Fernsehen

Vor 50 Jahren lief zum ersten Mal »Dalli Dalli«

Von 1971 bis 1986 präsentierte Hans Rosenthal die beliebte Quizshow im ZDF. Foto: imago/United Archives

Der Mann ging nicht, nein er flitzte förmlich zu schmissigen Big-Band-Klängen auf die Bühne. »Tempo ist unsere Devise«, erläuterte Hans Rosenthal bei der Premiere von »Dalli Dalli« das Prinzip der Rateshow im ZDF.

Vor 50 Jahren, am 13. Mai 1971, flimmerte das vom Moderator selbst ersonnene »Quiz für Schnelldenker« erstmals über die Mattscheiben. »Dalli Dalli« war Titel und Kommando zugleich. Wenn Rosenthal, oft mit gestrecktem Zeigefinger auf seine Kandidaten weisend, die magischen Worte aussprach, mutierten Prominente zu Wortakrobaten und Zirkusartisten.

Vor der legendären Wabenkulisse kämpften vier Zweier-Teams bei Assoziations- und Geschicklichkeitsspielen um eine möglichst hohe Punktzahl. Diese kam, in einen Geldbetrag umgerechnet, Hilfsbedürftigen zugute. »Den konkreten Anlass durfte das Gewinnerpaar vorlesen«, heißt es im »Fernsehlexikon« von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier. »Rosenthal fügte dann mehrere erläuternde Sätze über das jeweilige Schicksal hinzu, was jeder Sendung einen gedämpften Abschluss verlieh.«

Der wirkte aber nie aufgesetzt - obwohl die 90 Minuten davor für kurzweilige Unterhaltung reserviert waren. Überraschende Ansichten offenbarte etwa der junge Günther Jauch. Auf die Aufforderung »Nennen Sie uns mal die Vorzüge der Ehe!« lautete eine der Antworten Jauchs: »Prügeln!«

Selbst Kirchenmänner gaben sich bei »Dalli Dalli« die Ehre. In der Sendung vom 15. Februar 1973 bildeten der evangelische TV-Pfarrer Adolf Sommerauer und der damalige Fernsehbeauftragte der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Werner Brüning, ein Rateteam. »Ich finde es gut, dass Seelsorger auch mal mitmachen, denn sie sind ja Menschen wie du und ich«, kommentierte der Quizmaster.

Rosenthal war und konnte aber noch mehr als TV- oder Radioshows wie »Dalli Dalli«, »Allein gegen alle« oder »Das klingende Sonntagsrätsel«. 1980 erschien seine Autobiografie »Zwei Leben in Deutschland«. Darin schildert er die abenteuerliche und berührende Geschichte seiner Jugend als Jude im Hitler-Deutschland.

Das Wort Jude indes kam Rosenthal, der sich später auch im Zentralrat der Juden in Deutschland engagierte, nur schwer über die Lippen. »Durch die Nazis, durch ihre Hetzschriften, die Riesenlettern im ‚Stürmer‘ ist mir dieses Wort auf immer verleidet worden.«

Mit viel Glück überlebte der junge Vollwaise den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg - zum Schluss zwei Jahre lang versteckt in der Laubenkolonie »Dreieinigkeit« im Berliner Bezirk Lichtenberg. Seinen geliebten Bruder Gert konnte er am Ende nicht vor der Gestapo beschützen.

Am 19. Oktober 1942 wurde der Zehnjährige nach Riga abtransportiert; danach verliert sich seine Spur. Er wurde von den Nazis ermordet. Eine Nachricht vom Suchdienst des Roten Kreuzes von 1976 fügte Rosenthal seinem Buch bei.

Es gehört zur Größe des nur 1,70 Meter kleinen Rosenthal, dass er trotz alledem keinen Hass gegen Deutschland hegte. Stattdessen nutzte er seine Talente, um seinen Mitbürgern zu zeigen, »dass jüdische Menschen sind wie alle anderen«.

Vergessen konnte und wollte er freilich nicht. Als die 75. Ausgabe von »Dalli Dalli« auf den 9. November 1978 fallen sollte, den 40. Jahrestag der Novemberpogrome von 1938, drang Rosenthal beim ZDF darauf, den Sendetermin zu verschieben - vergeblich. Deshalb moderierte er in schwarzer Trauerkleidung; statt Schlagern waren in den Ratepausen Opernklänge zu hören.

Bis 1986 führte Rosenthal insgesamt 153 Mal durch die Sendung. Am 10. Februar 1987 starb der Moderator und Entertainer nach kurzer, schwerer Krankheit mit nur 61 Jahren. ZDF und NDR legten später Remakes auf. Rosenthal bleibt freilich unvergessen.

Besonders in Erinnerung blieben den Zuschauern seine Luftsprünge, mit denen er seit 1976 besonders gelungene Leistungen feierte. Ankündigen tat er das mit »Sie sind der Meinung, das war...« - die Zuschauer im Studio ergänzten ein lautes »Spitze!«. Als es ihm Kai Pflaume Jahrzehnte später nachtat, schlagzeilte die Presse: »Pflaume springt, das Publikum jubelt.«

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