Eurovision Song Contest

Irlands ESC-Boykott gegen Israel: Autor von Kultserie macht TV-Sender schwere Vorwürfe

Graham Linehan Foto: picture alliance / empics

»Das ist nicht mehr das Irland, das ich kenne«: Mit diesen und anderen deutlichen Worten hat sich der irische Drehbuchautor Graham Linehan, Schöpfer der in Großbritannien und Irland sehr populären TV-Reihe Father Ted, am Montag in einem offenen Brief gegen den Boykott des diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) gewandt. Zielscheibe von Linehans Kritik ist der öffentlich-rechtliche Sender Raidió Teilifís Éireann (RTÉ).

Im Dezember 2025 hatte der nämlich bekanntgegeben, dass man den diesjährigen Gesangswettbewerb - das größte Musikevent weltweit - nicht selbst übertragen werde, weil Israel die Teilnahme am ESC gestattet worden sei. RTÉ wirft dem Land schwerste Menschenrechtsverletzungen in Gaza vor. Anstelle der Übertragung aus Wien sollen am kommenden Samstag andere Sendungen ins Programm genommen werden, darunter eine Episode der von Linehan mitgeschaffenen Serie Father Ted auf RTÉ 2, dich sich auch um den europäischen Gesangswettbewerb dreht.

Das Ersatzprogramm sowie der Boykott des ESC durch die irische Rundfunkanstalt stößt Linehan extrem sauer auf. Er sei »voller Wut und Trauer«, was RTÉ damit dem Land antue, schreibt er in dem offenen Brief. Dort heißt es weiter: »RTÉ hat beschlossen, den Eurovision Song Contest 2026 nur deshalb zu boykottieren, weil Israel daran teilnimmt. Dies ist keine prinzipielle humanitäre Haltung. Es ist Antisemitismus – der älteste Hass – getarnt als Argument für Menschenrechte. Den einzigen jüdischen Staat der Welt gezielt auszuschließen, während an keinen anderen Staat dieser Maßstab angelegt wird, entspricht der international anerkannten IHRA-Definition von Antisemitismus. RTÉ hat weder Russland noch Weißrussland noch Aserbaidschan boykottiert. Es hat Israel boykottiert. Die Botschaft ist klar.«

Dass nun anstelle der Show ausgerechnet die Father Ted-Episode A Song for Europe laufen solle, sei, so Linehan, ein »Akt gezielter, schadenfroher Gegenprogrammierung«, zu der er nicht seine Zustimmung geben könne, denn er wolle nicht, »dass Father Ted als Requisite für eine antisemitische politische Geste benutzt wird«, betonte der 57-Jährige.

RTÉ warf er vor, »das öffentliche Leben in Irland zu vergiften und unter dem Deckmantel der Solidarität den Judenhass zu normalisieren«.  In einer von Linehan unterzeichneten Petition wird der »unverzügliche« Rücktritt von RTÉ-Generaldirektor Kevin Bakhurst oder seine Entlassung durch den Vorstand des Senders verlangt. Außerdem müsse sich die Rundfunkanstalt entschuldigen, dass sie den ESC »aus antisemitischen Gründen« boykottieren wolle.

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Der Sender reagierte zunächst nicht auf die Anwürfe, veröffentlichte aber auf seiner Webseite eine Meldung zum offenen Brief Linehans. Im Dezember hatte RTÉ erklärt, Irlands Teilnahme an dem Musikwettbewerb sei »angesichts der entsetzlichen Verluste an Menschenleben in Gaza und der dortigen humanitären Krise… unzumutbar«.

Neben Irland nehmen auch Spanien und Slowenien nicht am ESC in Wien teil und werden den Wettbewerb auch nicht im TV übertragen. Island und die Niederlande wollen ebenfalls nicht teilnehmen, die Show dennoch in ihren der Europäischen Rundfunkunion angeschlossenen Sendern ausstrahlen.

Die von Linehan und seinem Co-Autor Arthur Mathews geschriebene Serie Father Ted wurde von »Channel Four« in Großbritannien produziert und von 1995 bis 1998 in drei Staffeln ausgestrahlt. Sie gilt als eine der besten und erfolgreichsten Sitcoms aller Zeiten und handelt von drei katholischen Priestern, die von ihrem Bischof auf eine abgelegene Insel vor der Westküste Irlands verbannt werden. mth

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