Schweiz

Bührle-Sammlung behält Gauguin-Bild nach Vergleich mit Erben

»Das Opfer« von Paul Gauguin ist Teil der Bührle-Sammlung. Foto: picture alliance / akg-images

Ein aus jüdischem Besitz erworbenes Bild von Paul Gauguin darf weiter in der Schweizer Kunstsammlung Bührle bleiben. Die Sammlung habe sich mit den Rechtsnachfolgerinnen der einstigen Besitzer auf einen Vergleich geeinigt, teilt die Stiftung Sammlung E.G. Bührle mit. Über die Einzelheiten sei Stillschweigen vereinbart worden.

Es ging um den Verdacht, dass der Waffenfabrikant Emil Bührle das Gemälde »La route montante« 1937 womöglich unter Wert erwarb. Er kaufte es über einen Kunsthändler von Richard Semmel, einem einst wohlhabenden deutschen Unternehmer und Kunstsammler. Semmel war 1933 aus Deutschland geflohen und musste womöglich schnell verkaufen, um seine Flucht in die USA zu finanzieren. Die Schweizer bezeichnen dies als »Fluchtgut«, im Gegensatz zu »Raubgut«, das jüdischen Besitzern gestohlen wurde.

Gespräche mit Erben weiterer Werke

Semmel war ohne Nachwuchs 1950 verarmt in den USA gestorben. Er hatte aber eine Freundin der Familie, die ihn zuletzt gepflegt hatte, als Erbin eingesetzt: Grete Gross. Mit ihren Enkelinnen schloss die Stiftung den Vergleich.

Lesen Sie auch

Rund 170 Werke aus der Sammlung Bührle sind seit 2021 im Kunsthaus in Zürich in eigenen Räumen zu sehen. Darunter ist auch dieses Gauguin-Werk. Bei der Eröffnung der Bührle-Räume meinten viele Kritiker, die Geschichte der Sammlung und ihr Umgang mit Werken jüdischer Vorbesitzer sei nicht genügend beleuchtet worden. Die Stiftung und das Kunsthaus haben die Präsentation daraufhin geändert und liefern nun zu vielen Gemälden umfangreichen Kontext. Die Stiftung kündigte an, mit den Erben oder Rechtsnachfolgern früherer Eigentümer von fünf Werken Lösungen zu suchen.

Bührle war ein eingewanderter Deutscher, der unter anderem Waffengeschäfte mit den Nazis gemacht hatte.

Länger leben

Forscher drehen die biologische Uhr zurück

Israelischen Wissenschaftlern gelingt es, Alterungsprozesse in Lebern alter Mäuse umzukehren. Der Traum von der Verjüngung erscheint damit zumindest auf molekularer Ebene denkbar

von Sabine Brandes  23.06.2026

Social Media

Von Saftpäckchen und Zahlencodes

Auf der Online-Plattform TikTok versteckt sich Judenhass häufig hinter Zahlencodes, Emojis und Hashtags. Eine neue Studie untersucht die Besonderheiten des digitalen Antisemitismus

von Leon Stork  23.06.2026

Los Angeles/New York

Hitler-, Grusel- und Helden-Parodien: Mel Brooks wird 100

Nur wenige haben einen Oscar, Emmy, Tony und Grammy gewonnen. Das jüdische Multitalent Mel Brooks zählt dazu. Jetzt wird der Komiker und Regisseur 100 - und zeigt, dass er noch immer Menschen zum Lachen bringt

von Barbara Munker  23.06.2026

Kommentar

Wer kann das noch ernst nehmen?

Immer mehr zeigt sich: Anmoderation und Exekution von Unwahrheiten und falschen Fakten vor einem Millionenpublikum sind kein ärgerlicher Ausrutscher, sondern gezielte Agitation

von Daniel Killy  23.06.2026

Essay

Fallstricke des Wokeismus

Gegenerzählungen zur westlichen Kolonialgeschichte bilden ein berechtigtes Korrektiv, aber was über Israel verbreitet wird, bedarf grundlegender Korrekturen

von Richard Blättel  22.06.2026

Hören

»Amalie’s Cosmos«

Die in Paris geborene Harfenistin Anne-Sophie Bertrand stellt eine deutsch-jüdische Salonnière ins Zentrum ihres neuen Albums

von Claudia Irle-Utsch  22.06.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  22.06.2026

Jubiläum

Mit diesen prominenten Weggefährten feiert Wolf Biermann seinen 90. Geburtstag

Der legendäre Liedermacher wird am 15. November 90 Jahre alt

 22.06.2026 Aktualisiert

Kulturkolumne

Warum ich bei Fußball im Fernsehen besonders gut einschlafe

Hinter dem Phänomen steckt eine lange Familiengeschichte – unsere Autorin nimmt Sie mit auf eine Zeitreise

von Maria Ossowski  22.06.2026