Elvis Presley

Der King of Rock ’n’ Roll trug einen Davidstern

Halachisch jüdisch: Elvis Presley (1935–1977) Foto: Universal Pictures

Elvis Presley

Der King of Rock ’n’ Roll trug einen Davidstern

Hollywoodregisseur Baz Luhrmann setzt dem Star ein episches Denkmal

von Stephen Tree  02.03.2026 15:52 Uhr

Die Kostüme mit Glitzersteinen, Posamenten und Capes erinnern an Zirkusartisten vergangener Tage, die tief hängende schwarze Stirnlocke wirkt wie ein friseurtechnisches Kunstprodukt. Aber wenn er einmal die Bühne betreten und losgelegt hat, nimmt man nur das einmalige Showtalent wahr, das ein halbes Jahrhundert nach seinem allzu frühen Tod noch heute einen Kinosaal in der Berliner East Side zum Toben bringt.

Menschen, die ihn – anders als der Autor dieser Zeilen – nicht einmal mehr als Jugendschreck (dass ihr mir ja nicht so werdet!) mitbekommen haben, jubeln ihm, sein Porträt auf dem T-Shirt unter der eigens geöffneten Jeansjacke vorweisend, über die Raum- und Zeitdistanz hinweg so begeistert zu wie das Las-Vegas-Publikum vergangener Tage mit seinen Herrenhemden, Krawatten, toupierten Haaren und elegant im Mundwinkel gehaltenen Menthol-Zigaretten: Elvis Aaron Presley, 1935–1977.

Aus materialgerecht in einer Salzmine gelagerten professionellen Konzertverfilmungen ohne Ton, aber in ausgezeichneter Bildqualität, jeder Menge Songs und einer dreiviertelstündigen neu aufgefundenen akustischen persönlichen Erklärung des »King« hat der Elvis-Kenner und -Bewunderer Baz Luhrmann, Regisseur eines bemerkenswerten Elvis-Spielfilms, einen nicht nur eingefleischte Fans bestens unterhaltenden Konzertfilm komponiert – EPiC: Elvis Presley in Concert.

Armeleutekind aus Mississippi - mit jüdischen Wurzeln

Elvis Presley war wie Charlie Chaplin, Beethoven und so manch anderer großer Künstler ein Armeleutekind. Aber anders als sie wuchs er geliebt und behütet auf, mit einer innigen Beziehung zu seiner Mutter, der Textilarbeiterin Gladys Love Smith, die wiederum, über die mütterliche Linie, die Urenkelin der 1827 in Mississippi zur Welt gekommenen Jüdin Nancy Burdine war. So könnten die Mutter, und damit auch Elvis selbst, halachisch gesehen als »jüdisch« betrachtet werden.

Die dem Superstar eigene »Pan-Religiosität« hat ihn später dazu bestimmt, abwechselnd oder gemeinsam mit seinen prächtigen Goldkreuz-Halsketten auch einen Davidstern sowie ein mit 17 Diamanten besetztes »Chai« zu tragen. Den Grabstein seiner Mutter hat er sechs Jahre nach ihrer Beerdigung neu entworfen und sowohl mit Magen David als auch einem Kreuz geschmückt

In der von Fans gespannt erwarteten erstmalig veröffentlichen »persönlichen Stellungnahme« erzählt Elvis, wie störend er die Einberufung zum zwei Jahre dauernden Militärdienst empfand, weswegen seine Mutter, »der Sonnenschein unseres Hauses«, fern von ihm sterben musste.

Auch erläutert er die drei Grundelemente einer guten Show. Erstens die Songs, von denen er und seine Truppe etwa 150 frei abrufen konnten, die sie des Öfteren wechselten, um keine Routine aufkommen zu lassen. Zweitens die Garderobe, deren kalkulierte Extravaganz man im Film reichlich bestaunen kann. Drittens der Sound, der in der neu erfolgten digitalen Aufbereitung hervorragend klingt.

Elvis Presley war gern ein Star

Die Ernsthaftigkeit, mit der er und seine Leute ihre Auftritte vorbereiteten, lässt sich am angestrengten Gesicht des Musikers ablesen, der Presley vor dem Auftritt die neu gestimmte akustische Gitarre übergibt. Auf die Wehrdienstverweigerer im Vietnamkrieg angesprochen, lehnt er öffentliche Stellungnahmen ab. Er sei ein Entertainer und als solcher für alle da.

Elvis Presley war, wie er sagt, gern ein Star und hat seine vielen Auftritte – 636 allein in den sieben Jahren zwischen 1969 und 1976, Proben nicht eingerechnet – genossen, sosehr sie ihn physisch und psychisch auch angestrengt haben mögen. Gleiches gilt für die Aufmerksamkeit, die sein Erscheinen überall erregte.

Dass er ständig um Autogramme gebeten werde, gehöre »zum Business«, wenn dies unterbliebe, würde ihm etwas fehlen. Selbst wenn es dazu führte, dass er, wie mehrmals zu sehen, von uniformierten Sicherheitsleuten begleitet, hastig vor ekstatischen weiblichen Fans flüchten musste, die ihn sonst wohl, wie einst die Bacchantinnen den Sänger Orpheus, in ihrer überschwänglichen Begeisterung bei lebendigem Leibe zerrissen hätten.

Ab dem 26. Februar im Kino

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