Die Berliner Künstlerin Annette Kelm erhält den 50. Bremer Pauli-Preis für zeitgenössische Kunst. Kelm wird die mit 30.000 Euro dotierte Auszeichnung am 15. September in der Kunsthalle Bremen entgegennehmen, wie das Museum am Donnerstag mitteilte. Die Künstlerin wurde vom Stifterkreis für den Pauli-Preis vorgeschlagen.
Noch bis zum 4. Oktober sind Werke der für den Preis nominierten Künstlerinnen und Künstler in der Bremer Kunsthalle zu sehen, darunter Kelms Fotoserie »Die Bücher«. Darin zeigt sie eine Auswahl von 47 Covern von Büchern, die von den Nationalsozialisten verbotenen und verbrannt wurden.
Unzerstörbare Gedanken und Ideen
Nach Ansicht der Jury überzeugt ihre Arbeit durch ihre Direktheit und Stringenz. Die Serie besteht aus 102 Fotografien, die immer aus derselben Distanz und mit derselben Beleuchtung aufgenommen wurden. So entfalteten sie eine »fast skulpturale Wirkung«.
»Die Ruhe, die das Werk in seiner seriellen Anlage ausstrahlt, steht im Gegensatz zu der brutalen Gewalt, mit der die Nationalsozialisten gegen die Bücher und ihre Verfasserinnen und Verfasser vorgingen.« Aus der Begründung der Jury
Der unversehrte Zustand der dargestellten Bücher zeuge von der Unzerstörbarkeit der Gedanken und der Ideenwelten, die sie verkörperten, hieß es: »Die Ruhe, die das Werk in seiner seriellen Anlage ausstrahlt, steht im Gegensatz zu der brutalen Gewalt, mit der die Nationalsozialisten gegen die Bücher und ihre Verfasserinnen und Verfasser vorgingen.«
Preis erinnert an ersten Kunsthallen-Direktor
Der Pauli-Preis zählt zu den bedeutendsten Auszeichnungen für zeitgenössische Kunst in Deutschland. Er wird alle zwei Jahre vergeben und erinnert an den ersten wissenschaftlichen Direktor der Kunsthalle, Gustav Pauli (1866-1938). Auf seine progressive Sammlungspolitik gehen die berühmtesten Werke aus der Kunsthallen-Sammlung zurück.
Bis 2023 hieß die Auszeichnung »Kunstpreis der Böttcherstraße«. Getragen wird der Preis von einem Stifterkreis, dem Senator für Kultur und der Sparkasse Bremen. Gemeinsam bemühen sie sich um den Ankauf eines Werks der jeweiligen Preisträger. Zuletzt ging die Auszeichnung an Gabriele Stötzer aus Erfurt. epd