Forschung

Die Genies und die Gesundheit

Malaria in Afrika gehört zu den Problemen, denen sich die Wissenschaftler in Lindau am Bodensee widmen wollen. Foto: imago

Erklären Sie das Bill Gates, ich habe es gestern Abend schon versucht», sagt Ada Yonath lächelnd. Die Frage war, ob der Multimilliardär die aktuelle Forschung der Chemie-Nobelpreisträgerin von 2009 finanziell unterstützen könnte.

Die «Bill und Melinda Gates-Stiftung» will die Weltgesundheit fördern, die israelische Chemikerin erforscht Struktur und Funktion von Ribosomen. Ihre Ergebnisse können helfen, wirksamere Medikamente zu entwickeln. Speziell neue Antibiotika zur Bekämpfung bakterieller Infektionen sind notwendig.

gates Dass Bill Gates ihr keine Zusage gegeben hat, kann der israelischen Chemikerin die gute Laune nicht verderben. Bei hochsommerlichen Temperaturen sitzt sie im Café am Bodenseeufer in Lindau. Es ist Ende Juni, zwei Tage zuvor wurde das 61. Nobelpreisträgertreffen eröffnet. 23 in Stockholm ausgezeichnete Spitzenforscher sowie 566 Nachwuchswissenschaftler aus 77 Ländern sind an den Bodensee gekommen, um in ungezwungener Atmosphäre zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen. Auf der Tagesordnung stehen Themen aus Medizin und Physiologie, vor allem globale Probleme der Gesundheitsversorgung.

Nicht von ungefähr ist Bill Gates ein willkommener Gast, denn er unterstützt großzügig Projekte, um speziell die Situation in armen Ländern zu verbessern. Seit 1994 hat der Gründer von Microsoft bereits mehr als 30 Milliarden Dollar diesem Zweck gewidmet. Derzeit fließen jährlich etwa vier Milliarden Dollar in Gesundheits- und Bildungsprogramme vor allem in Entwicklungsländern.

Entsprechend heftig ist das Blitzlichtgewitter, als der 56-Jährige am Eröffnungstag des Nobelpreisträgertreffens an der Seite der deutschen Forschungsministerin Annette Schavan die Halle betritt. «Wissenschaft kennt keine Grenzen», sagt diese und weist darauf hin, dass zum Lindauer Meeting auch mehrere Forschungsminister, darunter Daniel Hershkovitz aus Israel und Anatoli Fursenko aus Russland gekommen sind.

Star des Tages sind sie aber nicht, ebenso wenig wie die Schar ehrwürdiger Nobelpreisträger, von denen manche Erinnerungsfotos machen. Diese Rolle kommt dem US-Multimilliardär zu, der umgehend in den Ehrensenat der «Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertreffen» aufgenommen wird.

wohlstand Seine Vision sei es, «eine Zukunft zu schaffen, in der die weltweite Gesundheit zum Eckpfeiler des globalen Wohlstands wird», sagt Gates in der anschließenden Podiumsdiskussion, an der auch Ada Yonath teilnimmt. Er fordert «mehr Rücksicht auf die Bedürfnisse der Ärmsten in der Welt».

Sie seien es, die vor allem von Malaria, Aids oder Tuberkulose bedroht würden. Mehr als eine Milliarde Menschen leiden an tropischen Krankheiten wie der Flussblindheit oder dem Denguefieber. In entwickelten Ländern kommen diese Krankheiten kaum noch vor, so dass die Behandlung lange vernachlässigt wurde.

Doch es gibt auch Fortschritte. So hat sich die Zahl der HIV-Infektionen und Aids-Todesfälle in den letzten zehn Jahren um ein Fünftel verringert, die Zahl der Malariaerkrankungen sogar halbiert. Zum einen, weil imprägnierte Moskitonetze und Insektensprays verteilt wurden. Zum anderen, weil sich Diagnostik und medizinische Behandlung verbessert haben. Für den Aufbau einer weltweiten «Allianz für Impfstoffe» hat die Gates-Stiftung 750 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt, bis 2020 sollen weitere zehn Milliarden in die Erforschung und Verbreitung von Impfstoffen fließen.

neue wege Davon könnte Chandra Chishima profitieren, die neben Gates auf dem Podium sitzt. Die 30-jährige Malaria-Forscherin aus Sambia, die als Kind selbst an dieser Krankheit litt, möchte ein wissenschaftliches Netzwerk aufbauen.

Das gefällt Bill Gates. Er ruft die jungen Forscher dazu auf, «ihrem Instinkt zu folgen» und auch mal unkonventionelle, vielleicht riskante Wege zu gehen. Er werde sie gerne unterstützen. Auch sie könne Geld für ihre Forschung gebrauchen, «mehr denn je», sagt Ada Yonath auf dem Podium. Sie sei ihrem Instinkt gefolgt und oft für eine Fantastin gehalten worden.

Doch die Chemikerin mit den wilden Locken behielt recht. In ihrem Tagungsvortrag erklärt die 72-Jährige, wie mühsam die Struktur von Ribosomen aufzuklären war. Diese verschlungenen, aus Hunderttausenden von Atomen aufgebauten Riesenmoleküle haben die Aufgabe, in der Zelle die Proteine herzustellen. Die Suche nach der Struktur der Ribosome vergleicht Yonath mit dem Bergsteigen: immer, wenn man glaubt, der Gipfel sei erreicht, taucht ein größerer Berg auf.

Doch schließlich war es geschafft. 2009 erhielt Yonath als erste Israelin den Nobelpreis in Chemie. Zur Ruhe setzen wollte sie sich allerdings nicht. Viele Details im Herstellungsprozess der Proteine seien noch ungeklärt.

Viel Arbeit also für die Forscherin, die immer noch am Weizmann-Institut in Revohot aktiv ist. Neben der Suche nach neuen Antibiotika interessiert sie ein bestimmter Teil des Ribosoms. Diese Einheit, die nur wenige Prozent des Riesenmoleküls ausmacht, könnte vor Milliarden von Jahren die ersten chemischen Bindungen in Lebewesen geknüpft haben. «Wir interessieren uns für den Ursprung des Lebens», sagt Yonath.

Berlinale-Film

Special Screening: David Cunio in Berlin erwartet

Das Kino Babylon zeigt vier Monate nach der Freilassung der israelischen Hamas-Geisel eine neue Fassung des Films »A Letter To David«

von Ayala Goldmann  12.02.2026

Meinung

Schuld und Sühne?

Martin Krauß irritiert der Umgang mancher Medien mit dem »Dschungelcamp«-König Gil Ofarim

von Martin Krauß  12.02.2026

Kulturkolumne

»Konti: Mission BRD«

Meine Bewältigung der Einwanderung nach Deutschland: Wie ich als Immigrant ein Brettspiel entwickelte

von Eugen El  12.02.2026

Hollywood

Rachel Weisz spielt in Neuauflage von »Die Mumie« mit

Beim dritten Teil hatte die Schauspielerin eine Mitwirkung abgelehnt, da sie das Drehbuch nicht überzeugt hatte. Auf den neuesten Film müssen Fans noch etwas warten

 12.02.2026

Erfurt

Jüdische Kulturtage mit mehr Sichtbarkeit in Israel

Dank eines gewachsenen Netzwerks erwarten die Organisatoren von Thüringens größtem jüdischen Festival zahlreiche Künstler aus Israel

 12.02.2026

Filmfestspiele

Was die Berlinale diesmal bietet

Wieder läuft keine israelische Produktion im Wettbewerb. Dafür finden sich viele jüdische und israelische Perspektiven im gesamten Programm

von Sophie Albers Ben Chamo  11.02.2026

Berlinale

»Wir wollen die Komplexität aushalten«

Wenn die Welt um einen herum verrücktspielt, helfen nur Offenheit und Dialog, sagt Festivalchefin Tricia Tuttle

von Sophie Albers Ben Chamo  11.02.2026

Meinung

Oliver Pochers geschmacklose Witze über Gil Ofarim

Der Comedian verkleidet sich auf Instagram als Ofarim und reißt Witzchen über die Schoa. Während echte Komiker Humor stets als ein Mittel nutzen, um sich mit den Schrecken und Abgründen dieses Verbrechens auseinanderzusetzen, tritt Pocher nur nach unten

von Ralf Balke  11.02.2026

Nachruf

Israels verkanntes Musikgenie

Unser Autor hörte Matti Caspi schon als Kind bei einem Konzert im Kibbuz. Eine persönliche Erinnerung an den Sänger und Komponisten, der mit 76 Jahren an Krebs gestorben ist

von Assaf Levitin  11.02.2026