Hollywood

Peter Bogdanovich wird 80

Peter Bogdanovich, Barbra Streisand und Ryan O’Neal bei den Dreharbeiten zu »Is’ was, Doc?« (1972) Foto: dpa

Peter Bogdanovich nimmt kein Blatt vor den Mund, auch nicht mit fast 80 Jahren. Cher sei die schwierigste Person gewesen, mit der er je gedreht habe, lästerte der Hollywood-Regisseur im März im Interview mit dem US-Kulturmagazin »Vulture«. »Sie kann nicht schauspielern. Sie ist in Cannes nur ‚Beste Darstellerin‘ geworden, weil ich sie sehr gut gefilmt habe«, legte Bogdanovich nach. 1985 hatte der Regisseur Cher die Hauptrolle in seinem Drama Die Maske gegeben. Darin spielte die spätere Oscar-Preisträgerin die Mutter eines entstellten Jungen.

Bogdanovich, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, hatte auch nette Worte übrig – für sein großes Vorbild, Citzen Kane-Regisseur Orson Welles. »Ich habe Orson geliebt. Und ich glaube, er liebte mich tatsächlich auch«, sinnierte Hollywoods früheres »Wunderkind«. So wurde der junge Filmemacher hofiert, als er 1971 mit The Last Picture Show ein perfektes Porträt der amerikanischen Provinz in den 50er-Jahren auf die Leinwand zauberte. Über Nacht wurde er berühmt und mit dem Regie-Genie Welles verglichen.

»Ich war heiß«, sagte Bogdanovich einmal über sich im »Vulture«-Interview.

MELANCHOLISCH Der jungen Schauspielerin Cybill Shepherd hatte Bogdanovich in seiner Texas-Nostalgie die Rolle der umschwärmten Schülerin Jacy gegeben. Es war auch der Beginn einer jahrelangen Affäre des verheirateten Filmemachers mit seiner Hauptdarstellerin. Mit der Komödie What’s Up Doc, mit Barbra Streisand und Ryan O’Neal, und dem melancholischen Roadmovie Paper Moon, mit der jungen Tatum O’Neal, folgten weitere Erfolge.

»Ich war heiß«, sagte Bogdanovich im »Vulture«-Interview. Man habe ihm damals die Regie von Filmen wie Der Pate, Der Exorzist, Chinatown – »und nahezu alles« – angeboten. Ob er bedauert habe, die Angebote auszuschlagen? »Nein, ich glaubte nicht, dass ich einen Fehler machte.« Der Pate wollte er nicht drehen, weil er sich nicht für die Mafia interessierte, erzählte der Filmemacher. Mitte der 70er-Jahre bekam seine Karriere einen Knick, nachdem er mit Cybill Shepherd zwei Flops gedreht hatte.

Bei den Dreharbeiten zu der Komödie Sie alle haben gelacht verliebte sich Bogdanovich wieder in eine Darstellerin, das Playboy-Model Dorothy Stratten. Deren Noch-Ehemann Paul Snider brachte die 20-Jährige um und tötete sich selbst. Nach Strattens Tod sei er völlig am Ende gewesen, sagte Bogdanovich. Er schrieb damals ein Buch über seine Liebe zu Stratten, in dem er »Playboy«-Gründer Hugh Hefner kritisierte und ihm die Mitschuld am Tod des Models gab. Nach Hefners Tod 2017 im Alter von 91 Jahren habe er gefeiert, erklärte Bogdanovich in »Vulture«.

EHE Einige Jahre nach Strattens Tod heiratete der Regisseur deren jüngere Schwester, Louise, trotz eines Altersunterschiedes von knapp 30 Jahren. Die Ehe wurde 2001 geschieden, er liebe sie noch immer und würde gern mit ihr zusammen sein, sagte Bogdanovich im März.

Spielfilme inszeniert Bogdanovich nur noch selten. Für The Cat’s Meow holte er 2001 Kirsten Dunst vor die Kamera. In der Komödie She’s Funny That Way ließ er seine Stars Jennifer Aniston, Owen Wilson, Rhys Ifans und Imogen Poots durch allerlei amouröse Verwicklungen stolpern. Den Film stellte er 2014 bei den Filmfestspielen in Venedig vor.

Bemerkenswert: Eine Oscar hat Bogdanovich in seiner langen Karriere nie erhalten.

Dort war Bogdanovich auch im vorigen Herbst zu sehen – als Schauspieler in The Other Side of the Wind, dem letzten Werk von Orson Welles, das der 1985 gestorbene Regisseur in den 70er-Jahren gedreht, aber nie vollendet hatte. In der mit John Huston, Dennis Hopper, Lilli Palmer und Bogdanovich hochkarätig besetzten Geschichte geht es um einen alternden Regisseur, der seine Karriere mit einem reißerischen Film wieder in Schwung bringen will.

Einen Oscar hat Bogdanovich in seiner langen Karriere nicht erhalten, aber er ist Besitzer einer Grammy-Trophäe. Die verdiente sich der Regisseur mit seiner Musik-Dokumentation Runnin‘ Down a Dream über die Band Tom Petty and the Heartbreakers. Er gewann den begehrten Musikpreis mit der Regie des »Besten Musik-Langvideos«.

Programm

Israel Day, Goldene Zwanziger und ein Kult-Hai: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 18. Juni bis zum 25. Juni

 17.06.2026

TV-Tipp

Das Leben arabischer Transpersonen in Israel

Eine Arte-Dokumentation porträtiert Transpersonen aus Gaza, die im Exil in Tel Aviv den Traum ihrer sexuellen Selbstbestimmung zu verwirklichen versuchen

von Manfred Riepe  17.06.2026

Hollywood

Sean Penn plant Film um Polizisten bei Kapitol-Attacke

Für seine Nebenrolle in »One Battle After Another« bekam er im März seinen dritten Oscar. Nun will der Hollywood-Star wieder Regie führen - und einen brisanten Stoff anpacken

 17.06.2026

Bayern

Warum Bayreuths große Pläne zum Festspieljubiläum scheitern

Schon Richard Wagner kämpfte mit Schulden und Geldproblemen. Doch dereinst sprang Bayernkönig Ludwig II. ein. Im Jubiläumsjahr 2026 ist es komplizierter

von Kathrin Zeilmann, Britta Schultejans  16.06.2026

Bayern

»Das ist in einer Demokratie Tod durch Selbstmord«

Eigentlich sollte Michel Friedman bei einer Gedenkveranstaltung zu 150 Jahren Bayreuther Festspiele sprechen. Doch die Veranstaltung wurde aus Sicherheitsgründen abgesagt. Dafür findet er deutliche Worte

 16.06.2026

Zahl der Woche

1 Mal

Funfacts & Wissenswertes

 16.06.2026

Halacha

Deutsch-jüdischer Leuchtturm

Die Berliner Studien zum Jüdischen Recht feiern ihr 30-jähriges Bestehen an der Humboldt-Universität

von Detlef David Kauschke  16.06.2026

»Imanuels Interpreten« (22)

Herbie Mann: Der Klangsetzer

Herbie Manns Motto: »Wenn du die Musik von jemandem spielen willst, gehe zu ihm nach Hause.« Er setzte dies um, hatte dann aber die Jazz-Polizei am Hals

von Imanuel Marcus  16.06.2026

In eigener Sache

Jüdische Allgemeine depubliziert Texte von Stephan-Andreas Casdorff

Die Prüfung mit spezialisierter Software legt Nahe, dass zwei Kommentare des »Tagesspiegel«-Editor-at-Large in dieser Zeitung von einer KI geschrieben wurden

 15.06.2026