Geburtstag

Lebensbejahende Klangkonstrukte

György Kurtág an seinem 90. Geburtstag Foto: picture alliance / dpa

Er kommt aus demselben ungarisch-jüdschen, nach dem Ersten Weltkrieg rumänisch-jüdischen Bürgertum, dem auch sein Kollege und guter Freund György Ligeti entstammt: György Kurtág, der vor wenigen Tagen, am 19. Februar, seinen 100. Geburtstag feierte. 1926, in der Nähe von Temesvár/Timișoara kam er zur Welt, wuchs dreisprachig (Ungarisch/Rumänisch/Deutsch) auf und wurde früh als große Musikbegabung erkannt und gefördert. Sein internationaler Ruhm erfolgte erst in den 80er-Jahren, als Pierre Boulez zufällig eine Komposition des 50-Jährigen hörte.

Eine der manchmal erst im Nachhinein als solche wahrgenommene Verkettung glücklicher Umstände, wie sie Kurtágs Biografie immer wieder bestimmen: Er hielt sich während der Schoa zufällig zur richtigen Zeit in der richtigen Stadt auf. Er hat am Konservatorium Budapest mit einem zweiminütigen Klaviervortrag die Liebe seines Lebens, Márta Kinsker, erobert, mit der er 72 Jahre, bis zu ihrem Tod 2019, zusammenblieb.

Neue Kompositionstechnik nach einer Psychotherapie

Selbst die schwere Schaffenskrise, als er während seines Paris-Aufenthalts bei seiner ersten Begegnung mit der westlichen Moderne jedes Selbstvertrauen verlor und zwei Jahre nicht komponieren konnte, hat nur dazu geführt, dass ihm die Psychotherapeutin Marianne Stein vorschlug, es doch einmal mit einer Komposition »für zwei Töne« zu versuchen. Daraufhin entwickelte er eine ganz neue Kompositionstechnik, verwarf sein bisheriges Schaffen – für das er bereits höchste Staatspreise erhalten hatte – und schrieb mit 33 Jahren sein »Opus 1«, ein Streichquartett, das er prompt seiner Therapeutin widmete.

In seiner Musik ist nichts zufällig, aber alles möglich. Während Ligeti gleichsam ständig »aus dem Vollen schöpft« und mit einem Zuviel an Ideen kämpft, hat Kurtág manchmal jahrzehntelang an einzelnen Werken gefeilt, mit solcher Strenge, dass diese gelegentlich durch die Ehefrau vor der Vernichtung »gerettet« werden mussten. Im Endergebnis erscheinen seine Kompositionen als lebensbejahende Klangkonstrukte, die oft die Erinnerung an für ihn wichtige Menschen verewigen. Er hat kurz vor seinem 100. Geburtstag seine zweite Oper fertiggestellt und diese seiner verstorbenen Frau Márta gewidmet: Die Stechardin nach einem deutschen Libretto von Christoph Hein über den Philosophen Lichtenberg, der die große Liebe seines Lebens verliert.

Interview

»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klopp und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

von Michael Thaidigsmann  02.07.2026 Aktualisiert

Fußball

Länderspiel verlegt: Irland verzichtet auf Israel-Boykott

Irlands Fußballverband FAI will das UEFA-Nations-League-Spiel gegen Israel nun in Serbien austragen - auch, um einen Abstieg zu vermeiden

 02.07.2026

Großbritannien

London ehrt Stefan Zweig

84 Jahre nach seinem Tod wird der berühmte österreichische Schriftsteller Stefan Zweig in London geehrt. Dorthin war er 1936 vor den Nazis geflohen

 02.07.2026

Augsburg

Neue »Initiative Antisemitismuskritik & Theater« gegründet

Rund 60 Theaterschaffende haben in Augsburg ein neues Netzwerk gegen Judenfeindlichkeit ins Leben gerufen. Ihnen geht es etwa darum, antisemitismuskritische künstlerische Werke zu entwickeln. Und sie wollen expandieren

von Christopher Beschnitt  02.07.2026

Kulturkolumne

In der Hitze des Sommers

Zwischen Deutschland und Israel: Wenn die Luft sich nicht bewegt und die Zeit stillsteht

von Laura Cazés  02.07.2026

Thüringen

Achava-Festspiele: Dialog zwischen Religionen und Kulturen

Die Achava-Festspiele gehen mit mehr als 80 Veranstaltungen in ihre zwölfte Ausgabe. Neben Konzerten umfasst das Programm Ausstellungen, Filme, Vorträge, interreligiöse Begegnungen sowie Angebote für Familien und Schulen

 02.07.2026

Weimar

Ausstellung zeigt Verstrickung von Ärzten im NS-Staat

Die Weimarer Ausstellung »Systemerkrankung« skizziert ausgewählte Biografien von Medizinern im NS-Staat. Die Texte und Hörstationen ordnen dabei die Rolle der individuellen Verstrickungen, aber auch Widerstandshandlungen zwischen 1933 und 1945 ein

 02.07.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter  02.07.2026

Bachmannpreis

Sie ging – der Roman kommt

Die Autorin Slata Roschal las in Klagenfurt ihren Text »Es ist die Leichtigkeit, die den Herrn am Tisch von der Putzfrau unterscheidet«. Und sie verursachte einen kleinen Skandal

von Katrin Richter  02.07.2026