TV-Kritik

Politisierende Ermittlungen

Hauptkommissarin Nadirah (Sabrina Amali) bittet den jungen Rabbiner Samuel (Garry Fischmann) um Unterstützung in einem komplexen und undurchsichtigen Fall Foto: ARD Degeto Film/UFA Fiction/Hardy Spitz

Der Drogenboss hat nur Spott für die junge Kommissarin übrig: »Du bist so lächerlich«, sagt er, als sie mit gezogener Waffe vor ihm steht. Hinter ihm: weitere Polizisten, die ihn gleich festnehmen werden. »Kleine arabische Putzfrau«, sagt er herablassend. »Das bist du für die.« 

Hingegen bringt der Einsatz Nadirah Abaza viel Lob von ihren Vorgesetzten und Applaus der Kolleginnen und Kollegen ein. Der Fall habe vor allem dank ihrer Sprachkenntnisse gelöst werden können, heißt es da. Und schon bald bekommt sie ihren ersten Mordfall zugeteilt, auf den sie wohl lieber verzichtet hätte.

Das Opfer ist der leitende Oberstaatsanwalt, einer ihrer Unterstützer. Ermordet wurde er in seinem eigenen Haus. Erst gefesselt an einen Stuhl - und dann hingerichtet. Hängt die Tat mit der Festnahme des Drogenbosses zusammen? 

Bei ihren Ermittlungen bringt sich Abaza in Lebensgefahr. Das Erste zeigt den Spielfilm »Schattenmord: Unter Feinden« am Mittwoch um 20.15 Uhr (3. Dezember/20.15 Uhr).

Araberin ermittelt Mord an Jude

Autorin Raquel Stern hat ein Drehbuch geschrieben, das den Spannungsbogen mit mehreren Wendungen bis zum Schluss aufrecht hält. Brisanz bekommt der 90-Minüter zudem durch eine politisch-kulturell-religiöse Komponente.

Der getötete Jurist war Jude. Dass er und die arabisch-stämmige Kommissarin bei einer Feier im Büro nach der Festnahme - noch vor dem Mord - einer Meinung sind, wird selbst da schräg von der Seite kommentiert. 

Auch die neue Oberstaatsanwältin ist nicht gerade erfreut, dass eine Araberin die Ermittlungen leitet. Sie fürchte Kritik vom Zentralrat der Juden. »Das alles hier eignet sich bestens zum Politisieren.« Zudem rückt eine politisch rechtsgerichtete Stiftung in den Fokus der Ermittler.

Auch auf kleinerer Ebene kommen die Kommissarin - und mit ihr das Publikum - mit dem Judentum, seinen Bräuchen und Regeln in Kontakt. Rabbiner Samuel Rivkin erklärt nach dem Mord an dem Oberstaatsanwalt, der sein Freund war: »Das wichtigste ist, dass der Körper niemals alleine gelassen werden darf.« Der Leichnam dürfe nicht verstümmelt werden, sondern müsse innerhalb von 48 Stunden bestattet werden - und mit ihm jegliches vergossenes Blut.

»Sie wissen bestimmt, dass das nicht möglich ist«, entgegnet die Kommissarin mit Blick auf die Spurensicherung und Obduktion. Als der Rabbiner erklärt, dem Staatsanwalt die letzte Ehre erweisen zu wollen, erwidert sie: »Die einzige Ehre, die ich ihm noch erweisen kann, ist seinen Mörder zu finden.«

Überzeugendes Zusammenspiel der Protagonisten

Der Film lebt von den Dialogen und dem Zusammenspiel der aufstrebenden Hauptkommissarin (Sabrina Amali) und dem Rabbiner (Garry Fischmann). Hält sie ihn erst noch auf Distanz, wird er im Laufe der Ermittlungen zu einem Berater und Lebensretter - und bringt sie am Ende sogar auf die richtige Spur.

Sind die Hauptdarstellerin und ihr Konterpart dem breiten Publikum vielleicht noch eher unbekannt, finden sich in den Besetzungslisten bei den Nebenrollen markante Namen: So spielt Dani Levy den Oberstaatsanwalt. Kida Khodr Ramadan wiederum gibt den patzigen Drogenboss.

Der bedroht Abaza, kennt die Namen ihrer Tochter und von deren Schule. Das beschäftigt die Kommissarin und ihr Team ebenso wie ein weiterer ungeklärter Mord und Drohungen gegen den Staatsanwalt. Doch wie vorurteilsfrei und unbefangen ermittelt die Polizei eigentlich? Und wirklich in jede Richtung?

»Schattenmord: Unter Feinden« am Mittwoch, 3. Dezember um 20.15 Uhr in der ARD

München

Drinnen redet ein Palästinenser, draußen wird er mit »Free Palestine«-Rufen niedergebrüllt

In der bayerischen Landeshauptstadt fand eine Medienkonferenz mit prominenten Teilnehmern statt, gegen die es im Vorfeld Boykottaufrufe gab. Redner beklagten die zunehmende Polarisierung

von Michael Thaidigsmann  17.09.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  17.09.2026

Streaming

Gal rennt

In »The Runner« läuft eine Mutter um das Leben ihres Sohnes. Nur der Film, der daraus entstanden ist, ist eher zum Weglaufen

von Katrin Richter  17.09.2026

Kulturkolumne

Von Trotteln und Pavianen

Warum Humorfasten an Jom Kippur nicht angesagt ist

von Eugen El  17.09.2026

Kolumne

Fastenkurse im Bordbistro

Wieder mal Spaß gehabt mit der Deutschen Bahn: Über die Katastrophe eines Weltkonzerns

von Maria Ossowski  16.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  16.09.2026

Programm

Vernissagen, Workshops und eine Zeitreise ins Berlin von »Babylon Berlin«: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 17. September bis zum 30. September

 16.09.2026

Gaza-Krieg

Der falsche Genozidvorwurf

Der US-Historiker Jeffrey Herf widerspricht seinem viel zitierten israelischen Kollegen Omer Bartov. Eine Klarstellung

von Jeffrey Herf  16.09.2026

Gegen Vorurteile

Über Tattoos, Sport und die Frage, was eigentlich koscher ist - Neuauflage eines Projekts zu jüdischem Leben

Vorne Fotos, hinten Erklärtexte und QR-Codes: Eine neue Box mit Material zu jüdischem Leben in Deutschland ist erschienen. Gedacht ist sie für Schule oder Erwachsenenbildung - und als Beitrag gegen Antisemitismus

von Leticia Witte  16.09.2026