Medien

Zwischen Hudson und Kaukasus

The Australian Jewish News
Die Geschichte der »Australian Jewish News« (AJN) reicht zurück bis ins Jahr 1895. Als »Hebrew Standard of Australasia« wurde sie zu einem Zeitpunkt gegründet, als in ganz Down Under nicht mehr als 10.000 Juden lebten. Der damals 24 Jahre alte Alfred Harris aus Deutschland hatte dazu die Idee. Neben unternehmerischem Wagemut besaß er offenbar auch ein glückliches Händchen für den Journalismus: 121 Jahre später, nach etlichen Fusionen, Zukäufen und Namensänderungen, existiert die AJN immer noch und ist quicklebendiger denn je. Sie erscheint einmal die Woche mit Regionalausgaben für Sydney und Melbourne.

Die Zeitung ist eine Chronik des jüdischen Lebens in Australien von den frühen Anfängen bis in die Gegenwart. Natürlich hat die AJN ihr Gesicht über die Jahrzehnte hinweg mehrfach geändert und verjüngt. So war es das erste Blatt in Australien, das den Wandel zum Fotodruck vollzog, 2001 wurde die Online-Version lanciert (www.jewishnews.net.au), und selbstverständlich werden inzwischen auch ein E-Paper sowie eine iPad-Version herausgegeben. Auf Facebook zählt man rund 50.000 Einträge, und es wird munter getwittert.

Es dürfte wohl kaum einen der 120.000 Juden in Australien geben, der die AJN nicht liest. Der Grund ist recht simpel: Das Blatt informiert über Themen, die für die jüdische Gemeinschaft von besonderem Interesse sind – sei es im eigenen Umfeld oder anderswo in der Welt. Insbesondere die Berichterstattung über Israel ist deutlich umfangreicher und detaillierter als in der übrigen Presse des Landes. Mit ihren 192.000 Lesern hat die AJN aber auch einen beträchtlichen nichtjüdischen Leserkreis. Kein Wunder: Die australischen Juden sind gut repräsentiert in der Finanzwelt, im Business, in Politik, Bildung und Kultur. Da kann es nicht schaden, gut informiert zu sein. Hannah Miska

Jewish Chronicle
Wer ihn liest, bleibt ihm treu. Oft sogar ein ganzes Leben lang. Vor sechs Jahren geriet der gern auch als JC bezeichnete »Jewish Chronicle« in die Schlagzeilen, weil er eines der ganz wenigen Blätter war, das entgegen dem Trend in den Printmedien ein marginales Auflagenplus von 3,7 Prozent verbuchen konnte und auf 31.556 Exemplare kam. Heute sind es zwar nur noch 21.370, aber laut eigenen Angaben lesen die Zeitung 67 Prozent aller jüdischen Erwachsenen, davon viele inzwischen online oder dank einer App. 156.000 Leserinnen und Leser erreicht der JC so jede Woche.

Die in London herausgegebene Zeitung ist mittlerweile stolze 175 Jahre alt und damit die am längsten nonstop publizierte jüdische Wochenzeitung der Welt. Ihre redaktionelle Freiheit wird durch einen Fonds gesichert, der keinerlei wirtschaftliche Interessen verfolgt. Auch der JC hat viele Leser außerhalb der jüdischen Gemeinschaft – vor allem in diesen Tagen, wo die Labourpartei von zahlreichen antisemitischen Skandalen erschüttert wird. Politisch steht man wie die Mehrheit der britischen Juden eher aufseiten der Konservativen. Chefredakteur Stephen
Pollard gilt zudem als mutiger Verteidiger Israels.

Markenzeichen des JC war und ist seine Seriosität in der politischen Berichterstattung. Darüber hinaus gibt es einen umfangreichen Sportteil, der genauso über die Spielergebnisse von Maccabi-Vereinen informiert wie über die nationale Fußball-Liga. Ebenso erscheinen regelmäßig Beilagen zu Themen wie Immobilien, Autos und Mode. Sogar ein Brautmagazin findet sich. Neuerdings will man mit Sonderseiten zu den einzelnen Regionen des Vereinigten Königreichs mehr Leser gewinnen. Ein Schwerpunkt ist dabei vor allem der Norden des Landes.
Daniel Zylbersztajn

Forward
»Wir sind leidenschaftlich unabhängig, widmen uns Themen der sozialen Gerechtigkeit und unterschätzen niemals unsere Leser«, bringt Chefredakteurin Jane Eisner die Schlüsselwerte des »Forward«, der wohl einflussreichsten jüdischen Wochenzeitung in den USA, auf den Punkt.

Der »Forward« ist definitiv eine Ikone. 1897 als »Forverts« in New York gegründet, orientierte sich das Blatt nicht nur vom Namen her am »Vorwärts« der deutschen Sozialdemokratie. Die Säulenheiligen hießen Karl Marx, Friedrich Engels und Ferdinand Lassalle, als Relief zierten sie das erste Verlagsgebäude an der Lower East Side. Die auf Jiddisch erscheinende Tageszeitung richtete sich dabei an die vielen Einwanderer aus Osteuropa.

In den 30er-Jahren kletterte die Auflage auf 275.000, zum Verlag gehörte sogar ein eigener Radiosender. Zu den Autoren zählten Nobelpreisträger wie Isaac Bashevis Singer und Elie Wiesel. Nach dem Zweiten Weltkrieg sanken Auflage und Einfluss.
Ab 1983 erschien die Zeitung nur noch wöchentlich. Hinzu kam eine englischsprachige Beilage, die seit 1990 als eigenständige Wochenzeitung produziert wird und aktuell eine Auflage von 28.000 hat; die des »Forverts« liegt bei bescheidenen, dank einer Renaissance des Jiddischen aber stabilen 5500.

Inhaltlich deckt der mittlerweile linksliberale Forward von der klassischen Wahlkampfanalyse bis hin zur Reportage über eine Schweinefarm in Israel alle nur erdenklichen Themen ab. Geld kommt neben Abonnements und Anzeigen vor allem über Spenden herein. Starkes Wachstum erleben beide Publikationen online, was zugleich die Internationalität ihrer Leser widerspiegelt. 2015 erst änderte man den Namen von The Jewish Forward in Forward, was laut Eisner »den Blickwinkel, aus dem wir heute jüdische Geschichten erzählen«, reflektiert.
Katja Ridderbusch

STMEGI
Die Zeiten sind hart für Printmedien. Auch in Russland mussten in jüngster Zeit mehrere jüdische Zeitungen ihren Betrieb einstellen. Entweder ging das Geld aus, oder aber der Chefredakteur, auf dessen Schultern das gesamte Projekt ruhte, war verstorben. Gehalten haben sich bis heute deshalb nur noch wenige Publikationen. Aber es gibt auch eine Ausnahme, die sich gegen den Trend zu stemmen vermag. Und die heißt stmegi.com.

STMEGI, benannt nach den Anfangsbuchstaben der Vornamen ihres Gründers German Sacharjajew sowie seiner fünf Brüder, ist eigentlich eine Stiftung des ursprünglich im Kaukasus ansässigen Volkes der Bergjuden. Und stmegi.com ist das eigens von der Stiftung mit Sitz in Moskau herausgegebene Online-Informationsportal. Anfang 2013 nun entschloss man sich, ganz gegen den Zeitgeist zu handeln, und ließ stmegi.com einmal im Monat ein Printmagazin herausbringen, das immerhin 24 Seiten umfasst und in den Ländern gedruckt wird, in denen ein Großteil der nach Stiftungsangaben mehr als 160.000 Bergjuden heute ansässig ist: in Israel, Russland und Aserbaidschan, wo das Blatt insgesamt rund 10.000 Abonnenten zählt. Auch in den 34 Synagogen der Bergjuden liegt Stmegi aus.

»Unsere Gemeinschaft hatte früher überhaupt kein normales Medium«, erläutert Chefredakteur David Mordechajew die Motivation dahinter. Zu den Rubriken der Zeitung gehören neben regionalen Nachrichten aus Russland, dem Kaukasus und Israel auch Kultur, Porträts und Biografien sowie Auszüge von Diskussionen im eigenen Online-Forum. Während alle Artikel auf Russisch erscheinen, ist eine Seite immer exklusiv der Tatischen Sprache gewidmet, dem traditionellen Idiom der Bergjuden, das eng mit der persischen Sprache Farsi verwandt ist. Robert Kalimullin

Actualité Juive
Das wichtigste jüdische Printmedium Frankreichs ist eine Wochenzeitung, die »allen gefallen will«, so drückt es Herstellungsleiter Michael Benattar aus. Das Blatt richte sich an religiöse wie auch nichtreligiöse Juden, bekennt sich aber ganz klar zur israelischen Rechten und zu seiner Nähe zu Premierminister Benjamin Netanjahu. »Wir sind eine Zeitung der religiösen Rechten. Unser Credo ist, die Aktualität aus dem jüdischen Blickwinkel heraus zu beobachten«, sagt Benattar.

»Actualité Juive« wurde 1982 von Lydia und Serge Benattar zunächst als reines Anzeigenblatt gegründet. Nach und nach kamen immer mehr redaktionelle Inhalte hinzu.

Die Berichterstattung über das Zeitgeschehen in Israel ist den Redakteuren besonders wichtig. Die Redaktion achtet sehr darauf, dass jüdische Persönlichkeiten zu Wort kommen, in der aktuellen Ausgabe spricht etwa der bekannte französische Psychiater Boris Cyrulnik in einem Interview über sein neues Buch. Regelmäßig werden auch Beiträge von Rabbinern veröffentlicht. Korrespondenten berichten aus Israel und aus den großen französischen Gemeinden wie Marseille oder Straßburg.

Heute deckt Actualité Juive ein breites Themenspektrum ab, von Politik über Religion bis hin zu Kultur und Sport. Im Durchschnitt produzieren die Redakteure 48 Seiten pro Woche. Neben dem wöchentlichen Printprodukt bringen sie auch Sonderbeilagen heraus, zum Beispiel über Reisen oder über Immobilien in Israel. Actualité Juive ist das wichtigste jüdische Printmedium Frankreichs mit einer Auflage von 20.000 Exemplaren und 5000 Abonnenten.

Die Zeitung hat in Frankreich keine ernsthafte Papierkonkurrenz mehr. Viele Juden informieren sich im Internet, zum Beispiel auf den bekannten Seiten Tribunejuive.info und L’Actualité Juive. Beate Lormeyer

Maccabia

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