Serie

Mitte 30, Lebensfrust, Pandemiesorgen

Multitalent Joseph Gordon-Levitt Foto: picture alliance/KEYSTONE

Wer hier fühlt sich wie ein Glückspilz? Nur ein Kind in der fünften Klasse des Lehrers Josh Corman hebt den Arm. »Und, Mr. Corman, sind Sie denn glücklich?«, gibt der Schüler die Frage an den Mittdreißiger mit Brille zurück. Ich, nein, na klar, bin ich ein glücklicher Mensch, stottert der Lehrer. Doch die Serie Mr. Corman, die seit vergangenen Freitag auf Apple TV+ läuft, kommt schnell auf den Punkt. Josh (Joseph Gordon-Levitt) leidet unter Angstzuständen, die Panikattacken häufen sich.

Der passionierte Musiker – unter der Dusche trommelt er auf seine Brust, bis sie knallrot ist – hat den Traum von der eigenen Band praktisch begraben. Seine große Liebe (Juno Temple), die sich weiter als Sängerin versucht, ist ausgezogen. Nun teilt sich Josh mit Kumpel Victor (Arturo Castro) die billige Wohnung im San Fernando Valley, bei Los Angeles. Im Dramedy-Stil geht es mal lustig, aber mehr mit Ernst um Lebensfragen, wie Sex, Familie, Selbstverwirklichung und psychische Probleme.

figur »Josh hat ein gutes Herz, und er versucht, happy und dankbar zu sein, doch das gelingt eben nicht 100 Prozent«, erzählt Gordon-Levitt im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Er könne sich recht gut mit der Figur identifizieren. »Manchmal begibt sich mein Kopf an einen düsteren Ort«, räumt der Schauspieler ein. 

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Was Mr. Corman betrifft, so hat der 40-Jährige allen Grund, glücklich zu sein. Gordon-Levitt glänzt nicht nur als Hauptdarsteller, der Kalifornier ist zudem Serienschöpfer, Produzent, Co-Autor, führt bei acht von zehn Episoden Regie und mischt als Musiker mit.

Gordon-Levitt glänzt nicht nur als Hauptdarsteller, er ist zudem Serienschöpfer, Produzent, Co-Autor, führt bei acht von zehn Episoden Regie und mischt als Musiker mit.

Der Star aus Spielfilmen wie Inception, (500) Days of Summer, The Dark Knight Rises und Snowden war als Teenager im Fernsehen entdeckt worden. Sechs Jahre lang spielte er in der Comedy-Serie Hinterm Mond gleich links einen Außerirdischen. Mit Don Jon, einer Komödie über Pornosucht, gab das Multitalent 2013 sein Spielfilm-Regiedebüt.

besetzung In Mr.Corman tobt sich Gordon-Levitt mit einer tollen Besetzung, darunter Hugo Weaving, und kreativem Witz aus. In einer Szene mit Josh und seiner Mutter Ruth (Debra Winger) heben die beiden wie in einem Traum tanzend und singend ab. Josh findet sich in alternativen Realitäten wieder. Im Halloweenkostüm prügelt er sich nach durchzechter Nacht, die Szene endet mit animierten Gegnern. Immer wieder verfällt er in seine düstere Welt. Die Panikattacken kündigen sich mit einem Gongschlag an - und mit einem feurigen Meteor, der auf die Erde zurast. 

Die Dreharbeiten zu Mr. Corman waren gerade drei Wochen am Laufen, als die Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 die Produktion traf. Sie verlegten den Dreh kurzerhand nach Neuseeland – und schrieben die Drehbücher um. »Wir konnten die Pandemie in der Geschichte einfach nicht ignorieren, das hätte sich nicht real angefühlt«, erklärt Gordon-Levitt. Das Katastrophen-Szenario passe perfekt zu den Ängsten von Josh. Die Geschichte sei dadurch viel interessanter geworden, meint der Schauspieler und Regisseur.

Die letzten drei Folgen mit Zoom-Dates, panischem Händewaschen und klemmiger Quarantäne im Elternhaus zeichnen den Pandemiefrust mit Humor und Ernst täuschend echt nach. Dabei steht Josh nicht ständig im Mittelpunkt. Eine Episode mit dem Titel »Mr. Morales« dreht sich ganz um den geschiedenen Victor, der sich mit den Pubertätssorgen seiner 13-jährigen Tochter herumschlägt. Mr. Corman geht mit seinen Charakteren und Gefühlsschwankungen ans Herz. »Es soll sich echt anfühlen, das war immer mein Ziel«, meint Gordon-Levitt. Das ist ihm mit düster-komischem Humor und überraschender Kreativität perfekt gelungen.

Schwäbisch Hall

Wenn Elefanten Synagogen tragen

In der kleinen Stadt sind die beiden einzigen erhaltenen Werke des Synagogenmalers Elieser Sussmann zu sehen – Paneele aus der Betstube von Unterlimpurg und der Frauenschul von Steinbach

von Michael Schleicher  09.06.2026

Interview

»Selbst ernannte progressive Linke haben offenbar das völkische Denken gelernt. Das ist alles so absurd«

Der Kabarettist Dieter Nuhr über den Erhalt des Leo-Baeck-Preises, Solidarität mit Israel und Kritik an seiner Person

von Detlef David Kauschke  09.06.2026

Fußball

Fußball auf dem Appellplatz von Buchenwald

Seit der Europameisterschaft 2024 erinnert die Gedenkstätte Buchenwald im Internet an Fußballer, Funktionäre und Spiele im ehemaligen Konzentrationslager. Der Appellplatz war Spielstätte, Häftlinge konnten kurz dem Lageralltag entfliehen

von Matthias Thüsing  09.06.2026

Hollywood

Zoë Kravitz jagt Bankräuber

In der Action-Komödien-Thriller »How to Rob a Bank« spielt die jüdische Darstellerin eine Software-Ingenieurin unter Hausarrest

 09.06.2026

Kulturkolumne

Über Langzeitbeziehungen und Affären

Warum ich Esther Perel verehre

von Laura Cazés  09.06.2026

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026

Kino

Spielbergs »Disclosure Day« feiert Kinostart

Als Inspiration für dieses Projekt nennt der jüdische Regisseur einen »New York Times«-Artikel über geheime UFO-Programme des Pentagon

 09.06.2026

Berliner Revue

»Berlin, Du coole Sau!«: Sharon Brauner auf Tour

Es handelt sich um eine der aufwändigsten Bühnenproduktionen ihrer Karriere. Im Herbst beginnt die Deutschlandtournee

 08.06.2026

Kommentar

Der Hass trägt heute Palästinaflaggen

Wie der kulturelle Boykott Israels die Ausgrenzung von Juden normalisiert

von Sarah Maria Sander  07.06.2026