Reaktion

»Medialer Sturm«: Berlinale verteidigt Künstler

Festivaldirektorin Tricia Tuttle (l.) mit den Mitgliedern der Berlinale-Jury Foto: picture alliance / REUTERS

Die Berlinale hat sich in der Debatte, ob Filmschaffende politisch Haltung zeigen sollten, hinter ihre Künstler gestellt. »In den ersten 48 Stunden des diesjährigen Festivals ist ein medialer Sturm über die Berlinale hereingebrochen«, teilte das Filmfestival in einem Statement mit.

»Es ist uns wichtig, dazu Stellung zu beziehen – zum Schutz unserer Filmschaffenden und insbesondere unserer Jury und unseres Jurypräsidenten.« Ein Teil dessen, was derzeit kursiere, nehme Aussagen aus Pressekonferenzen sowohl aus dem Zusammenhang als auch aus dem Kontext des Lebenswerks und der Werte, für die diese Künstlerinnen und Künstler stünden, hieß es weiter.

Tuttle nimmt Filmschaffende in Schutz

Berlinale-Chefin Tricia Tuttle führte in einem langen Beitrag aus, bei dem Festival sei der Ruf nach freier Meinungsäußerung laut geworden – und diese finde statt. »Doch zunehmend wird von Filmschaffenden im Festival erwartet, jede an sie gerichtete Frage zu beantworten«, schrieb sie. 

»Sie werden kritisiert, wenn sie nicht antworten. Sie werden kritisiert, wenn sie antworten und ihre Antwort einem nicht gefällt. Und sie werden kritisiert, wenn sie komplexe Gedanken nicht in einen kurzen Soundbite verdichten können, sobald ihnen ein Mikrofon vorgehalten wird, obwohl sie eigentlich in einem ganz anderen Zusammenhang sprechen wollten.« Künstler seien frei, ihr Recht auf freie Meinungsäußerung so auszuüben, wie sie es selbst entscheiden.

Künstler bei Berlinale oft zu Politik befragt

Seit dem Start der Filmfestspiele waren Künstlerinnen und Künstler bei Pressekonferenzen wiederholt von Journalisten zu ihren politischen Haltungen befragt worden, zum Beispiel in Bezug auf den Nahostkonflikt. Der diesjährige Jurypräsident Wim Wenders hatte betont, dass Filmschaffende eine Art Gegenwicht zur aktiven Politik seien.

Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy kritisierte das und sagte daraufhin ihre Teilnahme an der Berlinale ab. Sie begründete das mit aus ihrer Sicht »unerhörten Aussagen« von Mitgliedern der Jury, als sie aufgefordert worden seien, sich zum Gaza-Krieg zu äußern.

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Festivalchefin Tuttle betonte nun, was viele Filmschaffende bei der Berlinale eine, sei ein tief verwurzelter Respekt vor der Würde jedes Menschen. »Wir glauben nicht, dass es unter den hier vertretenen Filmschaffenden jemanden gibt, dem gleichgültig wäre, was in dieser Welt geschieht – jemanden, der die Rechte, das Leben oder das immense Leid der Menschen in Gaza und im Westjordanland, in der Demokratischen Republik Kongo, im Sudan, im Iran, in der Ukraine, in Minneapolis und an einer erschreckend großen Zahl weiterer Orte nicht ernst nähme.« dpa/ja

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