Brüssel

»Gegen EU-Grundwerte«: Kommission verurteilt Festival

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Foto: Michael Thaidigsmann

Die Europäische Kommission hat sich am Freitag »zutiefst besorgt« gezeigt über die Absage eines Konzerts der Münchner Philharmoniker im belgischen Gent und die Entscheidung Organisatoren in die Nähe von Antisemitismus gerückt.

»Unsere Position war immer klar: Die Kommission lehnt jede Form von Antisemitismus entschieden ab«, sagte eine Sprecherin der von Ursula von der Leyen geführten größten EU-Institution auf Nachfrage dieser Zeitung. Was die Festival-Verantwortlichen in Gent getan hätten, stehe im Widerspruch zu den Werten der Europäischen Union. »Kultur verbindet uns und spiegelt die Vielfalt Europas wider. Unsere kulturelle Vielfalt gehört zu unseren Stärken und hat unsere reiche Geschichte geprägt«, so die Sprecherin.

Weiter sagte sie: »Menschen von Bühnen oder Konzertsälen auszuschließen, sofern sie nicht Hass und Gewalt verbreiten, widerspricht unseren grundlegenden demokratischen Werten.« Künstler dürften nicht aufgrund ihrer Herkunft, ihrer religiösen oder politischen Zugehörigkeit beurteilt werden.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

EU-Kommissar Magnus Brunner erklärte auf X, er habe die Beauftragte der Kommission für den Kampf gegen Antisemitismus, Katharina von Schnurbein, gebeten, mit den Organisatoren des Festivals Kontakt aufzunehmen, um sicherzustellen, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederhole.

In der Vergangenheit hatte die Europäische Union Zuschüsse für das Flandern-Festival gewährt. Diese waren aus dem Programm »Creative Europe« geflossen, mit dem aus dem EU-Haushalt europäische Kunst- und Kulturprojekte unterstützt werden.

Lesen Sie auch

Das Logo von Creative Europe war am Freitagnachmittag immer noch auf der Webseite der Konzertreihe in Gent zu sehen. Die Sprecherin stellte aber klar, dass Creative Europe die diesjährige Ausgabe in keiner Weise finanziere. »Wir wurden darauf aufmerksam gemacht, dass das Logo von Creative Europe auf der Website des Festivals erscheint, und wir werden die Organisatoren auffordern, es unverzüglich zu entfernen«, erklärte sie.

Am Donnerstag hatte bereits die Deutsche Botschaft in Brüssel wegen des Antisemitismusskandals ihre Zusammenarbeit mit dem Festival beendet. Botschafter Martin Kotthaus hatte das Vorgehen der Veranstalter gegen den Dirigenten der Münchner Philharmoniker, Lahav Shani, öffentlich kritisiert. Auch zahlreiche belgische Politiker, darunter Premierminister Bart De Wever, griffen die Organisatoren scharf an. De Wever sagte, Belgiens und Flanderns guter Ruf sei »beschmutzt« worden.

Die flämische Kulturministerin Caroline Gennez von der sozialdemokratischen Vooruit-Partei hatte die Festival-Leitung hingegen zu diesem Schritt ausdrücklich ermutigt. Gennez fordert einen umfassenden kulturellen Boykott Israels wegen des Kriegs in Gaza. Flanderns Ministerpräsident Matthias Diependaele sieht das hingegen komplett anders und zeigte sich konsterniert über die Absage des Konzerts am 18. September.

Ausstellung

Das heitere, coole, elegante Amerika

Die Kunsthalle Tübingen zeigt neue Werke des 99-jährigen Jahrhundertmalers Alex Katz

von Eugen El  17.08.2026

Rezension

Antidot gegen Lüge und Vernebelung

Richard Herzinger war ein lebenslanger Streiter gegen Antisemitismus jeglicher Couleur. Ein Auswahlband seiner Texte zeigt ihn nun einmal mehr als einen wortmächtig-analytischen Solitär

von Marko Martin  17.08.2026

Noga Erez

»Zu komplex für einen Soundbite«

Ein neuer Dokumentarfilm porträtiert die israelische Popmusikerin zwischen Krieg, Boykott und Freiheitswillen

von Chris Schinke  17.08.2026

Interview

»Israel zu retten, bedeutet, die Menschheit zu retten«

Die Berliner Kabarettistin Michaela Dudley über die historische Allianz zwischen Schwarzen und Juden, Antisemitismus in den Medien – und warum sie seit dem 7. Oktober 2023 oft »gecancelt« wird

von Helmut Kuhn  16.08.2026

Kulturkolumne

Rückkehr nach Aschkenas

Wo sind Juden zu Hause?

von Eugen El  16.08.2026

Zahl der Woche

0 Euro

Fun Facts und Wissenswertes

 16.08.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Small Talk oder Die anstrengende Zeit nach dem Urlaub

von Nicole Dreyfus  16.08.2026

Aufgegabelt

Sauerkirschsuppe mit Sauerrahm

Rezepte und Leckeres

von Noemi Berger  16.08.2026

TV-Kritik

Der Ring, der nie gelungen: Arte-Doku über Richard Wagner und sein monumentales Werk

Eine Arte-Dokumentation erzählt die Geschichte von Richard Wagners Gesamtkunstwerk und seiner Vereinnahmung durch die Nazis

von Manfred Riepe  15.08.2026