Nachruf

Trauer um André Glucksmann

André Glucksmann (1937–2015) Foto: Stephan Pramme

Nachruf

Trauer um André Glucksmann

Französisch-jüdischer Philosoph starb im Alter von 78 Jahren in Paris

von Ayala Goldmann  10.11.2015 09:50 Uhr

André Glucksmann ist tot. Der französisch-jüdische Philosoph und Essayist starb im Alter von 78 Jahren in der Nacht zum Dienstag. Das berichtete der französische Radiosender »France Info« unter Berufung auf die Familie. Glucksmann gehörte gemeinsam mit Bernard-Henri Lévy und Alain Finkielkraut zu den Vordenkern der »Nouveaux philosophes« in Frankreich. Sie setzten sich mit dem Marxismus auseinander und entwarfen dabei eine entschiedene Kritik totalitärer Systeme.

Glucksmann wurde 1937 als Sohn ostjüdischer Emigranten im französischen Boulogne-sur-Mer geboren. Seine Eltern stammten aus Prag und der Bukowina, hatten sich in den 20er-Jahren in Palästina kennengelernt, kehrten dann nach Europa zurück und flohen 1936 vor den Nationalsozialisten aus Deutschland nach Frankreich. André Glucksmann wurde bis zum Ende des Krieges unter falschem Namen in Frankreich versteckt. Sein Vater kam 1940 ums Leben.

freiheit Bereits als Schüler war Glucksmann Anhänger der Kommunistischen Partei Frankreichs. Mit 17 Jahren trat er in die Partei ein, wurde aber wegen seiner Kritik am sowjetischen Einmarsch in Ungarn (1956) ausgeschlossen. Später stand er der maoistischen Linken nah und wurde Mitglied einer illegalen Gruppierung. 1968 nahm er an den Mai-Demonstrationen in Paris teil.

Auch wegen seiner Erfahrungen mit der militanten Linken wandelte sich Glucksmann zu einem vehementen Anwalt der Freiheit. Seine massive Kritik am Kommunismus wurde ausgelöst durch die Lektüre von Alexander Solschenizyns Der Archipel Gulag.

Werke Glucksmann veröffentlichte zahlreiche politische und philosophische Schriften. Als sein Hauptwerk gilt die 1977 erschienene Abhandlung Die Meisterdenker. 1985 erschien Die Macht der Dummheit, in der er unter anderem mit der sozialistischen Führung in Frankreich abrechnete. Viel diskutiert wurde auch sein Buch Der Stachel der Liebe. Ethik im Zeitalter von Aids (1995).

1999 befürwortete André Glucksmann den Krieg der Nato gegen Slobodan Milosevic und das Bombardement Jugoslawiens. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA forderte er einen Krieg gegen die »Internationale der Mörder«. Später wurde der Philosoph zum Fürsprecher der UN-Missionen in Afghanistan und Irak und machte sich für humanitäre Einsätze zur Verhinderung von Völkermorden stark.

Glucksmanns Sohn Raphael schrieb am Dienstag auf Facebook: »Mein erster und bester Freund ist nicht mehr da. Ich hatte die unglaubliche Chance, diesen Mann zu kennen, mit ihm zu diskutieren, zu reisen, und zu spielen – alles und nichts mit ihm zu tun.«

Kulturkolumne

»Absteiger« oder Zünglein an der Waage?

»Absteiger« oder Zünglein an der Waage: Israelis im Ausland und die Wahl am 27. Oktober

von Ayala Goldmann  30.07.2026

London

Gericht verurteilt Amy Winehouses Vater zu Millionenzahlung nach gescheiterter Klage

Mitch Winehouse muss das Geld an zwei langjährige Vertraute seiner Tochter überweisen

 30.07.2026

Beziehungen

Es geht nicht um Leben oder Tod

Gute Freunde sind ein Geschenk. Und wenn es Krach gibt, sollte man tief durchatmen – und ein paar Tage später wieder anrufen

von Adriana Altaras  30.07.2026

Zahl der Woche

7 Wochen

Fun Facts und Wissenswertes

 28.07.2026

Literatur

Von der Liebe in Zeiten der ’Ndrangheta

In seinem Tatsachenroman erzählt der italienisch-jüdische Autor Roberto Saviano die Geschichte einer verschwundenen Frau

von Knut Elstermann  28.07.2026

Aufgegabelt

Marokkanische Bällchen

Rezepte und Leckeres

 28.07.2026

Vladimir Shikhman

Meinung

Das ibug-Festival 2025 – eine sächsische Documenta?

Antisemitismus in der Kunst: Auf dem internationalen ibug-Festival in Chemnitz wurden im vergangenen Jahr Werke gezeigt, die antisemitische Klischees reproduzierten. Droht dieses Jahr eine Wiederholung?

von Vladimir Shikhman  28.07.2026

London

Boy George veröffentlicht israelsolidarischen Song »We Will Dance Again«

Der britische Sänger stellt in seinem neuen Reggae-Lied klar: »Ich stehe auf der Seite der Juden.«

von Imanuel Marcus  28.07.2026

New York

Carly Simon hat Parkinson

Die Sängerin und Songschreiberin mit jüdischem Familienhintergrund kämpft mit zwei gesundheitlichen Problemen. Trotzdem hat es sie es geschafft, ein neues Album aufzunehmen

 28.07.2026