Berlinale Shorts

In der Kürze ...

Yolande Zauberman bei der Verleihung de französischen Filmpreises »César« Foto: picture alliance / abaca

... liegt ja bekanntlich die Würze. Und deswegen gibt es auch auf der 76. Berlinale die beliebte Rubrik »Berlinale Shorts«. Zwei Filme der insgesamt vier mehrstündigen Kurzfilm-Blöcke setzen sich mit jüdischen Lebenswelten auseinander. Wir stellen sie Ihnen vor – auch in aller Kürze.

Les Juifs Riches von Yolande Zauberman

Was für eine schöne Chuppa und diese Barmizwa erst. Groß, ausschweifend, die besten Kleider, die schönsten Säle – die Szenen in Yolande Zaubermans Kurzfilm Les Juifs Riches beeindrucken. Was für Feiern müssen das wohl gewesen sein, die mit den Kameras für die Familie festgehalten wurden? Sieht man nur die Bilder könnte man denken: Schöne Welt.

Aber die französische Regisseurin Yolande Zauberman bricht diese feierlichen Bilder. Mit ihren Erzählungen einer anderen, einer traurigen Familienchronik. Die von in Vernichtungslagern ermordeten jüdischen Verwandten, von dem versuchten Überleben ohne Verwandte. Zauberman erzählt mit einer ruhigen Beiläufigkeit diese Biografien, als blätterte sie durch ein Fotoalbum.

Die 70-jährige Regisseurin, die für ihren Dokumentarfilm La Belle de Gaza aus dem Jahr 2024, über eine Transperson, die von Gaza nach Tel Aviv geflüchtet sein soll, eine lobende Erwähnung beim 31. Jüdischen Filmfestival Berlin Brandenburg erhalten hatte, hat ihrem jüngsten Dokumentarfilm einen Rhythmus gegeben: Farbvideos, Familiengeschichten, danach immer ein kleiner Moment des Lächelns. Als ob es der traurige Lauf der Welt ist, dass nach Lachen immer Weinen kommt.


Plan Contraplan von Radu Jude und Adrian Cioflâncă

Volle Milchflaschen, leere Regale, Tische mit bescheidenen Suppentellern und wenig Suppe – die Momente, die der jüdische Fotograf Edward Serotta Mitte der 80er-Jahre in Rumänien mit seiner Kamera festgehalten hat, sind ein Abbild der Armut. Verfallende Häuser, mitten in Bukarest klafft eine riesige Baustelle, auf der nichts in die Höhe wächst, auch dann nicht, wenn eine hohle Losung des Diktator Nicolae Ceaușescu davorsteht.

Serotta wollte trotzdem in das osteuropäische Land, musste vorher versichern, dass seine Absichten nur positiv seien und er nichts negatives zeigen würde. Zwei Jahre umfassen seine Aufnahmen, die in dem Kurzfilm Plan Contraplan von Radu Jude und Adrian Cioflâncă auf der Berlinale gezeigt werden.

Einen besonderen Schwerpunkt legte Serotta auf das Fotografieren jüdischen Lebens in Rumänien. Obwohl er das eigentlich, wie er im Film erzählt, gar nicht vorhatte. Aber irgendwas zog ihn zu den Orten hin. Also besuchte er Gedenkorte, Gemeinden, Menschen. Er war dabei nicht allein. Zwar hatte Begleitungen, die er kannte.

Aber er wurde auch von Unbekannten beobachtet – und fotografiert. Diese Unbekannten waren Mitarbeiter des rumänischen Geheimdienstes »Securitate«. Sie folgten Serotta auf Schritt und Tritt und hielten in Notizen fest, was »dieser Amerikaner« da so tat, mit seiner Kamera in Rumänien. Die stupide Akribie dieser Securitate-Mitarbeiter schreit durch den zweigeteilten Film. Hätten sie doch die Zeit, in der sie Menschen beschatteten dafür genutzt, für das Wohl der Bürger zu sorgen: die Suppenteller wäre voll gewesen, die Regale vielleicht auch.

Die Idee zum Film, erzählt Adrian Cioflâncă, sei während der Pandemie entstanden. Beide Regisseure kannten Serotta durch dessen Oral History Projekt »Centropa«, das jüdisches Leben im 20. Jahrhundert dokumentiert. Serottas Fotos sind ein Teil davon, den man sich unbedingt ansehen sollte.

Kino

Unter einem guten Stern

Jüdische Themen sind im französischen Kino immer wieder sehr gut aufgehoben. Auch »Nur ein kleines bisschen Glück« trifft mit Leichtigkeit mitten ins Herz

 11.09.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Ins kühle Nass vor den Hohen Feiertagen?

von Katrin Richter  11.09.2026

5787

Nicht so viel fluchen, Spenden verdoppeln

Das neue Jahr soll besser werden. Unsere Autorin listet ihre Vorsätze auf. Eine Glosse

von Adriana Altaras  11.09.2026

Filmfestival

25 Minuten Beifall in Venedig

Die neue Doku von Yuval Abraham und Rachel Szor beschäftigt sich mit Einsätzen der israelischen Armee in Gaza – die Macher von »No Other Land« haben Chance auf Goldenen Löwen

 11.09.2026

Zahl der Woche

100 Töne

Fun Facts und Wissenswertes

 11.09.2026

Kulturkolumne

Der Koffer meines Vaters

Wie ich versuchte, Geheimnisse zu lüften, die auch meine eigenen waren

von Sophie Albers Ben Chamo  11.09.2026

Vancouver

Boy George für Unterstützung Israels und der jüdischen Gemeinschaft geehrt

In der Synagoge Temple Sholom singt er seinen Song »We Will Dance Again« und wird vor Hunderen Gemeindemitgliedern und Gästen befragt

 11.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  11.09.2026

Kommentar

Ja, du bist gemeint!

Im Leben gibt es Menschen, die erkennen, was vor sich geht, und andere, die einfach blind den Trends folgen. Warum ich an der Seite meiner jüdischen Freunde stehe

von Boy George  11.09.2026