Mainz

Neue Ausstellung erinnert an Synagogen, Rabbiner und Matzenbäcker

Direktorin Birgit Heide vor einem Screen mit dem sprechendem Rabi Maharil, einem Avatar fragen zum jüdischen Leben beantwortet. Mit der Eröffnung der neuen Ausstellung »Shalom am Rhein« erzählt das Landesmuseum Rheinland-Pfalz die Geschichte jüdischen Lebens – von den prägenden mittelalterlichen SchUM-Gemeinden in Speyer, Worms und Mainz, heute UNESCO-Welterbe, bis in die Gegenwart. Foto: picture alliance/dpa

»Wie sehr gehören unsere Lehrer in Mainz, in Worms und in Speyer zu den gelehrtesten der Gelehrten, zu den Heiligen des Höchsten«, schwärmte der Rabbiner Isaak ben Mose im 13. Jahrhundert.

Einst waren die alten Kulturzentren am Rhein das Zentrum des westeuropäischen Judentums. Die wenigen erhaltenen Zeugnisse der legendären SchUM-Gemeinden Speyer, Worms und Mainz mit den Synagogenbezirken von Speyer und Worms und den historischen Judenfriedhöfen in Mainz und Worms sind Weltkulturerbe. Das Landesmuseum Mainz rückt die jüdische Geschichte der Region nun gezielt in den Mittelpunkt.

»Shalom am Rhein - 1000 Jahre Judentum in Rheinland-Pfalz« heißt die Ausstellung, die auch über jüdisches Leben in der Gegenwart informieren soll. Das verzückte Lob des mittelalterlichen Rabbiners über die Gelehrten in den Städten entlang des Rheins prangt in großen Buchstaben über einer der Ausstellungsabteilungen.

Jüdische Kultur wird Teil der Dauerausstellung

Mehrere Jahre lang wird die Schau zu sehen sein, die am Mittwochabend in Anwesenheit von allerlei Politikprominenz eröffnet wurde. Und zumindest Teile von ihr werden danach in die bis dahin neu konzipierte Dauerausstellung des Museums übernommen. »Uns ist bewusst, dass Rheinland-Pfalz vor 1.000 Jahren noch nicht existiert hat«, kommentiert Museumschefin Birgit Heide den Titel der Schau. Aber um das heutige Bundesland sollte es gehen.

Originalexponate wie in Trier entdeckte Darstellungen eines siebenarmigen jüdischen Leuchters aus der Spätantike, der älteste jemals nördlich der Alpen gefundene jüdische Grabstein aus Mainz aus dem Jahr 1049 oder eine historische Mainzer Torarolle mitsamt verziertem Mantel wurden dafür mit zahlreichen Fotodokumenten und Multimedia-Stationen kombiniert. So können Ausstellungsgäste mit einem KI-generierten Rabbiner-Avatar kommunizieren.

Im Mittelalter legten Gelehrte am Rhein einst Regeln fest, die für viele religiöse Juden in aller Welt bis heute verbindlich sind. Manche davon seien zum Zeitpunkt ihres Entstehens ausgesprochen fortschrittlich gewesen, berichtet die Museumsdirektorin, etwa die Pflicht, nach dem Tod eines Familienoberhauptes auch der Witwe und den Töchtern einen Teil des Erbes zu übergeben.

Viehhändler und Matzenbäcker

Doch die Ausstellungsmacher wollen nicht nur über die Gemeinden des SchUM-Bundes berichten, dessen Name von den hebräischen Anfangsbuchstaben für Speyer (Schpira), Worms (Uarmaisa) und Mainz (Magenza) herrührt. Besonderes Augenmerk legten sie auch auf das Landjudentum, das über Generationen hinweg zahlreiche Ortschaften prägte, insbesondere in Rheinhessen und der Pfalz.

Historische Fotos erinnern an jüdische Viehhändler, die auf dem Markt zusammen mit ihren prächtigsten Bullen posieren oder an die Matzenbäckerei in der Hunsrück-Ortschaft Laufersweiler, wo noch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Juden und Christen gemeinsam arbeiteten. Rührend ist das alte Zeugnisbuch einer jüdischen Landschule, in der die Schüler nicht nach Fächern, sondern für Fleiß, Fähigkeit und die gemachten Fortschritte benotet wurden.

Ein silberner Kiddusch-Becher aus Bingen mit zur Hälfte abgeschlagenem Griff steht stellvertretend für die Barbarei der zahlreichen antijüdischen Pogrome in der Region.

Rund 400 Quadratmeter Fläche hat das Landesmuseum für die Ausstellung freigemacht - einen Teil der sogenannten Steinhalle, in der vor einigen Jahren übergangsweise der rheinland-pfälzische Landtag seine Sitzungen abhielt. Wer sich auf die von damals erhalten gebliebene, einstige Besuchertribüne begibt, findet auch die Erklärung für all die spitzen Ecken und Kanten der Ausstellungswände. Nur von oben lässt sich unschwer erkennen, dass sie einen Davidstern bilden.

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