Berlinale

Deutsch-israelisches Co-Producing-Netzwerk stellt sich vor

Gründer des Future Narrative Fund: Lihi Nagler, Mark Pinhasov und Sharon On (v.l.) Foto: Jan Zappner

Deutsch-israelische Film-, TV- und Theaterprojekte vernetzten und Fördermittel gemeinsam nutzen: Anlässlich der Berlinale hat sich der FutureNARRATIVE Fund offiziell vorgestellt. Ziel von Sharon On, Lihi Nagler und Mark Pinhasov, die das Netzwerk schon 2025 gegründet hatten, ist der Aufbau einer unabhängigen, professionellen Infrastruktur.

»Deutsch-israelische Zusammenarbeit ist heute kein Symbolakt, sondern eine Verantwortung. Wenn Narrative verzerrt werden, dürfen wir nicht schweigen. Wir brauchen professionelle Strukturen, die sicherstellen, dass unsere Perspektiven sichtbar gemacht werden«, sagte die Filmwissenschaftlerin und Kuratorin Lihi Nagler.

Die Theaterregisseurin Sharon On ergänzte: »Nach dem 7. Oktober (2023) haben wir bemerkt, dass viel kaputtgegangen ist. Israel wurde isoliert, man wollte mit Israel und Israelis lieber nichts zu tun haben. Wir wollen das Gegenteil, wir wollen Deutsche und Israelis zusammenbringen und komplexere Geschichten erzählen, denn das ist das, was gutes Kino und Theater ausmacht.«

Das erste große Event ist die Vorführung des Films »A Letter To David - The Complete Version«

Der Produzent und Komponist Mark Pinhasov betonte: »Wir bauen keine symbolischen Brücken, sondern konkrete Arbeitsbeziehungen - mit starken Partnern und mit Projekten, die international bestehen können. Kultur hat die Kraft, Vertrauen neu aufzubauen und gesellschaftliche Wirkung zu entfalten. Genau dafür treten wir an.« Das erste große Event der Veranstalter ist die Vorführung des Films »A Letter To David - The Complete Version« im Berliner Kino Babylon an diesem Freitag. Erwartet wird außer Regisseur Tom Shoval auch David Cunio aus Israel, der mehr als zwei Jahre Geisel der Hamas in Gaza war.

Zu dem Launch des Projekts am Dienstag kamen unter anderen die Präsidentin der Filmförderungsanstalt FFA Kirsten Niehuus, die Geschäftsführerin des Medienboard Berlin-Brandenburg Sarah Duve-Schmid, die künstlerische Leiterin der Israelischen Ko-Produktionsförderung Pnina Halfon Lang, die Branchenvertreter Danna Stern, Johann Buchholz (Friday Films), Nataly Kudiabor (Ufa), Marc Lepetit (Ufa), Christian Honeck (Disney), Carolin Halperin (Rbb/ARTE), Andreas Knoblauch und Michael Lehmann (Studio Hamburg). Auch die Regisseure Yaelle Kayam (»Mountain«), Shirel Peleg (»Kiss Me Kosher«) und Dror Zahavi (»Zivilcourage«, »Die Luftbrücke«) sowie der Schauspieler Garry Fischmann waren dabei.  

Lesen Sie auch

Nach dem Streit in Israel um den Film »The Sea«, der bei den Ophir Awards, den »israelischen Oscars«, im September 2025 mehrfach ausgezeichnet wurde, woraufhin Kulturminister Miki Zohar die Förderung der Preisverleihung einstellte und Ende Dezember 2025 einen neuen Filmpreis ins Leben rief, stünden Israels Filmemacher vor einer schwierigen Situation, sagte Lihi Nagler der Jüdischen Allgemeinen auf Nachfrage.

In Israel sehe sie den Versuch, zwei Gruppen von Filmemachern zu bilden – eine, die den Weg der Regierung unterstütze und eine zweite, die komplett dagegen sei. »Also entstehen auch Probleme unter den Filmemachern selbst, und die Menschen fühlen sich damit sehr schlecht. Es ist auch nicht klar, wie es mit Filmfördermitteln aussieht, denn einerseits sind die Mittel jetzt höher, andererseits gibt es mehr Einfluss auf den Inhalt und den kommerziellen Erfolg. Die Situation ist also schwierig und der Gedanke ist wichtiger denn je: Geld aus Deutschland und aus Israel zu bündeln, um Projekte zu finanzieren.«

Sie verstehe Kritik aus dem Ausland an Israel, an seiner Regierung und am Krieg in Gaza, betonte Nagler, »aber es hat einen Punkt erreicht, an dem es keine Diskussion mehr gibt. Israelis wurden komplett gecancelt. Deshalb haben wir gesagt: Wir müssen etwas tun, und junge Menschen müssen verstehen, dass es in Israel sehr viele Menschen gibt, die kritisch und talentiert sind und die ihre Stimmen in der Welt hörbar machen wollen. Der Ausgangspunkt für jedes Gespräch muss sein, dass Israel ein Fakt ist, dass es existiert und immer existieren wird -  und nicht infrage gestellt wird. Und danach können wir über alles andere diskutieren«.

Wien

Israels ESC-Fans: Sind keine Repräsentanten für Politik des Landes

Sie sind stolz, Israels Interpreten anzufeuern und die Landesflagge zu schwingen. Eines wollen die Fans aus Nahost beim ESC aber nicht sein: politische Vertreter

 10.05.2026

Italien

Überschattet von Skandalen: Venediger Kunstbiennale beginnt

Die Jury tritt zurück, die große Feier fällt aus und ein israelischer Künstler sieht sich »völlig isoliert« – die 61. Kunstbiennale in Venedig war schon vor Beginn beschädigt. Nun hat sie ihre Tore offiziell geöffnet

 10.05.2026

Eurovision

Noam Bettan probt mit Buhrufen

Mehrere Länder boykottieren den Eurovision Song Contest 2026 wegen der Teilnahme Israels. Wie geht der Kandidat des Landes damit um, dass er in Wien zudem mit Störaktionen und Buhrufen rechnen muss?

 10.05.2026

Medien

Kristin Helberg, der Hass auf Israel und der urdeutsche Wunsch nach Entlastung

Ein Kommentar von Jan Fleischhauer

von Jan Fleischhauer  10.05.2026

Aufgegabelt

Geburtstagskuchen

Rezepte und Leckeres

 10.05.2026

Kommentar

Wenn »schwarz auf weiß« nicht mehr genügt

Eine funktionierende Demokratie braucht freie Medien – aber vor allem glaubwürdige

von Roman Haller  10.05.2026

Muttertag

Moja Mama!

Die jiddische Mamme ist Motiv in etlichen Witzen. Dabei ist sie so viel mehr. Eine Würdigung aus der Perspektive eines Sohnes

von Jan Feldmann  10.05.2026

Kino

Preise des 32. Jüdischen Filmfestivals Berlin Brandenburg vergeben

Noch bis Sonntag zeigt das Jüdische Filmfestival Berlin Brandenburg Produktionen aus 22 Ländern. Die beiden Hauptpreise wurden schon zur Halbzeit verliehen

 09.05.2026

Kulturkolumne

Heißt David demnächst »Dschihad«?

Warum Michelangelo heute nie den Goldenen Löwen der Kunstbiennale-Jury von Venedig bekommen hätte

von Ayala Goldmann  08.05.2026