Glosse

Der Rest der Welt

Foto: Zentralrat der Juden in Deutschland/Gregor Zielke

Es ist Wettbewerbs-Saison. Den Eurovision Song Contest haben wir durchgestanden. Nächster Halt ist die Jewrovision in Dortmund. Aus engstirniger Berliner Sicht ist Dortmund verflixt weit weg. Neun Plätze trennen Union Berlin immerhin vom BVB, der in der Ersten Bundesliga auf den vierten Platz gekommen ist.

Die Rot-Weißen aus Köpenick sind lediglich auf dem 13. Platz. Huch, ich bin in der falschen Tabelle. Das ist ja die Bundesliga, die mit dem 34. Spieltag am 17. Mai zu Ende gegangen ist, nicht die Jewro.
Wobei: So krass unterschiedlich sind die beiden Rankings gar nicht. Werfen wir mal einen Blick darauf. Die Acts sind zahlenmäßig nur ein wenig verschieden: Bundesliga 18 Acts, Jewro 14 Acts.

Westliche, nördliche und südliche Teile Deutschlands

Auch himmelsrichtungsmäßig gibt es Ähnlichkeiten: Ein überwiegender Anteil der Jewro Acts kommt aus den westlichen, nördlichen und südlichen Teilen Deutschlands, die Bundesliga hat auch lediglich die Rasenball-Sportler aus Leipzig mit am Start. Und – die Fans fahren teilweise ziemlich weit, um beim jeweiligen Auftritt dabei zu sein.

Es gibt natürlich auch größere Unterschiede: Die Bundesliga hat kein Motto (warum eigentlich nicht?), ist wesentlich älter (1963, okay, Boomer) und dauert fast neun Monate. Die Jewro ist jedes Mal mit einem neuen Spruch am Start, ist mit gerade einmal 23 so etwas wie die Gen Z unter den Gesangswettbewerben, und der Sieger steht nach nur einem Abend fest.

Es gibt natürlich auch größere Unterschiede: Die Bundesliga hat kein Motto, ist wesentlich älter und dauert fast neun Monate.

Ja, okay, zugegeben: Die Bundesliga-Teams haben auch kein Vorstellungs­video, sie müssen ihre Kostüme nicht selbst bügeln, und das Catering ist leicht anders. Die Stühle der Trainer übrigens auch. (Vielleicht bekommen die Jewro-Jury-Mitglieder ja auch einmal irgendwann solch bequem aussehende Sessel wie die Entourage bei der Bundesliga?)

Aber zurück zu den Gemeinsamkeiten: Es gibt Musik! Hat nicht jeder Verein seinen Song? Oder was singen die Fans da im Stadion? Der BVB zum Beispiel hat das Gänsehaut-Lied »Youʼll Never Walk Alone«. Eisern Union hat sich Nina Hagens Stimme zum singenden Fragenstellen ausgeborgt, und St. Pauli gibt musikmäßig richtig an: »Hells Bells« von AC/DC.

Ein legendärer Musical-Song, eine ausgebildete Opernsängerin und echte Rocker

Pff, mögen sich die Kids der Juzes vielleicht denken: Was können schon ein legendärer Musical-Song, eine ausgebildete Opernsängerin und echte Rocker. Wir haben die krassesten Choreos, die besten Performances, und zu unseren Shows kommen wenigstens unsere ganzen Familien!

Außerdem gibt es noch eine After-Show-Party, die jede Feier jedes Bundesliga-Teams auf der Bank sitzen lässt. Und wer wissen will, wie es auf dem Römer aussieht, auf dem Eintracht Frankfurt beim Wiederaufstieg in die Erste Bundesliga 2012 stand, der muss nur das Berliner Juze »Olam« fragen, denn wie die Eintracht standen sie auch schon auf dem berühmten Balkon – 2019 war das. Sehr lose übersetzt könnte ja »Eintracht« auch auf das Motto »United in Hearts« anspielen, oder? Aber lassen wir das Interpretieren.

Eines steht – fast wie beim Fußball – fest: Das Mikro ist an, und die Jewro dauert etwas über vier Stunden.

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