Bad Arolsen

Floriane Azoulay scheidet als Direktorin der Arolsen Archives aus

Nach Darstellung von Mitarbeitern herrschte in der Einrichtung nahezu seit dem Amtsantritt von Direktorin Azoulay im Jahr 2016 eine »toxische Arbeitsatmosphäre« und eine »Kultur der Angst«. Foto: picture alliance/dpa

Die Direktorin der Arolsen Archives, Floriane Azoulay, scheidet zum Jahresende aus dem Amt. Die Direktorin habe in den zehn Jahren ihrer Amtszeit das weltweit größte Archiv über Opfer und Überlebende der NS-Verfolgung digital ausgerichtet, teilte die Pressestelle der Einrichtung in Bad Arolsen mit.

Das Online-Archiv umfasse mittlerweile rund 40 Millionen Dokumente und werde jährlich von rund 800.000 Menschen weltweit genutzt. Nach einer Verlängerung der fünfjährigen Amtszeit um weitere fünf Jahre ende die Amtszeit der Direktorin oder des Direktors.

Azoulays Anliegen sei gewesen, das Wissen aus dem Archiv in die Gesellschaft zu bringen - als zugängliche, überprüfbare Beweise der NS-Verbrechen in einer Zeit, in der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen nicht mehr selbst berichten können, hieß es. Bei der internationalen Online-Aktion #everynamecounts hätten bisher nahezu 400.000 Menschen mitgeholfen, Millionen Dokumente digital zu erschließen. Durch die Initiative #StolenMemory seien mit Unterstützung zahlreicher Freiwilliger mehr als 1000 Familien gefunden worden, denen persönliche Gegenstände ehemaliger KZ-Häftlinge zurückgegeben wurden.

Die Arolsen Archives erhielten in den vergangenen zehn Jahren mehrere internationale Auszeichnungen.

Mobbing-Vorwürfe gegen Direktorin

2023 waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Kritik an Azoulay an die Öffentlichkeit gegangen. 25 aktive und ehemalige Beschäftigte hätten massive Vorwürfe wegen Mobbings und Machtmissbrauchs erhoben, teilte deren Rechtsanwalt damals mit. Das Aufsichtsgremium, der Internationale Ausschuss, beauftragte daraufhin eine Anwaltskanzlei, die Vorwürfe zu untersuchen.

Dabei beschränkte der Ausschuss den Untersuchungszeitraum auf die Jahre 2021 und 2022 und ließ nicht, wie von den Kritikern erhofft, den gesamten Amtszeitraum der Direktorin ab 2016 untersuchen. Die Kanzlei sah in ihrem Bericht keine Pflichtverletzungen Azoulays, es folgten keine Konsequenzen für die Direktorin. epd

Wien

Israel zieht ins Finale des ESC ein

Noam Bettan überzeugt mit seinem Lied »Michelle« Jury und Publikum

von Martin Krauß  12.05.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Warum ich die schlechte Antwerpener Luft so manchem Insekt vorziehe

von Margalit Edelstein  12.05.2026

Ausstellung

Zerstörung bauen

Das Jüdische Museum Berlin würdigt das Werk von Daniel Libeskind und feiert den 80. Geburtstag des Architekten

von Thomas Sparr  12.05.2026

Eurovision Song Contest

Autor von Kultserie macht TV-Sender schwere Vorwürfe

Irlands Sender RTÉ boykottiert den diesjährigen ESC, weil Israel daran teilnimmt. Jetzt kommt Gegenwind: Drehbuchautor Graham Linehan will nicht, dass zeitgleich eine Episode der von ihm mitgeschaffenen Sitcom »Father Ted« ausgestrahlt wird

 12.05.2026

Serie

Filmemacher: Tagebuch von Etty Hillesum als Pflichtlektüre an Schulen

Die jüdische Autorin Etty Hillesum wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Eine Serie über den Holocaust ist »Etty« jedoch nicht: Es geht vielmehr um ihr Leben und ihre Ideen - die heute höchst aktuell erscheinen

von Paula Konersmann  12.05.2026

Eurovision

Weimer fährt für Israels ESC-Auftritt nach Wien

»Es ist kein Ort, wo politische Dinge in dieser Dimension eine Rolle spielen sollten«, sagt der Kulturstaatsminister

 12.05.2026

Filmfestivals

Regisseurin: Filmfeste müssen politische Debatten aushalten

Wird es in Cannes ähnlich politisch wie bei der Berlinale?

 12.05.2026

Fernsehen

»Etty«: Eine junge Frau umarmt das Leben und trotzt der Vernichtung

Amsterdam 1941: Die jüdische Intellektuelle Etty Hillesum besiegt ihre Ängste und erlebt eine große Liebe. Sie führt Tagebuch, das viele weltweit berührt. Nun ist es verfilmt worden

von Annette Birschel  12.05.2026

Jubilar

Architektur als Zeichen der Hoffnung - Daniel Libeskind wird 80

Das Jüdische Museum Berlin, der Masterplan für Ground Zero in New York: Für den Amerikaner ist Bauen Teil der Erinnerungskultur

von Sigrid Hoff  12.05.2026