Kino

»Disclosure Day«: Steven Spielberg bringt neuen Alien-Film ins Kino

Steven Spielberg ist wieder im Science-Fiction-Business angekommen. Foto: picture alliance / Richard Shotwell/Invision/AP

In E.T. geht es um einen niedlichen Außerirdischen, in Unheimliche Begegnung der dritten Art um die ebenfalls friedliche Begegnung zwischen Menschen und Außerirdischen, was man von War of the Worlds hingegen nicht behaupten kann. Mit seinem neuen Sci-Fi-Drama wählt Spielberg einen ganz anderen Ansatz.

Der jüdische Regisseur meldet sich im Sommer mit einem Stoff zurück, der tief in die DNA seines filmischen Schaffens greift. Mit Disclosure Day, einem möglichen Kassenschlager, der Ende Juni in die Kinos kommt, widmet sich der Regisseur der Materie diesmal aus einer globalen Perspektive. Der Film ist als großes Ereigniskino angelegt und wird von den Studios entsprechend als einer der zentralen Sommerstarts positioniert.

Über den konkreten Plot ist bislang nur wenig bekannt. Im Zentrum steht offenbar der Moment einer weltweiten Erkenntnis: Was geschieht, wenn zweifelsfrei bewiesen wird, dass die Menschheit nicht allein im Universum ist? Der Titel des Films verweist auf den in UFO-Fan-Kreisen gebräuchlichen Begriff der »Disclosure« – also auf jenen hypothetischen Tag, an dem Regierungen das Wissen über außerirdische Intelligenz öffentlich machen würden. Spielberg scheint diesmal die gesellschaftlichen, politischen und psychologischen Folgen eines solchen Ereignisses auf globaler Ebene zu untersuchen.

Emotionale Erzählung

Das Drehbuch stammt von David Koepp, einem langjährigen Weggefährten Spielbergs, der bereits an Filmen wie Jurassic Park, Krieg der Welten und mehreren Indiana Jones-Teilen beteiligt war. Auch diesmal basiert das Skript auf einer Originalidee des Regisseurs. Aus dem Umfeld der Produktion heißt es, der Film verzichte weitgehend auf klassische Genremechanik und spektakuläre Effekte um ihrer selbst willen. Stattdessen stehe eine zutiefst emotionale Erzählung im Mittelpunkt, die weniger vom Staunen über das Unbekannte als von der Reaktion der Menschen darauf getragen werde.

Hochkarätig ist auch die Besetzung. Emily Blunt, Josh O’Connor, Colin Firth, Colman Domingo, Eve Hewson und Wyatt Russell übernehmen zentrale Rollen, deren genaue Funktionen bewusst unter Verschluss gehalten werden. O’Connor beschrieb das Projekt gegenüber amerikanischen Publikationen als Rückbesinnung auf den »alten Spielberg« – auf jene Filme, die in den siebziger und achtziger Jahren Kino als kollektives Erlebnis verstanden.

Autor Koepp wiederum sprach von einer »sehr emotionalen Erfahrung«, während Colman Domingo erklärte, das Drehbuch habe ihn tief bewegt: Es sei eine Geschichte über Menschlichkeit, Verantwortung und die Frage, wie eine Gesellschaft mit einer Wahrheit umgeht, die größer ist als sie selbst.

Lesen Sie auch

Jahrtausendealtes Weltbild

Disclosure Day ist Spielbergs erste Regiearbeit seit dem semi-autobiografischen Drama The Fabelmans aus dem Jahr 2022.

Der Zeitpunkt für ein solches Thema ist nicht zufällig gewählt. In den vergangenen Jahren hat das öffentliche Interesse an sogenannten UAPs (Unidentified Anomalous Phenomena), also nicht identifizierten Flugphänomenen, deutlich zugenommen. Berichte, Anhörungen und Dokumentationen haben die Debatte aus dem Bereich der Randkultur in die Mitte der Gesellschaft gerückt.

Spielberg greift diese Stimmung auf, ohne sie zu kommentieren oder zu bewerten, und nutzt sie als Resonanzraum für eine grundsätzliche Frage: Wie würde die Menschheit reagieren, wenn ein jahrtausendealtes Weltbild innerhalb eines Moments erschüttert würde?

Spannung und Geheimnis

Auch filmhistorisch ist Disclosure Day als bewusste Positionsbestimmung zu lesen. Spielberg, der einst das Blockbuster-Kino mitprägte, kehrt zu einem Erzählmodell zurück, das auf Spannung, Geheimnis und emotionaler Identifikation beruht – und nicht auf permanenter Reizüberflutung. In einer Streaming-Ära, in der Inhalte jederzeit verfügbar sind, setzt der Regisseur erneut auf das Kino als Ort des gemeinsamen Erlebens.

Die Vermarktung folgt diesem Ansatz laut amerikanischen Medien konsequent: Informationen werden sparsam dosiert, Deutungen offen gelassen, Erwartungen bewusst geschürt. Universal setzt damit auf ein klassisches Prinzip, das lange als überholt galt – Neugier als stärkste Währung. Für Spielberg ist es zugleich die Chance zu zeigen, dass erzählerische Zurückhaltung und großes Publikumskino kein Widerspruch sein müssen.

Disclosure Day startet Ende Juni in den Kinos und gilt bereits jetzt als eines der ambitioniertesten Filmprojekte des Jahres. Ob der Film tatsächlich an die ikonischen Science-Fiction-Erfolge des Regisseurs anknüpfen kann, wird sich erst im Dunkel des Kinosaals entscheiden – genau dort, wo Spielberg sein Publikum seit Jahrzehnten am liebsten überrascht. im

Glosse

Der Rest der Welt

Warum ich die schlechte Antwerpener Luft so manchem Insekt vorziehe

von Margalit Edelstein  12.05.2026

Ausstellung

Zerstörung bauen

Das Jüdische Museum Berlin würdigt das Werk von Daniel Libeskind und feiert den 80. Geburtstag des Architekten

von Thomas Sparr  12.05.2026

Eurovision Song Contest

Autor von Kultserie macht TV-Sender schwere Vorwürfe

Irlands Sender RTÉ boykottiert den diesjährigen ESC, weil Israel daran teilnimmt. Jetzt kommt Gegenwind: Drehbuchautor Graham Linehan will nicht, dass zeitgleich eine Episode der von ihm mitgeschaffenen Sitcom »Father Ted« ausgestrahlt wird

 12.05.2026

Serie

Filmemacher: Tagebuch von Etty Hillesum als Pflichtlektüre an Schulen

Die jüdische Autorin Etty Hillesum wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Eine Serie über den Holocaust ist »Etty« jedoch nicht: Es geht vielmehr um ihr Leben und ihre Ideen - die heute höchst aktuell erscheinen

von Paula Konersmann  12.05.2026

Eurovision

Weimer fährt für Israels ESC-Auftritt nach Wien

»Es ist kein Ort, wo politische Dinge in dieser Dimension eine Rolle spielen sollten«, sagt der Kulturstaatsminister

 12.05.2026

Filmfestivals

Regisseurin: Filmfeste müssen politische Debatten aushalten

Wird es in Cannes ähnlich politisch wie bei der Berlinale?

 12.05.2026

Fernsehen

»Etty«: Eine junge Frau umarmt das Leben und trotzt der Vernichtung

Amsterdam 1941: Die jüdische Intellektuelle Etty Hillesum besiegt ihre Ängste und erlebt eine große Liebe. Sie führt Tagebuch, das viele weltweit berührt. Nun ist es verfilmt worden

von Annette Birschel  12.05.2026

Jubilar

Architektur als Zeichen der Hoffnung - Daniel Libeskind wird 80

Das Jüdische Museum Berlin, der Masterplan für Ground Zero in New York: Für den Amerikaner ist Bauen Teil der Erinnerungskultur

von Sigrid Hoff  12.05.2026

Wien

Wie gewinnt man eigentlich den ESC?

Ein Lied über Krieg? Ein queerer Act? Oder ein Song, über den vor allem Jurys jubeln? Viele Thesen kursieren, wie man den Eurovision Song Contest gewinnt. Zeit für eine Annäherung kurz vor dem Finale

von Gregor Tholl, Jonas-Erik Schmidt  12.05.2026