New York/London

Punkband Bob Vylan muss auf Europatour verzichten

Bob Vylan bei einem Konzert in London Foto: picture alliance / empics

New York/London

Punkband Bob Vylan muss auf Europatour verzichten

Nachdem es israelischen Soldaten den Tod gewünscht hat, fällt die Teilnahme des Duos an der Europatournee der Band Gogol Bordello ins Wasser

 16.07.2025 14:51 Uhr

Das britische Punk-Rap-Duo Bob Vylan muss nach dem Eklat um einen israelfeindlichen Slogan auf seine Teilnahme an einer Europatournee verzichten. Einer der Sänger hatte beim Glastonbury-Festival in England Ende Juni auf der Bühne »Death, death to the IDF« (Tod, Tod den israelischen Streitkräften) skandiert und mit diesem Aufruf zu tödlicher Gewalt gegen die Streitkräfte des einzigen jüdischen Staates heftige Kritik auf sich gezogen.

Eigentlich sollten die Briten die US-Gruppe Gogol Bordello bei deren Europatournee im September und Oktober als Vorband begleiten. Das sei nun aber aus logistischen Gründen nicht mehr möglich, nachdem die Auftritte in Deutschland von Veranstalter und Spielstätten abgesagt worden seien, teilte Gogol Bordello auf Instagram mit.

»Die Entscheidung, sie von der Liste zu nehmen, war nicht unsere Entscheidung und lag außerhalb unserer Kontrolle«, hieß es in dem Post der US-Band. Man habe Bob Vylan zwar nach dem Vorfall vorläufig aus dem Programm genommen, nach deren Erklärungen das Gespräch über eine Teilnahme aber wieder aufgenommen. »Wir schätzen Meinungsfreiheit von allen Perspektiven«, so die Band weiter.

Eigene Konzerte

Auf dem Instagram-Account von Bob Vylan hieß es, man habe wegen logistischer Schwierigkeiten entschieden, nicht an der Tournee »unserer Freunde Gogol Bordello« teilzunehmen. Das Duo fügte hinzu: »Wir werden aber in den kommenden Monaten nach Europa fahren, sowohl für Festivals als auch für eigene Konzerte.«

Lesen Sie auch

Der Aufruf zu dem umstrittenen Sprechchor beim Glastonbury-Festival hatte der Band Antisemitismusvorwürfe eingebracht. Die Polizei teilte mit, sie ermittle wegen möglicher Straftaten und prüfe, ob es sich um Hasskriminalität gehandelt habe.

Unter anderem vom britischen Premierminister Keir Starmer kam scharfe Kritik. Auch die BBC, die den Auftritt live übertragen hatte und dafür ebenfalls schweren Vorwürfen ausgesetzt war, sowie der Veranstalter distanzierten sich deutlich. Das US-Außenministerium entzog den Bandmitgliedern die Visa für eine geplante Tournee in den Vereinigten Staaten.

Das Duo stellte den Slogan hingegen als legitime Kritik an der israelischen Kriegsführung im Gazastreifen dar. Sie wünschten niemandem den Tod, sondern hätten den Abbau einer Militärmaschinerie gefordert, schrieben die Musiker in einem Instagram-Post. dpa/ja

Länger leben

Forscher drehen die biologische Uhr zurück

Israelischen Wissenschaftlern gelingt es, Alterungsprozesse in Lebern alter Mäuse umzukehren. Der Traum von der Verjüngung erscheint damit zumindest auf molekularer Ebene denkbar

von Sabine Brandes  23.06.2026

Social Media

Von Saftpäckchen und Zahlencodes

Auf der Online-Plattform TikTok versteckt sich Judenhass häufig hinter Zahlencodes, Emojis und Hashtags. Eine neue Studie untersucht die Besonderheiten des digitalen Antisemitismus

von Leon Stork  23.06.2026

Los Angeles/New York

Hitler-, Grusel- und Helden-Parodien: Mel Brooks wird 100

Nur wenige haben einen Oscar, Emmy, Tony und Grammy gewonnen. Das jüdische Multitalent Mel Brooks zählt dazu. Jetzt wird der Komiker und Regisseur 100 - und zeigt, dass er noch immer Menschen zum Lachen bringt

von Barbara Munker  23.06.2026

Kommentar

Wer kann das noch ernst nehmen?

Immer mehr zeigt sich: Anmoderation und Exekution von Unwahrheiten und falschen Fakten vor einem Millionenpublikum sind kein ärgerlicher Ausrutscher, sondern gezielte Agitation

von Daniel Killy  23.06.2026

Essay

Fallstricke des Wokeismus

Gegenerzählungen zur westlichen Kolonialgeschichte bilden ein berechtigtes Korrektiv, aber was über Israel verbreitet wird, bedarf grundlegender Korrekturen

von Richard Blättel  22.06.2026

Hören

»Amalie’s Cosmos«

Die in Paris geborene Harfenistin Anne-Sophie Bertrand stellt eine deutsch-jüdische Salonnière ins Zentrum ihres neuen Albums

von Claudia Irle-Utsch  22.06.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  22.06.2026

Jubiläum

Mit diesen prominenten Weggefährten feiert Wolf Biermann seinen 90. Geburtstag

Der legendäre Liedermacher wird am 15. November 90 Jahre alt

 22.06.2026 Aktualisiert

Kulturkolumne

Warum ich bei Fußball im Fernsehen besonders gut einschlafe

Hinter dem Phänomen steckt eine lange Familiengeschichte – unsere Autorin nimmt Sie mit auf eine Zeitreise

von Maria Ossowski  22.06.2026