Rassismus

In tödlicher Mission

Ein Mann fürs ganz Grobe: Superheld Polat Alemdar zeigt auf der Leinwand, was er von Israelis hält. Foto: dpa / (M) Frank Albinus

Um es gleich vorweg zu sagen: Der türkische Action-Streifen Tal der Wölfe – Palästina ist dramaturgisch gesehen so schwach, dass er ohne Weiteres auf die Liste der schlechtesten Kinofilme aller Zeiten aufgenommen werden könnte. Doch so einfach lässt sich die 10-Millionen-Dollar-Produktion, die jetzt in Deutschland, der Türkei und vielen anderen Ländern angelaufen ist, nicht beiseitewischen. Tal der Wölfe – Palästina ist ein gefährlicher Film. Und er wird seine Anhänger finden.

Freitagnachmittag: Obwohl die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft das umstrittene Werk erst in letzter Minute ab 18 freigegeben hat, ist der größte Saal eines Kinos im Berliner Bezirk Neukölln bei der Premiere voll besetzt. Das Publikum besteht überwiegend aus jungen türkisch- und arabischstämmigen Männern. Das überrascht nicht. Bereits der Vorgänger Tal der Wölfe – Irak, der auf einer populären Fernsehserie basierte, zählt zu den größten türkischen Kinoerfolgen der vergangenen Jahre. Filmheld Polat Alemdar rangiert laut einer repräsentativen Befragung bei Jugendlichen sogar auf Platz 1 ihrer Vorbilder – noch vor den Eltern, dem Propheten Mohammed und Staatsgründer Atatürk.

Propaganda Die Hauptaussage von Tal der Wölfe – Palästina ist so simpel wie provozierend: Israel ist ein rassistischer Unrechtsstaat ohne Existenzberechtigung. Propagandistisch passend startete der Film am 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag – eine bewusste Missachtung der Erinnerung an die Schoa.

In den Medien halten die Verantwortlichen denn auch mit ihrem antisemitischen Weltbild nicht hinterm Berg. So formuliert Drehbuchautor Bahadir Özdener in einem Interview mit dem türkischen Nachrichtensender ntv das Anliegen: »Wir zielen in diesem Film auf eine faschistische und rassistische Denkweise ab und versuchen, sie vor dem Publikum quasi zu töten.« Die »rassistische Denkweise«, die hier gemeint ist, heißt Zionismus.

Wiederholt haben die Filmemacher klargestellt, dass sie ihr Publikum über das Drama des palästinensischen Volkes aufklären wollen. Was sich bis dato keiner getraut habe, übernehme nun ein türkisches Team, so Hauptdarsteller Necati Sasmaz. Endlich werde dem Volk die Wahrheit gezeigt, die ihm so lange vorenthalten worden sei. »Wir schlagen sie mit ihren eigenen Waffen – mit den Medien!«, sagt Sasmaz.

plakativ Letztlich ginge es darum zu zeigen, was aus einem friedlichen Volk und einer friedlichen Religion geworden sei. Der Subtext dieser Botschaft lautet: Die Opfer von gestern sind die Täter von heute. Juden gleich Nazis. Das wird plakativ in Szene gesetzt. Etwa, wenn der israelische Kommandant Moshe vom Fenster seines Hauptquartiers einfach so mit einem Gewehr auf ein vorbeifahrendes Auto feuert, nur um die Wirkungsweise neuer Munition zu testen. Sein unschuldiges Opfer – ein Araber. Das erinnert auf fatale Weise an Schindlers Liste, als Amon Göth, Herrscher über das Lager Plaszow, nach dem Aufstehen einfach mal so Häftlinge niederschießt.

Die Hauptrolle in Tal der Wölfe – Palästina spielen nicht etwa Palästinenser, sondern Türken. Sie sollen Rache nehmen für neun Landsleute, die bei der Stürmung der Gaza-Flottille durch israelische Spezialeinheiten am 31. Mai 2010 ums Leben kamen. Dass sich mit der verletzten Ehre der Türken gut Geld verdienen lässt, weiß das Tal-der-Wölfe-Team spätestens seit der Irak-Produktion.

Israelfeindschaft Vor fünf Jahren zogen Agent Alemdar und seine Getreuen den amerikanischen Kommandanten zur Rechenschaft, der mit seiner Truppe türkische Spezialeinheiten in Nord-Irak festgenommen und gedemütigt hatte. Aktuelles Geschehen als Filmkulisse – genau darin liegt das Hauptproblem: Bediente sich Tal der Wölfe – Irak der anti-amerikanischen Stimmung, huldigt der Palästina-Nachfolger der globalen Israelfeindschaft, die in der Türkei auf besonders fruchtbaren Boden stößt.

Folgerichtig sind Zahal-Soldaten nichts anderes als skrupellose Mörder. Nur einer einzigen Jüdin ist es vergönnt, menschliche Züge zu zeigen – aus propagandistischen Gründen: Die amerikanische Touristenführerin gerät zwischen die Fronten und wird Zeugin der hasserfüllten Vorgehensweise der Israelis. Klar, dass ihr »die Augen geöffnet« werden. Das ist ganz im Sinne von Regisseur Zübeyr Sasmaz. »Wir haben versucht, dem Zuschauer zu vermitteln, dass ein Jude, der Araber für Tiere hält, zu der Erkenntnis kommen kann, dass auch sie Menschen sind.« Doch das geht nur, wenn man Israel – als Symbol der Unmenschlichkeit – ablehnt. Das ist die gefährliche Botschaft des Films.

Der Autor ist Mitbegründer der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus in Berlin und Mitglied des unabhängigen Expertengremiums des Deutschen Bundestages zur Bekämpfung des Antisemitismus.

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