Glosse

Der Rest der Welt

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Ist Ihnen das auch schon aufgefallen? Wörter, die mit dem englischen Begriff »Man-« – also »Mann« – beginnen, haben meist keine besonders schmeichelhafte Bedeutung, so zum Beispiel die Wortschöpfungen »mansplaining«, »manspreading« and »manterrupting«.

»Mansplaining« bezeichnet das Phänomen, bei dem Männer Frauen ungefragt, herablassend und oft trotz besserer Kenntnisse der Frau Dinge erklären. Der Begriff stammt aus dem Buch Men explain things to me (2008) der amerikanischen Schriftstellerin Rebecca Solnit: Sie hatte es einfach satt, dass Männer ihr ungefragt die Welt erklären.

»Manterrupting« (ein Kofferwort aus »man« und »interrupting«) bezeichnet dagegen das Phänomen, dass Männer Frauen in Gesprächen häufiger und oft unnötig ins Wort fallen oder sie nicht ausreden lassen. Studien deuten übrigens darauf hin, dass Frauen tatsächlich öfter unterbrochen werden – und das insbesondere von Männern. Geprägt wurde der Terminus von der Journalistin Jessica Bennet, sie schrieb 2015 im »Time Magazine« einen bösen Artikel gegen männliche Gesprächsdominanz.

Mit der neuesten Wortschöpfung »Manspreading«, übersetzt etwa »Männerspreizen«, verhält es sich ähnlich. Es bezeichnet den männlichen Hang dazu, in Bussen und Bahnen zu viel Platz einzunehmen und so breitbeinig zu sitzen, dass die Männerbeine auf die benachbarten Sitze ragen, während weibliche Passagiere sich daneben möglichst schmal zusammenfalten müssen.

Die Wortschöpfung geht auf eine Kampagne der Metropolitan Transportation Authority (MTA) zurück. Vor einigen Jahren brachte die New Yorker Verkehrsgesellschaft in ihren Zügen Hinweisschilder an, die sogenannte »Manspreader« dazu aufforderten, Rücksicht zu nehmen: »Dude, stop the spread, please – it’s a space issue« war darauf zu lesen. Damit bekam ein alltägliches Ärgernis plötzlich eine griffige Bezeichnung.

Kurz nachdem die Schilder eingeführt worden waren, verbreitete sich der Ausdruck rasant im Internet. Verärgerte Pendlerinnen und Pendler berichteten in den sozialen Medien von dem Mann neben ihnen, der sich wieder einmal breitgemacht hatte. Andere posteten Fotos solcher »Spreads«, um ihre Erfahrungen zu illustrieren.

Innerhalb von sechs Monaten wurde der Begriff im Netz so oft verwendet, dass das Oxford Advanced Learnerʼs Dictionary ihn in seine Onlineausgabe aufnahm.

Schon bald nahmen auch die Wiener Linien den Kampf gegen das Phänomen auf: mit Social-Media-Postings wie »Sei ein Ehrenmann und halt deine Beine zam (zusammen)!«

Aber schon bald tauchte im Netz eine rüde Gegenkampagne auf: Ein Post der Plattform »Reddit« zeigt eine Frau in der Bahn, die mit ihren Taschen mehrere Sitzplätze belegt. »She-Bagging« nennt sich das, und es scheint einige Leute im Netz so richtig auf die Palme zu bringen: »Owe mit da Toschen, sonst gibtʼs auf die Goschn!«, tönten diese. Also ungefähr: Runter mit der Tasche, sonst gibt es eins aufs Maul. Der Post wurde inzwischen von »Reddit« entfernt, weil er zu Gewalt gegen Frauen aufruft – und damit gegen die Community-Richtlinien verstößt. Na dann einen schönen Frauentag!

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