»Scrubs«

Die Rückkehr der Anfänger

Mittlerweile gestandene Mediziner: »J.D.« (Zach Braff) und Christopher Turk (Donald Faison) Foto: © 2025 Disney. All rights reserved.

»Scrubs«

Die Rückkehr der Anfänger

Nach 16 Jahren Pause geht es weiter mit der amerikanischen Krankenhaus-Serie. Aber funktioniert das Konzept noch?

von Ralf Balke  16.04.2026 12:30 Uhr

Botox kam jedenfalls nicht zum Einsatz. Dabei liegen zwischen der neunten Staffel von Scrubs – Die Anfänger und der neuen zehnten Staffel, deren neun Folgen jetzt beim Streamingdienst Disney+ sukzessive gezeigt werden, satte 16 Jahre. Und diese Zeit sieht man den Protagonisten deutlich an, sie haben ordentlich Falten bekommen. Diese wollten die Macher der Serie auch nicht wegretuschieren.

Denn John »J. D.« Dorian, gespielt von Zach Braff, und sein Best Buddy Christopher Turk, dargestellt von Donald Faison, sind keinesfalls mehr die juvenilen Anfänger im Sacred-Heart-Krankenhaus von einst, sondern gestandene Mediziner, eher in der Midlife-Crisis als Lebensphase anzusiedeln. Deshalb wird nicht einfach da weitergemacht, wo 2010 sehr zum Bedauern einer weltweiten Fangemeinde Schluss war. Das würde auch kaum funktionieren.

Eine neue Generation von jungen Medizinern ist dem Figurenkosmos hinzugefügt worden.

Genau das beantwortet bereits die Frage, ob die neue Scrubs-Staffel einfach nur auf Nostalgie für eine Serie setzt, die ihre Fans nach der Jahrtausendwende viele Jahre lang begleitet hat, oder das Konzept gekonnt weiterentwickelt. Zwar ist der alte Figurenkosmos so gut wie vollständig erhalten geblieben – beispielsweise agiert Chefarzt Perry Cox (John C. McGinley) nach wie vor als verbale Giftspritze und würde gern weiterhin jede Gelegenheit nutzen, seine Umwelt mit Gemeinheiten zu überziehen.

Bei den Älteren klappt das auch. So macht er sich ebenfalls über die jüdische Herkunft von J. D. auf wunderbar despektierliche Weise lustig. Doch Scrubs wurden neue Charaktere hinzugefügt, vor allem angehende junge Ärztinnen und Ärzte, also das, was J. D. und Turk in den alten Folgen selbst waren. Und bei ihnen kann Dr. Cox nicht mehr den beleidigenden Ton von damals anschlagen, weil sie zu »sensibel« seien und sich als »Snowflakes« von allem und jedem sofort getriggert fühlen. Das lässt ihn schier verzweifeln.

Die völlig irren Tagträume von J. D. werden weiterhin in die Handlung integriert

Auch dem Muster, die völlig irren Tagträume von J. D. in die Handlung zu integrieren, ist man treu geblieben. Und siehe da: Es bereitet weiterhin großen Spaß, diesen zuzuschauen. So lässt sich J. D. im Sacred Heart zu Beginn der ersten Folge als »Bester Arzt aller Zeiten« von Kollegen, Personal sowie Patienten und Besuchern frenetisch wie ein Star feiern, weil er gerade eine superschwierige Operation gemeistert und ein Leben gerettet hat. Eine Krankenschwester besitzt sogar ein Dr.-J. D.-Tatoo über dem Hintern und will es sich von ihrem Idol signieren lassen.

Dabei ist J. D. nicht einmal am Sacred Heart tätig, hatte in den vergangenen Jahren ausschließlich als Hausarzt Patienten versorgt. Nur durch Zufall gerät er an seine alte Wirkungsstätte zurück, wo er von Dr. Cox sofort dazu überredet wird, erneut eine Stelle anzutreten, und zwar als derjenige, der sich um die Ausbildung von Neulingen kümmern soll: »Sie sind der Einzige, dem ich vertrauen kann.«

Diese erste Tagtraum-Szene ist natürlich völlig überzogen, steht aber Pars pro Toto für den intelligenten Witz der Serie. Man lässt es humortechnisch ordentlich krachen, was aber nicht einfach als Albernheit daherkommt. Vielmehr funktioniert selbst der krudeste Klamauk als eine Art Resonanzraum der Realität, und die besteht in einem Krankenhaus naturgemäß aus eher wenig erbaulichen Dingen wie Krankheiten, Schmerz und Tod.

Damit ist ein weiterer Aspekt angesprochen, der die DNA von Scrubs ausmacht und auch in der Neuauflage zieht: Anders als in konventionellen Krankenhausserien geht es nicht darum, welche Krankenschwester sich welchen Chefarzt angelt und wer gerade als genialer Mediziner eine Krankheit besiegt.

Es geht auch um die Grenzen eines auf Profit ausgerichteten Gesundheitssystems

Gezeigt werden unter anderem die unangenehmen Seiten, darunter die Grenzen eines auf Profit ausgerichteten Gesundheitssystems. So weigert sich in einer Folge die Krankenversicherung eines älteren Patienten, die horrenden Kosten für dessen Medikament zu übernehmen, was zu einer unangenehmen Situation zwischen J. D. und dem am Sacred Heart frisch angekommenen britischen Medizinstudenten Asher Green (Jacob Dudman) führt.

Denn erst hatte J. D. dem Jüngeren großspurig erklärt, welchen moralischen Prinzipien er als angehender Mediziner dringend Folge leisten sollte, um dann selbst bei der ersten Konfrontation mit der Realität – sprich Kosten und Wirtschaftlichkeit, in diesem Fall 1000 Dollar für 90 Tabletten – alles Gesagte wieder für ungültig zu erklären und seinen Kollegen zu desillusionieren.

Die Älteren fremdeln nicht nur mit dem Phänomen der Medizin-Influencerin Tosh, die auf Instagram & Co alles Mögliche in die Welt hinausposaunt.

Doch wenige Momente später folgt auf die Ernüchterung, und das ist der Twist, die unkonventionelle Lösung: J. D. organisiert die Tabletten auf eigene Faust auf dem kleinen Dienstweg, allen ist somit geholfen. Das System wird nicht infrage gestellt, sondern einfach ausgetrickst.

Zugleich wird der Generationenkonflikt, wie man ihn aus den alten Scrubs-Folgen als roten Faden kennt, neu verhandelt. Die Älteren fremdeln nicht nur mit dem Phänomen der Medizin-Influencerin Tosh, die auf Instagram & Co alles Mögliche in die Welt hinausposaunt.

Die Personalverantwortliche verordnet allen ständig Sensibilitätstrainings

Auch eine weitere neue Figur, und zwar Sibby Wilson, gespielt von Vanessa Bayer, einer jüdischen Comedian, die als Personalverantwortliche am Sacred Heart allen ständig Sensibilitätstrainings verordnet, wird für sie zur Nemesis und bekommt bald schon den Spitznamen »Gefühlspolizei«. Nur beim Chirurgen Todd (Robert Maschio), der bereits in den früheren Staffeln als Running Gag ständig Anspielungen auf seinen überdurchschnittlich großen Penis machte, stößt sie auf Granit. Er agiert einfach so weiter wie immer.

Die Mischung aus Vertrautem und Neuem ist das Erfolgsrezept der neuen Staffel. Der »Bromance« zwischen J. D. und Turk werden neue Kapitel hinzugefügt, Dr. Cox grantelt zwangsweise schaumgebremst weiter, was sehr unterhaltsam ist, und jeder lotet die Rahmenbedingungen, wie sie das Sacred Heart bietet, neu aus. Scrub bleibt unterhaltsam und berührt in der zehnten Staffel gekonnt wie auch einfühlsam zentrale menschliche Fragen, selbst nach 16 Jahren Pause.

»Scrubs« läuft beim Streamingdienst Disney+.

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