Glosse

Der Rest der Welt: Jüdische Labubus

Foto: picture alliance / NurPhoto

Ich hatte gehofft, dass wir diesen Trend hier hätten ignorieren können. Denn der Hype um »Labubus«, Stofftiere für Erwachsene, die teurer werden können als die Designerhand­taschen, an denen sie baumeln, haben zum Glück überhaupt nichts »Jüdisches« an sich. Kein Jude hat sich die grinsenden Zähnemonster mit Glubschaugen ausgedacht oder kam später auf die Idee, diese Figuren als Accessoire zu vermarkten, das schreit: »Schau her, ich habe lächerlich viel Geld für ein billig gefertigtes Plastik-Plüschtier ausgegeben, weil ich es kann!«

Kim Kardashian, Rihanna und Dua Lipa wurden schon damit gesichtet, aber Scarlett Johansson, Drake oder Gal Gadot beweisen Stil und halten sich kein Labubu, zumindest nicht in der Öffentlichkeit.

Da können sich die Glossenschreiber anderer Medien gern den Kopf darüber zerbrechen, warum gut situierte Promis sich von dem Hersteller »Pop Mart« als lebende Werbepuppen kaufen lassen oder Mittdreißiger vor dem neu eröffneten Laden in Berlin in Tränen ausbrechen, wenn sie eines der hässlichen Monsterchen ergattert haben – in der »Jüdischen Allgemeinen« können wir uns an dieser Stelle wichtigeren Themen widmen (wie zum Beispiel süßen Katzen, die iranischen Raketen trotzen, oder Verdauungsstörungen nach Chanukka).

Ein Labubu mit schwarzer Samtkippa, weißem Tallit und funkelndem Davidstern grinst mich an. Ein »LaJewJew«, wie seine Besitzerin ihn nennt.

Doch dann bin ich auf diesen Post auf Instagram gestoßen: Ein Labubu mit schwarzer Samtkippa, weißem Tallit und funkelndem Davidstern grinst mich an. Ein »LaJewJew«, wie seine Besitzerin ihn nennt. Das Monsterchen sieht ein bisschen aus wie ein überambitionierter Jeschiwa-Bocher in Israel, der »back in America« wohl nicht auf seine Shrimps verzichten wird. Leider ist dieses LaJewJew kein Einzelfall. Ich fand noch ein chassidisches mit langen Pejes, einen Schabbat-Labubu mit Challa und ein eher weiblich zu lesendes Monster mit Gucci-Kopfbedeckung und Tehilim (es wohnt wahrscheinlich auf der Frauenempore einer Shul in Manhattan).

Emsige Handarbeit und KI

Manche von ihnen sind in emsiger Handarbeit von ihren Besitzern ausgestattet worden, andere wohl nur Ergebnisse eines KI-Bildgenerators. Aber egal: Labubus sind also doch irgendwie jüdisch, zumindest manche von ihnen. Bei meiner Recherche stieß ich auch auf den Comedian Eitan, der behauptet, sogar Labubus, die sich nicht durch religiöse Kleidung ausweisen, als jüdisch zu erkennen: ein Labubu mit Brille, Hemd und Jeans? Eindeutig ein modern-orthodoxes LaJewJew! Wohl doch eher ein Labubele, dachte ich und musste lachen. Jetzt hatten sie mich doch.

Eine psychologische Erklärung für den Labubu-Hype besagt, dass damit Erwachsene ihre kindliche Seite wiederentdecken und nachholen, was in der Kindheit zu wenig Raum bekommen hat. Beim »Kiddulting« lernen gestresste Geschäftsfrauen, beim Puzzeln endlich loszulassen, und Väter üben sich ganz ohne ihre Söhne in Geduld beim Lego-Set. Und bei den Labubus? »Im Spiel mit Kuscheltieren lernen Kinder, Empathie, Fürsorge und die Perspektiven anderer zu verstehen.« Also mehr Empathie mit jüdischen Labubus und echten Juden? Finde ich gut! Müssen Erwachsene ja oft auch noch lernen.

Sehen!

»In the Hand of Dante«

Die Handlung springt zwischen den Jahrhunderten hin und her. Trotzdem ist der Film mit Gal Gadot und Oscar Isaac ein gelungenes Werk

von Katrin Richter  12.07.2026 Aktualisiert

Kooperation

Eins plus eins ist mehr als zwei

Die deutsch-israelische Forschungsstiftung GIF feierte ihr 40-jähriges Jubiläum auf Schloss Elmau

von Gabriele Hermani  12.07.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Eine Tracking-App, eine Banane und wie der Sommer richtig gut wird

von Margalit Edelstein  12.07.2026

Aufgegabelt

Malabi-Eis

Rezepte und Leckeres

 12.07.2026

Musik

Der Mann, der die 13 fürchtete

Zum 75. Todestag des Komponisten Arnold Schönberg

von Axel Brüggemann  10.07.2026

Entscheidung

Halberstädter Museum für jüdische Kultur wird weiter gefördert

Im Jahr 2001 wurde das Berend Lehmann Museum für jüdische Geschichte und Kultur in Halberstadt gegründet. Zum Museum gehören die frühere Mikwe sowie die Synagoge im ehemaligen rabbinischen Lehrhaus, der Klaus. Sie bekommen weiterhin eine Förderung.

 09.07.2026

Brüssel

Autorinnen canceln Auftritt wegen geplantem Konzert von Lahav Shani

Die Kontroverse um den Auftritt der Münchner Philharmoniker unter Leitung ihres israelischen Chefdirigenten hält an: Zwei Französinnen verkündeten nun, dass sie nicht wie geplant im Brüsseler Bozar auftreten wollen

 09.07.2026

Los Angeles

Chalamet und Villeneuve stellen »Dune: Teil 3«-Trailer vor

Der dritte Teil der Science-Fiction-Reihe kommt kurz nach Chanukka in die Kinos. Mit dem Regisseur stimmt der jüdische Hauptdarsteller jetzt mit einem düsteren Trailer auf das Werk ein

 09.07.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  09.07.2026