Hollywood

Timothée Chalamet – der neue Leonardo DiCaprio?

Timothée Chalamet bei der New Yorker Premiere seines Films »Marty Supreme« am 16. September Foto: picture alliance / Evan Agostini/Invision/AP

Timothée Chalamet macht keinen Hehl daraus, zu einem der »Großen« in Hollywood aufsteigen zu wollen. In einem Interview sagte er mal, in jungen Jahren hatte er »einen wahnhaften« Traum, dass er in seiner späten Teenagerzeit eine Karriere als Schauspieler haben werde. Dieser Traum hat sich für Chalamet, der am 27. Dezember 30 Jahre alt wird, mittlerweile erfüllt. 

Bereits zweimal wurde der Schauspieler, dessen Mutter österreichisch-jüdische und russisch-jüdische Vorfahren hat, für einen Oscar nominiert, unter anderem dieses Jahr für seine Darstellung von Musikikone Bob Dylan im Biopic »Like a Complete Unknown«. Bei der nächsten Verleihung 2026 gilt er mit seinem neuen Film »Marty Supreme« wieder als wahrscheinlicher Anwärter auf eine Nominierung. 

Konkurrenz könnte er von Hollywood-Star Leonardo DiCaprio (»One Battle After Another«) bekommen. Generell fällt auf: Seit »Titanic« und den frühen Zeiten von DiCaprio (51) hat es wohl keinen jungen Schauspieler gegeben, der so präsent ist wie Chalamet. Medien und Fans haben deshalb schon öfter Parallelen zwischen den beiden gezogen. Tatsächlich gibt es einige Ähnlichkeiten.

Früher Durchbruch

Zunächst einmal: Beide Schauspieler starteten ihre Karriere mit eher kleinen Rollen in Fernsehserien, bevor sie ein Filmprojekt bekannt machte und ihnen schon früh internationale Anerkennung verschaffte.

Bei DiCaprio war es die Tragikomödie »Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa«, für die er 1994 mit 19 Jahren als bester Nebendarsteller bei den Oscars nominiert wurde. Drei Jahre später gelang ihm dann der endgültige Durchbruch als verliebter Jack Dawson auf der untergehenden »Titanic«. 

Der in New York geborene Chalamet hingegen ist spätestens seit dem romantischen Drama »Call Me by Your Name« aus dem Jahr 2017 einem breiten Publikum bekannt. Der Film von Luca Guadagnino über die sexuelle Selbstfindung eines Jugendlichen bescherte dem französisch-amerikanischen Schauspieler eine Nominierung bei den Oscars als bester Hauptdarsteller. Damals war er 22 Jahre alt. 

Gemeinsames Projekt

Es folgten Rollen in der Science-Fiction-Reihe »Dune«, dem Film »Little Women«, der Musicalkomödie »Wonka« oder »Like A Complete Unknown« über die beginnende Karriere Dylans in den frühen 60er Jahren. Zusammen haben DiCaprio und Chalamet übrigens im satirischen Katastrophenfilm »Don’t Look Up« gespielt.

Schaut man auf die bisherigen Filme von Chalamet, scheint er sich an einen Rat seines älteren Kollegen gehalten zu haben: »Leonardo DiCaprio sagte mir: ›Keine Superheldenfilme, keine harten Drogen›. Das fand ich sehr gut«, erzählte er der »New York Times«. DiCaprio und Chalamet gelten beide als äußerst akribische und ehrgeizige Künstler.

Für seine Rolle als Tischtennis-Spieler in »Marty Supreme« habe er Kontaktlinsen getragen, die seine Sicht verwischen - um glaubhaft eine Brille mit Sehstärke tragen zu können, erzählte Chalamet in einem Interview. Auch reiste er mit einer Tischtennisplatte, um zu trainieren. Für das Dylan-Biopic bereitete er sich eigenen Worten zufolge rund fünf Jahre vor, lernte etwa, Gitarre und Mundharmonika zu spielen.

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»Keine fieberhaften Selbstzweifel«

Dass er hohe Ansprüche hat, lässt er gerne die Öffentlichkeit wissen. Bei einer Preisverleihung sagte der Schauspieler Anfang des Jahres: »Ich weiß, dass die Leute normalerweise nicht so reden, aber ich möchte zu den Großen gehören«. Dem US-Modemagazin »Vogue« erzählte er, er selbst kenne keine »fieberhaften Selbstzweifel«. 

Und: »Meine Superkraft ist meine Furchtlosigkeit. Das ist das Feedback, das ich seit meiner Kindheit bekomme«. Einige Fans empfinden dieses Selbstbewusstsein als arrogant, andere halten es einfach für berechtigt.

Auch Charakterdarsteller DiCaprio geht für seinen Job mitunter an Grenzen. Seine fast stumme Rolle im Rachethriller »The Revenant - Der Rückkehrer« brachte ihm 2016 den Oscar ein, nachdem er unter extremen Bedingungen gedreht hatte und rohe Bisonleber vor der Kamera essen musste.

Modestil und Auftreten

Ähnlich wie bei DiCaprio, der sein Privatleben am liebsten abschottet, sorgt auch der öffentliche Rummel um Chalamet immer wieder für Schlagzeilen. 

Befeuert wird der Rummel durch die sozialen Medien, ebenso wie Klatsch rund um seine Beziehung zur Unternehmerin Kylie Jenner (28). Dabei richtet sich das Interesse aber nicht nur auf sein Privatleben. Auch sein Modestil und sein Auftreten abseits der Leinwand sind immer wieder Thema. Er ist stilprägend.

Seine oft extravaganten Looks, wie zum Beispiel ein rückenfreies Top auf dem roten Teppich, interpretierten viele lange als eine neue Art von Männlichkeit in Hollywood. Mittlerweile scheint er sich aber bewusst von diesem Image zu lösen und es sogar zu untergraben. Momentan zeigt sich Chalamet seinen Fans bei Instagram in sportlicher Streetwear und weiten Hosen.

Von der »Leomania« zur »Chalamania«

Das US-Magazin »Interview« sah sich schon 2018 an die »Leomania«, also die weltweite Schwärmerei für DiCaprio Ende der 90er, erinnert. Er habe eine »regelrechte Chalamania ausgelöst«, hieß es damals in einem Artikel. Seitdem hat sich die Popularität von Chalamet noch gesteigert.

Als der Hollywood-Star zur letzten Berlinale kam, bildete sich vor der Pressekonferenz eine schier endlose Warteschlange. Das habe es so noch nie gegeben, sagte damals ein langjähriger Festivalgänger. Nur Madonna habe knapp 20 Jahre vorher einen ähnlichen Hype auf dem Festival in Berlin ausgelöst.

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