Eröffnung

Ausstellung in Osnabrück beleuchtet Antisemitismus

Sechs Juden verzehren das Pessach-Lamm – antijüdische Darstellung aus dem in Rulle entstandenen Codex Gisle (um 1300) Foto: picture alliance / KNA

Eröffnung

Ausstellung in Osnabrück beleuchtet Antisemitismus

2026 jährt sich das Ende der ersten jüdischen Gemeinde in Osnabrück zum 600. Mal. Mit einer Ausstellung erinnert das Museumsquartier an diese frühe Phase jüdischer Geschichte. Auch die Wurzeln des Antisemitismus werden sichtbar

 19.03.2026 17:05 Uhr

Mit einer Ausstellung erinnert das Museumsquartier Osnabrück an die erste jüdische Gemeinde in der Stadt im 13. bis 15. Jahrhundert und nimmt den damals herrschenden Antijudaismus in den Blick. Anlass ist das Ende dieser Gemeinde, das sich 2026 zum 600. Mal jährt, wie Museumsdirektor Nils-Arne Kässens am Donnerstag erläuterte. Auslöser für die Auslöschung der Gemeinde sei ein Wandel im Finanzwesen gewesen, in deren Folge Juden ausgegrenzt, verfolgt und ermordet wurden.

Die Originalquellen aus dem Spätmittelalter belegten weitverbreitete antijudaistische Vorurteile, die die Wurzel des heutigen Antisemitismus darstellten. Kässens betonte, in einer Zeit, in der das Wort Jude wieder als Schimpfwort missbraucht, jüdische Mitbürger angegriffen würden und Israel von einigen das Existenzrecht abgesprochen werde, sei diese Ausstellung auch über Osnabrück hinaus bedeutsam.

Aufhebung des Zinsverbotes für Christen

Die präsentierten Urkunden und Bücher belegten, dass Juden seit etwa 1260 als einzige Geldverleiher das wirtschaftliche, soziale und religiöse Leben in Osnabrück mitgeprägt hätten, erläuterte Kurator Thorsten Heese. Ebenso fänden sich schon im 13. Jahrhundert zahlreiche Hinweise auf Vorurteile und sogar Hass gegenüber Juden.

1424 sei nach der Aufhebung des kirchlichen Zinsverbotes für Christen auch deren Schutz aufgehoben und jüdische Mitbürger vertrieben worden. Schon 1426 seien kaum noch jüdische Spuren sichtbar gewesen. epd

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