Film

»Honey Don’t!«

Charlie Day als Sheriff in »Honey Don’t!« Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Lange Zeit gab es die Coen-Brothers (»The Big Lebowski«, »No Country for Old Men«) nur im Doppelpack. Doch in den letzten Jahren gingen die Brüder erstmals getrennte Wege. Ethan Coen entwickelte in dieser Zeit eine sogenannte »Queere B-Movie-Trilogie«, bei denen er Regie führte und gemeinsam mit seiner Partnerin Tricia Cooke die Drehbücher schrieb.

Wie beim ersten Film »Drive-Away-Dolls« übernimmt auch beim zweiten, inhaltlich vollkommen unabhängigen Teil »Honey Don’t!« Margaret Qualley (»Poor Things«, »The Substance«) die Hauptrolle. Dieses Mal spielt sie die lesbische Privatdetektivin Honey O’Donahue, die im kalifornischen Bakersfield eine Mordserie untersucht, die der heimische Sheriff (Charlie Day) nicht aufzuklären vermag. Ihre Ermittlungen bringen Honey auf die Spur einer von Reverend Drew Devlin (Chris Evans) angeführten Sekte, nebenbei entwickelt sich eine Liebschaft mit Polizistin MJ (Aubrey Plaza).

Lesen Sie auch

Die selbstbewusste Honey, die ihre sexuelle Orientierung klar ausspricht und deutlich feministische Positionen bezieht, ist eine Art Neuinterpretation der klassischen, in der Regel männlichen Figur des einsamen Wolfs, der mit persönlicher Hingabe für Gerechtigkeit kämpft.

Gemeinsam mit der stilsicheren Etablierung von Motiven und Ästhetiken klassischer Film noirs hätte dies eine reizvolle Mischung ergeben können. Zumal sich in einem weiteren Handlungsstrang rund um Honeys Schwester Heidi (Kristen Connolly) und deren Tochter Corinne (Talia Ryder) auch ernste Themen entwickeln, wie Gewalt gegen Frauen und die Herausforderungen als Mutter. Zudem gibt der Film ein interessantes gesellschaftliches Abbild einer amerikanischen Kleinstadt, in der viele Menschen orientierungslos scheinen.

Leider wirken all die Motive und Handlungsstränge jedoch, als hätte man sie bei einem losen Brainstorming gesammelt und dann ohne weitere Ordnung zusammengebracht. Entsprechend mäandert der Film die meiste Zeit etwas ziellos daher, ohne einen echten Spannungsbogen zu entwickeln. Wie beim Vorgänger »Drive-Away Dolls« nutzt Coen die Überschrift »Queeres B-Movie« zudem als Aufhänger für viel nackte Haut, überdrehte Sexszenen und albern ironische Gags. Hinzu kommen eine ganze Reihe grotesk blutiger und tendenziell unnötiger Gewaltszenen. Eine moderne Neuinterpretation des Genres sieht dann doch anders aus.

Der Film läuft ab dem 11. September im Kino.

Kinder

Noah, Ben oder Lea?

Warum sich biblische Namen im deutschsprachigen Raum großer Popularität erfreuen

von Nicole Dreyfus  26.08.2026

Ludwigshafen

Neue Ausstellung zu Ernst und Karola Bloch: Fotografische Reise

Eine neue Schau in Ludwigshafen zeigt das ereignisreiche Leben der Familie Bloch zwischen Exil und Heimatsuche anhand des fotografischen Nachlasses – in privaten und öffentlichen Momenten

von Norbert Demuth  26.08.2026

Nachruf

Großmeister der ausgreifenden Erzählung

Mit seinen Epochenromanen prägte er das literarische Bild Europas. Nun ist der vielfach ausgezeichnete Autor Peter Nadas gestorben

von Gregor Mayer  26.08.2026

Bremen

Philosophin Lea Ypi erhält Hannah-Arendt-Preis 2026

Die albanisch-britische Philosophin Lea Ypi erhält den Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken 2026. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird im Dezember im Bremer Rathaus verliehen

 26.08.2026

70 Jahre »Bravo«

Dr. Sommers Vermächtnis

Von 1969 bis 1984 war der Arzt Martin Goldstein »Dr. Sommer«, einer der wohl berühmtesten Ratgeber, den der deutsche Journalismus je hatte

von Hanna Persson  26.08.2026

Programm

Vortrag, Führung, Finissage: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 27. August bis zum 3. September

 26.08.2026

Nachruf

Wie Dolly Parton zur Ikone wurde

Die Country-Legende Dolly Parton ist tot. Dass sie zu einem weltweit verehrten Star wurde, lag auch an ihren jüdischen Freunden und Geschäftspartnern

von Sophie Albers Ben Chamo  26.08.2026

Orlando (Florida)

Harrison Ford wird erneut zu Indiana Jones

Diesmal wird der jüdische Darsteller kein Abenteuer auf der Leinwand erleben. Aber worum geht es dann?

 26.08.2026 Aktualisiert

Kommentar

Unpolitisch war gestern

Der ESC unterliegt künftig neuen Regeln für Krisenstaaten, Israel kann nach wie vor am Wettbewerb teilnehmen. Noch ist das keine Lex Israel. Aber der Eindruck entsteht

von Nicole Dreyfus  26.08.2026