Berlin

Weil Gal Gadot Israelin ist: Der Nahostkonflikt erreicht Schneewittchen

Gal Gadot (r.) und Rachel Zegler Foto: picture alliance / Chris Pizzello/Invision/AP

Eigentlich sollte es kurz vor dem Kinostart vor allem um den Film gehen. Bei der Neuverfilmung des fast 90 Jahre alten Disney-Klassikers »Schneewittchen« ist das anders, wenn er am Donnerstag in den deutschen Kinos anläuft.

Denn Kontroversen um die politischen Ansichten der Hauptdarstellerinnen Rachel Zegler und Gal Gadot zum Krieg gegen die palästinensische Terrororganisation Hamas in Gaza, die moderne Adaption des Märchens sowie Kritik an der Darstellung der sieben Zwerge sorgen in den sozialen Medien für Wirbel. Worum geht es genau?

Diskutiert wird etwa die Einstellung der israelischen Schauspielerin Gadot, die die böse Königin verkörpert, in Bezug auf Israel und den palästinensischen Terror. Der »Wonder Woman«-Star setzt sich gegen Antisemitismus und für die Freilassung der Hamas-Geiseln ein. Dafür hatte die jüdische Schauspielerin auch massiv Hass auf sich gezogen – und zwar von »Israelkritikern« und Terrorunterstützern. In Kommentaren kündigen einige Nutzer an, den Film zu boykottieren.

Terrorunterstützung und Rassismus

Schneewittchen-Darstellerin Zegler (»West Side Story«) hingegen hat sich in der Vergangenheit in den sozialen Medien für ein »free Palestine« ausgesprochen. Auch forderte sie im Januar einen Waffenstillstand, ohne auf die Geiseln hinzuweisen, die die Terroristen der Hamas weiterhin gefangen halten.

Lesen Sie auch

Der Nahostkonflikt ist nicht das einzig hochkochende Thema. Seit die Besetzung von Zegler in der Titelrolle bekannt wurde, geriet die US-Amerikanerin mit kolumbianischen Wurzeln ins Visier rassistischer Hetzer.

Einige störten sich in den sozialen Medien daran, dass ihre Haut - anders als im Original - nicht so »weiß wie Schnee« sei. Das weckt Erinnerungen an ablehnende Kommentare gegenüber Halle Bailey, die als schwarze Frau für die Rolle der berühmten Meerjungfrau Arielle in der gleichnamigen Neuverfilmung (2023) gecastet wurde.

»Walt Disney dreht sich im Grab um«

Für Entrüstung sorgte zudem Zeglers Aussage, der Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1937 sei »veraltet«. In dem Original-Märchen wird Schneewittchen von ihrer eifersüchtigen Schwiegermutter bedroht und findet Zuflucht bei den sieben Zwergen. Nach einer Vergiftung fällt sie in einen todesähnlichen Schlaf, aus dem ein Prinz sie wiedererweckt.

Dies wird in der Neuadaption wohl anders gelöst, wie die 23-Jährige in einem Interview im Jahr 2022 andeutete: »Sie wird nicht vom Prinzen gerettet werden, und sie träumt nicht von der wahren Liebe, sondern davon, die Anführerin zu werden, von der sie weiß, dass sie es sein kann.« In den Kommentarspalten warfen Nutzer ihr mangelnden Respekt vor dem Original vor. Jemand schrieb: »Walt Disney dreht sich im Grab um.«

Schließlich kritisierte der kleinwüchsige Hollywood-Schauspieler Peter Dinklage (»Game of Thrones«) die Darstellung der Zwerge in der Neuverfilmung. In einem Podcast im Jahr 2022 hatte er Disney Scheinheiligkeit vorgeworfen.

Negative Klischees

Das Studio habe stolz herausgestellt, eine Latina-Schauspielerin als Schneewittchen zu casten und sich damit fortschrittlich zu zeigen - »aber dann machen sie immer noch die verdammt rückständige Story über sieben Zwerge, die zusammen in einer Höhle leben?«, sagte Dinklage.

Das Disney-Studio teilte daraufhin mit, man habe sich mit Vertretern der Kleinwüchsigen-Gemeinschaft beraten und verfolge bei den sieben Figuren einen anderen Ansatz. Man wolle es vermeiden, negative Klischees aus dem Original-Zeichentrickfilm zu bestärken.

Das Remake unter der Regie von Marc Webb (»The Amazing Spider-Man«) ist eine Realverfilmung mit animierten Elementen. Auch die Zwerge wurden computeranimiert, wie im Trailer zu sehen ist. 1937 hatte das Studio mit »Schneewittchen und die sieben Zwerge« seinen ersten abendfüllenden Zeichentrickfilm herausgebracht. (mit ja)

Kino

Miranda ist zurück

20 Jahre nach dem großen Erfolg von »Der Teufel trägt Prada« geht es weiter. Und das Ticket lohnt sich sogar

von Sophie Albers Ben Chamo  30.04.2026

Kulturkolumne

Wer braucht schon Kontakte ins Weiße Haus?

Unser Autor hat das nicht nötig – dank seiner Belarus-Connection

von Eugen El  30.04.2026

Medien

Springer-Chef Döpfner nimmt »Politico«-Redaktion in die Pflicht

Niemand sollte für Axel Springer arbeiten, wenn er Israels Existenzrecht anzweifelt, stellt Mathias Döpfner nach Kritik aus der »Politico«-Redaktion klar

 29.04.2026 Aktualisiert

Zahl der Woche

5 Millionen Bücher

Funfacts & Wissenswertes

 29.04.2026

Forum

Leserbriefe

Kommentare und Meinungen zu aktuellen Themen der Jüdischen Allgemeinen

 29.04.2026

Ausstellung

Caricatura-Galerie Kassel zeigt Cartoons zu jüdischem Leben

»Haben Juden nichts zu lachen?« - Die Caricatura-Galerie in Kassel eröffnet eine Ausstellung mit Karikaturen »zwischen bitterer Ironie und nachdenklicher Leichtigkeit«

 29.04.2026

Programm

Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 30. April bis zum 7. Mai

 29.04.2026

Berlin

Gericht weist Eilantrag zurück: Streit um Filmprojekt mit Sarah Maria Sander geht weiter

Im Zentrum des Rechtsstreits steht die Frage, ob Sander ihre Hauptrolle rechtmäßig verlor. Spielte ihr Engagement für Israel und gegen den palästinensischen Terror dabei eine Rolle?

 29.04.2026

Hanno Loewy

(K)ein Abschied von Hohenems

Der ehemalige Direktor des Jüdischen Museums zieht ein Resümee – nach 22 Jahren als Leiter des Hauses. Zu Besuch in der Villa Rosenthal im österreichischen Vorarlberg

von Nicole Dreyfus  29.04.2026