Provenienzforschung

Alltagsgegenstände aus jüdischem Besitz »noch überall« in Haushalten

Schaufenster eines Modehauses mit dem Hinweis »Wegen Arisierung geschlossen«. Was nicht weniger bedeutete, als dass die Eigentümer bestohlen wurden. Foto: picture alliance / akg-images / Paul Almasy

Wem gehörte einst das geerbte Kaffeeservice mit dem Blumenmuster? Wem der siebenarmige Leuchter? Nach Einschätzung einer Expertin befinden sich zahlreiche Alltagsgegenstände von emigrierten oder deportierten und ermordeten Jüdinnen und Juden auch 80 Jahre nach Kriegsende noch in vielen Haushalten in Deutschland.

»Wir werden das nie mehr ganz auflösen können, weil es in seiner Dimension unvorstellbar ist«, sagte Provenienzforscherin Meike Hopp, designierte Vorständin des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste. Die Professorin der TU Berlin weist darauf hin, dass gerade »in einer gesellschaftlichen Situation, in der auch Geschichtsverleugnung zunehmend wieder en vogue wird« mehr Sensibilität hilfreich ist. »Wir haben die stummen Zeugnisse des Holocausts teilweise sogar noch in unseren eigenen Haushalten.«

Zwangsverkäufe und Beschlagnahmungen

Seit 1933 habe es sukzessive Auflösungen von jüdischen Haushalten gegeben, weil damals viele Jüdinnen und Juden in die erzwungene Emigration gehen mussten. Diese Zwangsverkäufe seien in der Regel nicht dokumentiert worden. Hinzu kämen die offiziellen Beschlagnahmungen von jüdischem Eigentum ab 1938 und die Veräußerungen über sogenannte Judenauktionen im damaligen Deutschen Reich, aber auch später in den von den Nazis besetzten Gebieten in West- und Osteuropa.

Auch dieser enteignete Besitz wurde demnach nach Deutschland gebracht, um Büros auszustatten oder Einrichtungen von im Krieg ausgebombten Wohnungen zu ersetzen. Demnach profitierte die deutsche Bevölkerung von über 70.000 aufgelösten Wohnungseinrichtungen allein aus den im Westen besetzten Ländern - von Möbeln, Alltagsgegenständen und Kunst.

Herkunft kaum zu rekonstruieren

»Wenn man sich diese ‚Umverteilung‘ vorstellt, dann wird man sich dessen bewusst, dass es tatsächlich überall noch solche Objekte geben muss«, sagte Hopp. Ihre Herkunft sei allerdings kaum noch zu rekonstruieren. Bei Möbeln gebe es eventuell noch Etiketten oder Stempel von Transportunternehmen. Bei Porzellan oder Gläsern sei dagegen oft nichts mehr erkennbar, das Aufschluss über die Herkunft gebe, da sie ja weiter als Gebrauchsgegenstände fungierten.

Wer sich fragt, woher ein ererbtes Stück stamme, könne sich unter anderem Rat im Antiquitäten- oder Kunsthandel holen. »Experten dort können in der Regel schnell anhand des Materials und des Stils einschätzen, aus welcher Zeit ein Gegenstand stammt«, erklärte die Kunsthistorikerin.

Diplomatie

Lebendiges Netzwerk

30.000 Euro für die deutsch-israelische Zusammenarbeit: Botschafter Ron Prosor zeichnet vier wegweisende Initiativen aus

 03.06.2026

Musik

Barry Manilow: Comeback mit neuem Album und Videoclip aus Schönefeld

Der legendäre Sänger hat eine Lungenkrebs-Operation hinter sich und Angst um seine Stimme. Einige seiner neuen Lieder sind melancholisch ausgefallen

von Imanuel Marcus  03.06.2026

Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen

Leipziger Fotoausstellung zu jüdischem Leben

Die Ausstellung »Momentaufnahme. Das Fotoarchiv Mittelmann« stellt u.a. die Familie des Fotografen vor

 03.06.2026

TV-Tipp

»Robert Lembke - Wer bin ich?« -Doku-Drama über die TV-Legende

»Robert Lembke - Wer bin ich« ist ein kluger Film über Verdrängung, Volksbildung und das Schweigen einer TV-Legende über die eigene Vergangenheit

von Jan Lehr  02.06.2026

Programm

Klang, Gang und Streisand: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 3. Juni bis zum 10. Juni

 02.06.2026

Film

Die Entwirrung der UNRWA

Eine neue Dokumentation beleuchtet Geschichte, Auftrag und politische Rolle des Palästinenserhilfswerks

von Maria Ossowski  02.06.2026

Punta Cana

Gal Gadot und Mila Kunis zeigen sich entspannt im Karibikurlaub

Die jüdischen Schauspielerinnen gehen in Puerto Rico ganz besonderen Freizeitaktivitäten nach

 02.06.2026

Leipzig

Jennifer Rush lernte mit dem Sandmännchen Deutsch

Die Sängerin mit jüdischem Familienhintergrund kam als Kind nach Deutschland. Warum das für sie ein Schock war und wie ihr das Fernsehen beim Ankommen geholfen hat

 01.06.2026

Jubiläum

Dichter und Bürgerschreck: Allen Ginsberg vor 100 Jahren geboren

Er lehnte sich gegen eine spießige und militarisierte Gesellschaft auf und propagierte ein ökologisches Bewusstsein: Der US-Dichter Allen Ginsberg war ein Pionier der »Beat-Generation«. Seine Visionen sind heute wieder aktuell

von Holger Spierig  01.06.2026