30 Jahre Stiftung »Zurückgeben«

Schana Towa von den Frauen!

Yael Gat wurde in Israel als Trompeterin ausgebildet und hat sich »nebenbei« auf das Schofarspiel spezialisiert. Foto: Sharon Adler

Sie kann es einfach. Dass ein Schofar viel melodischere Töne hervorbringt als die aus der Synagoge bekannten Tonfolgen »Tekia, Terua, Schwarim«, und dass eine Frau es mindestens so gut spielt wie ein Mann, stellte die israelische Musikerin Yael Gat kurz vor Rosch Haschana unter Beweis.

Bei einem ganztägigen Symposium der Stiftung ZURÜCKGEBEN in Berlin präsentierte die in Haifa geborene, in Tel Aviv ausgebildete und in Deutschland lebende Trompeterin, die das alte jüdische Instrument und den Gesang später in ihrer Laufbahn »entdeckte«, ihr Projekt und insgesamt zehn Schofare, die sie dafür erworben hatte.

Zahlreiche jüdische Frauen, unter ihnen Yael Gat, kamen am Sonntag unter dem Motto »30 Jahre zurückgeben – Stiftung zur Förderung jüdischer Frauen in Kunst und Wissenschaft« in Berlin-Mitte zusammen, um ihre kreativen Projekte vorzustellen. Veranstalter war die 1994 gegründete Institution, die seit drei Jahrzehnten Stipendien an Frauen vergibt, um sie bei künstlerischen und wissenschaftlichen Vorhaben zu unterstützen.

Natalia Sinelnikova arbeitet an einer Doku über einen »87-jährigen Überlebenskünstler«

Zu den Geförderten des Jahres 2025 zählen auch die Filmemacherin Natalia Sinelnikova, die für ihren Dokumentarfilm Ein 87-jähriger Überlebenskünstler ihren Großvater jahrelang mit der Kamera begleitet hat. Sinelnikova, deren Spielfilm Wir könnten genauso gut tot sein bei der Berlinale 2022 die Sektion »Perspektive Deutsches Kino« eröffnete, porträtiert in ihrer Doku einen Mann, der im Rentenalter aus St. Petersburg nach Deutschland übersiedelte und sich trotz schwieriger Migrationserfahrungen im Alltag in Osnabrück behauptet.

Ihr Großvater, ein Elektriker, habe auch als Rentner auf vielen Gebieten Kreativität und Hilfsbereitschaft bewiesen, sagte die Filmemacherin, die wie ihr Großvater 1996 als »Kontingentflüchtling« nach Deutschland kam. Sinelnikovas auf 75 Minuten angelegter Film spricht viele Themen an, die für die Mehrheit der in Deutschland lebenden Juden von großer Relevanz sind. Bisher gibt es für die Dokumentation noch keinen Filmverleih.

Auch die Regisseurin Tetyana Gryniva, die als Kind in der Ukraine lebte, mit ihrer Familie nach Deutschland kam und zunächst in Bernburg an der Saale (Sachsen-Anhalt) landete, stellte am Sonntag ein Filmprojekt vor: Gemeinsam mit der Journalistin Sonia Smolenski arbeitet sie an einer fiktionalen Serie unter dem Titel Töchter der Diaspora.

Die Serie sei auch eine Art Spurensuche der zweiten Generation der Kontingentgeflüchteten, sagte Gryniva. Diese Generation sei jetzt erwachsen genug, um ihre Geschichten zu erzählen. In vielen bekannten TV-Serien über Juden und jüdisches Leben kommen diese Perspektiven bisher nicht vor.

Gezeigt wurde am Sonntag auch eine Ausstellung über die Arbeit der Stiftung ZURÜCKGEBEN mit insgesamt zwölf Protagonistinnen. Sie kann bei den Veranstalterinnen ausgeliehen werden.

In eigener Sache

Jüdische Allgemeine depubliziert Texte von Stephan-Andreas Casdorff

Die Prüfung mit spezialisierter Software legt Nahe, dass zwei Kommentare des »Tagesspiegel«-Editor-at-Large in dieser Zeitung von einer KI geschrieben wurden

 15.06.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der Jüdischen Welt

von Imanuel Marcus, Katrin Richter  15.06.2026

Kolumne

»Ich bin bloß eine Regenwolke!«

Von Winni Puch bis Tscheburaschka: Wie sowjetische Trickfilme gegen Antisemitismus helfen

von Eugen El  14.06.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Erst Kurt Krömer, dann Modi Rosenfeld: Shoppen und lachen

von Katrin Richter  14.06.2026

Aufgegabelt

Hähnchen-Schawarma mit Tahini

Rezept der Woche

 14.06.2026

Medien

KI-Verstoß: »Tagesspiegel« nimmt Casdorff-Texte offline

Stephan-Andreas Casdorff verfasste auch für die Jüdische Allgemeine Kommentare. Die Redaktion prüft, ob auch diese Texte von einer KI statt von Casdorff selbst verfasst wurden

 12.06.2026

Berlin

»Ich bin stolz! Sehr stolz«

Dieter Nuhr ist mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden geehrt worden. Wir dokumentieren hier exklusiv seine Rede im Wortlaut

von Dieter Nuhr  12.06.2026 Aktualisiert

Musik

Mike D in Berlin: Ein Beastie Boy meldet sich zurück

Das Berliner Säälchen am Holzmarkt wird zur Kulisse des einzigen Deutschland-Konzerts des »Beastie Boys« Mike D. Hunderte Fans sind begeisterte Zeugen des überraschenden Comebacks ihres Idols

 12.06.2026

Weltmeisterschaft

Die Kraft des Gemeinsamen

Vom Hoffen, Mitfiebern und Leiden: Eine Liebeserklärung an die Macht und die Möglichkeiten des Fußballs

von Awi Blumenfeld  11.06.2026