung setzt. Auch sein gejaulter Gesang hält sich diesmal in Grenzen. Das Album beruht wieder darauf, worum alteingesessene Drake-Fans bettelten: solider Rap auf Beats, die sich eindeutig im Hip-Hop verorten lassen.

Dieser Fanservice ist in dem Punkt auch gelungen. Hervorzuheben ist, wie gut sich Drake und 21 Savage ergänzen. Immer dann, wenn Drakes markanter Rapstil zu viel zu werden droht, schafft 21 Savage mit seiner eingeschlafenen Stimme und seiner gleichgültigen Monotonie den idealen Ausgleich.

Dennoch: Her Loss ist voll generischer Beats. Kein Song will so richtig im Kopf bleiben. Am ehesten schafft dies noch der Intro-Track »Rich Flex«, was aber auch daran liegt, dass die Drake-Zeile »21 can you do something for me?« aktuell in den sozialen Medien millionenfach als Sound für alberne Videos kursiert – und erst dadurch zum kollektiven Ohrwurm wurde.

Außerdem gibt es darin Zeilen wie »Ihr Huren solltet wissen, mit wem ihr redet«. Das Interesse an Her Loss – was auf Deutsch so viel heißt wie »ihr Pech« – hält sich somit schon zu Beginn in Grenzen.

MISOGYN Es bleibt nicht der einzige misogyne Moment des Albums. Songs wie »On BS« oder »Treacherous Twins« retten auch nicht mehr viel, wenn sie ein Gefühl der Ungeduld erzeugen. Man will einfach nur weiterklicken, in der Hoffnung, dass der nächste Titel mehr Spaß macht.

Bei »Circo Loco« kommt dieses Gefühl definitiv auf, was nicht zuletzt an dem vielversprechenden »One More Time«-Sample der französischen Elektro-Formation Daft Punk liegen mag. Doch spätestens nach 30 Sekunden hat man sich an dem Verschnitt des 2000er-Hits sattgehört.

Einer der besseren Songs ist »Privileged Rappers« oder »Hours In Silence«, auch wenn sich Letzterer schrecklich in die Länge zieht. Ein durchweg schlechtes Album ist Her Loss aber dennoch nicht. Drake ist wieder im Rap angekommen und liefert zusammen mit 21 Savage einige Songs, die funktionieren. Tracks wie »Pussy & Millions feat. Travis Scott« will man sogar nochmal hören. Es ändert aber nichts daran, dass das Album insgesamt enttäuscht und vorhersehbar bleibt.

Glosse

Der Rest der Welt

Der ungelesene Bücherstapel oder Die Bibliografie des idealen Menschen

von Nicole Dreyfus  01.11.2026

Eröffnung

Museum Zwangsarbeit zeigt Ausstellung zu »unerwünschten Kindern«

Beziehungen zwischen Deutschen und Zwangsarbeitern im NS-Regime waren verboten. Trotzdem gab es diese Kontakte ebenso wie Kinder aus diesen Beziehungen. Eine Ausstellung in Weimar widmet sich den Geschichten der betroffenen Eltern und Kindern

 30.10.2026

New York

Nach Paul Simon wird auch Art Garfunkel 85

Mit Songs wie »The Sound of Silence« wurden Simon & Garfunkel weltberühmt – aber auch die Streits der beiden Schulfreunde aus New York sind legendär. Jetzt steht der nächste große Geburtstag an

von Christina Horsten  30.10.2026

Literatur

»Empfänger unbekannt«: Wenn ein Freund zum Feind wird

Die judenfeindlichen Novemberpogrome von 1938 jähren sich zum 88. Mal. Anlass, die Geschichte »Empfänger unbekannt« aus demselben Jahr zur Hand zu nehmen. Darin schlägt ein Jude zurück, mit überraschenden Mitteln

von Leticia Witte  30.10.2026

München

Julia Klöckner: Verteidigung jüdischen Lebens Aufgabe für alle

Jüdische Kultur ist in Deutschland tief verwurzelt. Zum 40. Mal wollen die Kulturtage diesen Reichtum würdigen. Für die Bundestagspräsidentin ein Anlass zu Mahnung und Hoffnung

 30.10.2026

Frankfurt

Eine Akademie für Deutschland

Am Montag wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet. Sie soll innerjüdische Debatten fördern und jüdische Perspektiven stärker in die Gesellschaft einbringen

von Josef Schuster  30.10.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Bettina Piper, Imanuel Marcus  29.10.2026

Auszeichnung

Shimon-Peres-Preis für deutsch-israelische Projekte

Für einen Dialog in Krisenzeiten werden jetzt zwei deutsch-israelische Projekte ausgezeichnet. Der Preis erinnert an den Friedensnobelpreisträger und israelischen Staatspräsidenten Shimon Peres

 29.10.2026

Kulturkolumne

Tikkun Olam am Abend

Das Geheimnis der Waldschnepfe

von Sophie Albers Ben Chamo  29.10.2026