Comedy

Streichelzoo mit Fischen

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Streichelzoo mit Fischen

Die Serie »JoJo & Simha: Exploring Berlin3000« erzählt auf Social Media von drei tollpatschigen jüdischen Handwerkern der Zukunft

von Pascal Beck  09.03.2026 17:00 Uhr

JoJo, Simha und ihr Bruder sind die schlechtesten Handwerker in der Galaxie. Selten reparieren die drei Fixler-Brüder das, was sie reparieren sollten. In der Regel richten sie sogar ein noch größeres Chaos an. Beim Versuch, einen Türknauf zu reparieren, der gar nicht kaputt ist, verletzen sie sich beispielsweise selbst. Mit ihrer Tollpatschigkeit bringen sie immerhin einen sonst eher humorlosen und strengen Sachbearbeiter der Einwanderungsbehörde zum Lachen. Auch ein Angelmuseum leidet unter ihren Fähigkeiten. Das wird dann kurzerhand zu einer Art Streichelzoo mit Fischen umfunktioniert.

In bislang vier ultrakurzen Episoden von je einer Minute erzählt die animierte Mikro-Comedy-Serie Jojo & Simha: Exploring Berlin3000 die Geschichte der drei tollpatschigen Brüder und ihres Ankommens in einem Berlin der Zukunft. Produziert hat die Serie die Berliner Non-Profit-Organisation Mosaik G.C.B. mit einer Förderung der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt des Landes Berlin. Autor der Serie ist Zack Weiner, der auch am Spielfilm Bad Shabbos, Publikumspreisgewinner beim New Yorker Tribeca Film Festival, mitgeschrieben hat. »Bad Shabbos« lief auch beim letztjährigen Jüdischen Film Festival Berlin-Brandenburg. Seit dem 30. Januar ist »Jojo & Simha: Exploring Berlin3000« auf TikTok, Instagram und YouTube zu sehen.

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Wie wird die Zukunft aussehen? Die Technologie wird weiter fortgeschritten sein, aber wie sehr werden sich die Menschen verändert haben? Gewohnheiten und Voreingenommenheit sind zäh und tief verinnerlicht, Antisemitismus immerhin Tausende Jahre alt. Die Serie widmet sich der Frage, was das für die Zukunft bedeutet. Berlin ist daher ein schwebendes Schiff im Weltraum, auf dem Fortschritt auf alte Gewohnheiten trifft.

Humor ist eine Waffe. Die meisten Menschen sind sich ihrer Vorurteile nicht bewusst. Konfrontiert man sie damit, gehen sie in Abwehrhaltung. Das wollten die Serienmacher vermeiden. Also haben sie sich für Humor entschieden. »Die Hauptidee war: Wie können wir Satire und Animation als Medium nutzen, um komplizierte soziale Themen zu vermitteln, ohne zu predigen«, erklärt Mark Pinhasov von Mosaik G.C.B. der Jüdischen Allgemeinen. Die Serie soll dazu einladen, gemeinsam über Unterschiede zu lachen. Das nämlich, so berichtet Zack Weiner im Gespräch, finde immer weniger statt. Als Vorbild gilt ihm der jüdische Komiker Larry David, bekannt aus der Serie Seinfeld. Er und sein Humor sind für Weiner derzeit die »stärkste Waffe gegen Antisemitismus«. Inspiration waren ihm aber auch die lustigen Missgeschicke von Till Eulenspiegel und der Slapstick-Humor in den Filmen von Heinz Erhardt.

Die jüdische Herkunft der Brüder wird nicht offen angesprochen. »Wir wollten, dass sich alle ein wenig mit den Fixlers identifizieren können«, erzählt Weiner. Wäre es betont um eine jüdische Familie gegangen, würden sich vor allem Juden angesprochen fühlen. Das habe man vermeiden wollen. Dennoch deutet einiges auf ihr Jüdischsein hin: die Dreidel im Vorspann, die Titelmusik mit Elementen von Klezmer und natürlich die Kippa, die einer der Brüder trägt. Und auch ein zentrales ethisches Prinzip des Judentums hat es in die Serie geschafft: »Die Fixlers spielen mit der jüdischen, kabbalistischen Idee von Tikkun Olam – der Veranwortung, dabei zu helfen, das zu reparieren und zu heilen, was in der Welt zerbrochen ist«, erzählt Pinhasov. Zwar misslingen den Brüdern ihre eigentlichen Aufträge, ergänzt Weiner, »aber dabei beheben sie letztendlich das eigentlich zugrunde liegende emotionale Problem«. Die kleine Sophia erfährt beispielsweise nur von ihrer jüdischen Herkunft, weil die Brüder das Museum ihres Vaters geflutet haben. Die Vater-Tochter-Beziehung haben die Fixlers mit ihrem handwerklichen Ungeschick jedenfalls gestärkt.

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