Los Angeles

»The Studio« räumt bei den Emmys 13-fach ab

James Weaver, Evan Goldberg und Seth Rogen mit den Emmys für ihre Serie »The Studio« Foto: picture alliance / newscom

Die Hollywood-Satire »The Studio« (AppleTV+) ist mit 13 Preisen der große Gewinner der diesjährigen Emmys. Noch nie hat eine Comedyserie in einem einzigen Jahr mehr Preise bekommen. Die stargespickte Serie erzählt vom neuen Chef eines Filmproduktionsstudios, der verzweifelt den Spagat zwischen Kunst und Kommerz schaffen will. Der jüdische Hauptdarsteller, Co-Autor und Co-Regisseur Seth Rogen gewann in diesen Kategorien ebenfalls den begehrten TV-Preis. 

Ein Schnappschuss des Abends zeigt den Produzenten James Weaver, den anderen jüdischen Co-Regisseur Evan Goldberg und Seth Rogen mit so vielen Emmys, wie sie halten können.

Der Krankenhaus-Serie »The Pitt« gelang eine große Überraschung. Die in Echtzeit erzählte Reihe setzte sich in der Königskategorie beste Dramaserie überraschend durch, und zwar gegen die favorisierte Büro-Dystopie »Severance« (AppleTV+) und die beliebte Luxusurlaub-Satire »The White Lotus« (Sky Atlantic). Sie kam auf insgesamt fünf Auszeichnungen. »The Pitt« ist in Deutschland noch ohne Sendeplatz.

Größtes Comeback

Noah Wyle, Hauptdarsteller mit jüdischem Hintergrund, gelang zudem das größte Comeback des Abends. Er war zwischen 1995 und 1999 fünfmal in Folge erfolglos als John Carter in »Emergency Room« für einen Emmy nominiert worden und konnte nun in der Hauptrolle endlich die Trophäe mit nach Hause nehmen. Wyle meinte in seiner Dankesrede, dass der Preis zur Hälfte seiner Frau gehöre, »und das nicht nur wegen des Scheidungsrechts in Kalifornien«. 

Lesen Sie auch

Beste Miniserie wurde »Adolescence« (Netflix). Das fesselnde Jugendgewaltdrama hatte auch in Deutschland für viele Diskussionen gesorgt und erzählt in vier Teilen vom Mord an einer Schülerin durch einen anderen Teenager. Jungdarsteller Owen Cooper gewann für seine komplexe Darstellung des Täters den Preis als bester Nebendarsteller in einer Miniserie. Der 15-Jährige ist damit laut der Television Academy der jüngste männliche Schauspieler, der je einen Emmy-Schauspielpreis bekam. 

Sein Serienvater Stephen Graham bekam die Auszeichnung für die beste Hauptrolle in einer Miniserie. Graham war auch als Autor und Produzent an »Adolescence« beteiligt und wurde dafür ebenfalls prämiert. Die Serie gewann sechs Emmys.

Colberts Auftritt

Für Gesprächsstoff sorgte die jüdische Schauspielerin Hannah Einbinder, die für »Hacks« (im Streaming bei RTL+ und Netflix) nach drei erfolglosen Nominierungen erstmals den Preis als beste Nebendarstellerin in einer Comedy gewann. Ausgerechnet sie rief am Ende ihrer Rede: »Go Birds! Fuck ICE! And Free Palestine!«. »Go Birds!« ist der Schlachtruf für ein American Football-Team, ICE die amerikanische Einwanderungspolizei und »Free Palestine« eine israelfeindliche Parole.

Etwas leiser kam ein Kommentar zur aktuellen US-Politik von Stephen Colbert daher. Der Latenight-Moderator bekam an gleich zwei Stellen langanhaltenden Applaus. Vor zwei Monaten war Ende seiner »Late Show« verkündet worden, die in den USA wie auch die Emmy-Verleihung beim eher konservativen Sender CBS läuft. Das für Mai 2026 angekündigte Aus hatte Kritik ausgelöst, weil Colbert als Kritiker von Donald Trump gilt und viele Branchenkenner vermuteten, dass CBS aus Rücksicht auf den US-Präsidenten gehandelt habe.

Als Colbert zu Beginn der Award-Show einen Preis vergab, sagte der 61-Jährige lachend: »Wenn ich gerade eure Aufmerksamkeit habe: Stellt irgendjemand hier neue Mitarbeiter ein?« Später bekam er den Emmy für die beste Unterhaltungs-Talkshow und wurde ernster. »Manchmal weiß man erst wirklich, wie sehr man etwas geliebt hat, wenn man das Gefühl hat, dass man es verlieren könnte«, sagte Colbert und ließ dabei offen, ob er seine eigene Sendung oder den Zustand der Demokratie in den USA meinte. Er ergänzte: »Ich habe mein Land niemals verzweifelter geliebt. Gott segne Amerika. Bleibt stark, seid mutig.«

Ablenkung von Danksagungen

Ansonsten fiel angesichts der üblichen Danksagungen für Familie, Kollegen und Agenten auf, wie sehr Hollywood auf allzu regierungskritische Aussagen verzichtet. Schon die Verpflichtung von Nate Bargatze als Moderator war dafür ein Zeichen. Er gilt als ausdrücklich unpolitischer Comedian, der im vergangenen Jahr mit sympathischem Alltagshumor über einen Durchschnittstypen in der modernen Welt große Erfolge feiert.

Der 46-Jährige eröffnete die Show mit einer verunglückten Idee: Bargatze kündigte an, 100.000 Dollar an die Kinder- und Jugendhilfe vom »Boys and Girls Club of America« spenden zu wollen – sollte aber eine Dankesrede länger als 45 Sekunden dauern, werde er für jede zusätzliche Sekunde 1.000 Dollar von der Spende abziehen. Für jede Sekunde, die die Ausgezeichneten in ihren Reden einsparten, würde er 1.000 Dollar mehr zahlen, so der Moderator weiter.

Die Produzenten blendeten bei vielen Reden den aktuellen Spendenstand ein und lenkten damit oft von den rührenden Momenten der Danksagungen ab. Online beschwerten sich viele Zuschauer, die Idee wirke wie eine Beleidigung für Fans von Awardshows, die sich gerne die Reden anschauen. 

Am Ende stand der Zähler gar im Minus. Schließlich verkündete Bargatze, dass er doch 250.000 Dollar spenden werde und der Sender weitere 100.000 Dollar beisteuere. Er habe die Idee ohnehin nicht gutgeheißen, beteuerte der Moderator des Abends. (mit ja)

Meinung

Schuld und Sühne?

Martin Krauß irritiert der Umgang mancher Medien mit dem »Dschungelcamp«-König Gil Ofarim

von Martin Krauß  12.02.2026

Kulturkolumne

»Konti: Mission BRD«

Meine Bewältigung der Einwanderung nach Deutschland: Wie ich als Immigrant ein Brettspiel entwickelte

von Eugen El  12.02.2026

Hollywood

Rachel Weisz spielt in Neuauflage von »Die Mumie« mit

Beim dritten Teil hatte die Schauspielerin eine Mitwirkung abgelehnt, da sie das Drehbuch nicht überzeugt hatte. Auf den neuesten Film müssen Fans noch etwas warten

 12.02.2026

Erfurt

Jüdische Kulturtage mit mehr Sichtbarkeit in Israel

Dank eines gewachsenen Netzwerks erwarten die Organisatoren von Thüringens größtem jüdischen Festival zahlreiche Künstler aus Israel

 12.02.2026

Filmfestspiele

Was die Berlinale diesmal bietet

Wieder läuft keine israelische Produktion im Wettbewerb. Dafür finden sich viele jüdische und israelische Perspektiven im gesamten Programm

von Sophie Albers Ben Chamo  11.02.2026

Berlinale

»Wir wollen die Komplexität aushalten«

Wenn die Welt um einen herum verrücktspielt, helfen nur Offenheit und Dialog, sagt Festivalchefin Tricia Tuttle

von Sophie Albers Ben Chamo  11.02.2026

Meinung

Oliver Pochers geschmacklose Witze über Gil Ofarim

Der Comedian verkleidet sich auf Instagram als Ofarim und reißt Witzchen über die Schoa. Während echte Komiker Humor stets als ein Mittel nutzen, um sich mit den Schrecken und Abgründen dieses Verbrechens auseinanderzusetzen, tritt Pocher nur nach unten

von Ralf Balke  11.02.2026

Nachruf

Israels verkanntes Musikgenie

Unser Autor hörte Matti Caspi schon als Kind bei einem Konzert im Kibbuz. Eine persönliche Erinnerung an den Sänger und Komponisten, der mit 76 Jahren an Krebs gestorben ist

von Assaf Levitin  11.02.2026

Kultur

Ensemble, Schmäh und Chalamet: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 12. Februar bis zum 18. Februar

 11.02.2026