Berlin

Kunst auf Besuch

Beim Rundgang durch die Ausstellung: Israels Botschafter Yakov Hadas-Handelsman, Kulturstaatsministerin Monika Grütters und die Direktorin des Tel Aviv Museum of Art, Suzanne Landau (v.l.) Foto: Jirka Jansch

Vor mehreren hundert Gästen ist am Donnerstagabend die Ausstellung »Jahrhundertzeichen – Tel Aviv Museum of Art visits Berlin« im Martin-Gropius-Bau in Berlin eröffnet worden. Kulturstaatsministerin Monika Grütters, der Botschafter des Staates Israel, Yakov Hadas-Handelsman, und der Bürgermeister von Tel Aviv, Ron Huldai, hielten Begrüßungsreden.

Für die Direktorin des Tel Aviv Museum of Art, Suzanne Landau, ist ihr Haus voller »Episoden aus dem Leben«. Der erste Bürgermeister von Tel Aviv, Meir Dizengoff, eröffnete das Museum 1932 in seinem privaten Wohnhaus. Er wollte die Liebe zur Kunst seiner verstorbenen Frau Zina lebendig erhalten. 1933 holte er den ersten Direktor des Jüdischen Museums in Berlin, Karl Schwarz, als künstlerischen Leiter nach Tel Aviv. 15 Jahre später sollte David Ben Gurion in der Haupthalle des Museums die Gründung des Staates Israel verkünden.

Zum 50. Jahrestag der deutsch-israelischen Beziehungen werden nun Hauptwerke der Sammlung erstmals außerhalb Israels gezeigt: Die Schau »Jahrhundertzeichen« präsentiert bis 21. Juni insgesamt 72 Arbeiten und kontrastiert Klassiker der Moderne mit zeitgenössischer israelischer Medienkunst.

Geste Landau sprach am Donnerstag in Berlin von einem »historischen Moment«. Immer wieder fiel bei der Vorstellung der von drei Kuratorinnen ihres Hauses zusammengestellten Ausstellung das Wort »Dialog«. Es ist das umfassende Konzept hinter »Jahrhundertzeichen«: der Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen klassischer Moderne und zeitgenössischer Kunst, zwischen historischer Dokumentation und Fiktion, zwischen Orient und westlicher Welt – und auch zwischen Israel und Deutschland. Dialog und Gegenüberstellung machten »die Essenz des Museums« aus, betonte Landau.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sagte bei der Ausstellungseröffnung: »Ohne die künstlerische Strahlkraft ihrer spektakulären Exponate der klassischen Moderne und der zeitgenössischen israelischen Kunst in Abrede zu stellen, darf man wohl sagen: Die Ausstellung des Tel Aviv Museum of Art ist 50 Jahre nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland und 70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz zuallererst ein historisches ›Jahrhundertzeichen‹. Es ist eine berührende Geste der Versöhnung und der Freundschaft zwischen Deutschland und Israel, dass wir diese ihre Kunst im Jahr 2015 in der deutschen Hauptstadt zeigen dürfen.«

Zufallssammlung Die Ausstellung besteht aus elf Räumen mit elf Themen und ist eine Reise durch drei Jahrhunderte, von 19. bis zum 21. Jahrhundert. Die gezeigten Arbeiten stammen unter anderen von Alexander Archipenko, Max Beckmann, Marc Chagall, Edgar Degas, Alberto Giacometti, Wassily Kandinsky, Jackson Pollock, Pablo Picasso, Egon Schiele und Mark Rothko. Zu den zeitgenössischen israelischen Künstlern, die in ihren Werken meist aktuelle gesellschaftliche Probleme thematisieren, zählen Yael Bartana, Guy Ben-Ner, Zoya Cherkassy, Raafat Hattab, Nira Pereg und Tamir Zadok.

Was heute die bedeutendste Sammlung der Europäischen Moderne im Nahen Osten ist, begann als »Zufallssammlung«, wie Karl Schwarz, der das Museum bis 1947 leitete, es einmal formulierte. Unterstützt wurde der Aufbau des Museums von Künstlern und Sammlern, vor allem von jenen, die seit 1933 aus Deutschland nach Eretz Israel eingewandert waren.

Marc Chagall schenkte dem Haus zur Gründung das Gemälde Jude mit Tora, das die Inventarnummer 1 trägt und jetzt auch in Berlin zu sehen ist. Der Kunstsammler Erich Goeritz schickte rund 500 Einzelstücke nach Tel Aviv, darunter Werke von Max Liebermann, Oskar Kokoschka, Ernst Barlach und Alexander Archipenko.

Wachstum Das Museum sei »kein jüdisches«, sondern ein »allgemeines«, schrieb Schwarz damals. »Es soll das Nationalmuseum des Landes werden.« Nach der Gründung des Staates Israel begannen auch viele Sammler aus den USA, das Tel Aviv Museum zu fördern. Peggy Guggenheim spendete 36 Werke, insbesondere surrealistische und abstrakte Kunst. Mit dem Wachstum der Sammlung wurde das Museum schrittweise auf drei Gebäude erweitert.

Heute umfasst die Sammlung Arbeiten aller wichtigen Stilrichtungen des 20. Jahrhunderts vom Impressionismus über den deutschen Expressionismus bis zum Surrealismus und der Pop Art. Das inzwischen fast 12.000 Quadratmeter große Tel Aviv Museum of Art zeigt jährlich rund 30 Ausstellungen und zählt etwa 650.000 Besucher. epd/ja

»Jahrhundertzeichen – Tel Aviv Museum of Art visits Berlin«. Noch bis 21. Juni im Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, 10963 Berlin. Mi. bis Mo. 10.00–19.00, Di. geschlossen

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