Sachsen-Anhalt

Judenfeindliche Skulptur in Calbe künstlerisch eingefriedet

Die antisemitische Schmähfigur (»Judensau«) in Calbe ist nun umgestaltet. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Mit einem Friedenssymbol ist am Mittwoch ein judenfeindlich gestalteter historischer Wasserspeier an der Stadtkirche St. Stephani in Calbe (Saale) dauerhaft verhüllt worden. Bei einer Gedenkstunde am Buß- und Bettag wurde das Kunstwerk aus einem Geflecht metallener Ölzweige, das sich um die sogenannte »Judensau« rankt, eingeweiht.

Der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Egeln, Matthias Porzelle, erklärte, das Werk des Künstlers Thomas Leu banne »das steinerne Zeugnis des Antisemitismus«. Metallbildhauer Leu ergänzte: »So überformt ein christliches und zugleich auch jüdisches Symbol des Friedens dieses frühere Sinnbild des Hasses.«

Geschichte nicht leugnen

Erst im Zuge von Bauarbeiten im Jahr 2016 war die judenfeindliche Skulptur an der Stadtkirche von Calbe ins öffentliche Bewusstsein geraten. Eine Beseitigung der Schmähplastik hatte der Denkmalschutz untersagt, weshalb es jahrelang eine provisorische Verhüllung und viele Diskussionen gegeben hatte. Mit der Installation »Einfriedung« des Künstlers Thomas Leu wurde eine dauerhafte Teilverhüllung geschaffen.

Die Kunstinstallation überdeckt die Schmähfigur nicht komplett. Damit soll die Einfriedung auch symbolisch dafür stehen, die Geschichte und den immer wieder aufbrechenden Antisemitismus nicht zu leugnen. Die Schmähplastik stammt offenbar aus dem 19. Jahrhundert und gehört zu insgesamt 14 Wasserspeiern an den Strebepfeilern der St. Stephani-Kirche. epd

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