Notre-Dame

»Wir sind im Herzen bei euch«

Aus der weltberühmten Kathedrale Notre-Dame schlagen meterhohe Flammen. Foto: imago

Montagabend, Paris, Notre-Dame: Wieder Alarm in Frankreichs Hauptstadt. Überall Sirenen, überall Polizei und Feuerwehrfahrzeuge. Notre-Dame, die berühmte Kathedrale im Herzen der französischen Hauptstadt, brennt lichterloh. Eine riesige Rauchsäule steht über dem Wahrzeichen, Flammen schlagen aus dem Dachstuhl.

Passanten sprechen von einer Katastrophe. Der kleine Spitzturm auf dem Dach des monumentalen Bauwerks stürzt einfach in sich zusammen. Durch die Menschenmenge an den Ufern der Seine geht ein Raunen. Wie schwer der Brand die Kirche zerstört hat, und was noch zu retten ist – in Paris fürchtet man zu diesem Zeitpunkt das Schlimmste. Am späten Abend machte der Feuerwehrchef zumindest etwas Hoffnung.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

HERZ Das Feuer brach am Montagabend aus, es war ein sonniger Frühlingstag in Paris. Notre-Dame ist eine der Top-Touristenattraktionen und wird jährlich von Millionen Menschen besucht, die vor dem Bauwerk Schlange stehen. Die Kathedrale steht auf der Île de la Cité – eine Insel in der Seine und das historische Herz der Stadt.

»Die Struktur von Notre-Dame ist gerettet und in ihrer Gesamtheit bewahrt«, sagt der Feuerwehrchef.

Hunderte Passanten drängen sich am Abend auf den Brücken über dem Fluss, um Fotos vom Feuer zu machen. Nur wenige Autos kommen überhaupt noch durch. Polizisten riegeln nach und nach die Brücken und das gesamte Gelände um die Kirche ab – und verscheuchen Schaulustige recht harsch. Auf einer Straße nahe der Kirche singen am Abend Dutzende Menschen »Ave Maria«. Sie knien, stehen – singen im Chor, einige haben einen Rosenkranz in der Hand.

Am frühen Dienstagmorgen erklärte die Feuerwehr den Brand für »unter Kontrolle und teilweise gelöscht«, wie die französischen Medien berichteten. Es gebe lediglich noch einzelne Glutnester, sagte Feuerwehr-Sprecher Gabriel Plus.

»Unser Herz ist bei den Bürgern Frankreichs«, betont Israels Präsident Reuven Rivlin.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo sagt, sie habe den Rauch von ihrem Bürofenster aus gesehen. Es sei ein Drama für die ganze Welt, klagt sie. Notre-Dame sei ein Symbol der Pariser Geschichte, ein Symbol der Freiheit. Der Sprecher des Wahrzeichens, André Finot, sagt, er habe eigentlich gar keine Worte. »Schrecklich« sei das einfach nur – er sei schockiert. Man könne diese alte Dame nicht einfach im Stich lassen, betont der Rektor der Kathedrale, Patrick Chauvet, trotzig.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

HOFFNUNG Und dann gibt es doch ein bisschen Hoffnung am späten Abend: »Man kann annehmen, dass die Struktur von Notre-Dame gerettet und in ihrer Gesamtheit bewahrt ist«, sagt der Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet. Das Feuer wütet zu diesem Zeitpunkt allerdings weiter. In der Pariser Nacht lodern die Flammen feuerrot. Scheinwerfer beleuchten das monumentale Bauwerk.

Die französische Hauptstadt und das ganze Land waren in den vergangenen Jahren von einer islamistischen Terrorwelle getroffen worden. Die Terrorfrage stellte sich auch jetzt wieder – schließlich war auch Notre-Dame ein potenzielles Ziel von Attentätern. Die Polizei geht aber  nicht von einem terroristischen Hintergrund aus. Auf dem Dach der Kathedrale stand ein riesiges Gerüst. Bauarbeiten könnten die Ursache für den verheerenden Brand sein, lauten erste Vermutungen. Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt, bislang wird dabei die Spur eines Unfalls verfolgt.

Bei der französisch‐jüdischen Dachorganisation CRIF herrscht große Traurigkeit.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wollte am Montagabend eigentlich eine TV-Ansprache halten. Nach dem Ende seiner Bürgerdebatte wollte er konkrete Reformpläne ankündigen, um die seit Monaten anhaltende »Gelbwesten«-Krise in den Griff zu bekommen. Diesen Auftritt sagt er kurzfristig ab. »Wie alle unsere Landsleute bin ich an diesem Abend traurig, diesen Teil von uns brennen zu sehen«, erklärt er. »Wir werden Notre-Dame wieder aufbauen. Denn das ist es, was die Franzosen erwarten.« Die französisch-jüdische Milliardärsfamilie Bettencourt-Meyers und der Kosmetikriese L’Oreal wollen insgesamt 200 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Kathedrale spenden, wie L’Oreal am Dienstag mitteilte.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

REAKTIONEN Und so groß die Fassungslosigkeit und der Schock über den Brand des Wahrzeichens ist, so groß ist auch die Unterstützung und die Solidarität, die Frankreich inmitten dieser Katastrophe weltweit erfährt. Viele jüdische und israelische Politiker und Vertreter jüdischer Institutionen sprachen Paris ihr Mitgefühl aus.

Die Chefin der UN-Kulturorganisation Unesco, Audrey Azoulay, sagte zu Reportern: »Notre-Dame ist ein Symbol für die ganze Welt.« Die Unesco sei schon mit dem Kulturministerium und der Kirche in Kontakt. »Wir brauchen eine sehr schnelle Beurteilung der Schäden.« Es müssten rasch »strategisch wichtige Entscheidungen getroffen werden«.

Notre-Dame sei nicht nur das Wahrzeichen von Paris, sondern auch des Christentums, so Gila Lustiger.

Gila Lustiger, die Nichte des früheren Pariser Erzbischofs Jean-Marie Lustiger und Tochter des Historikers Arno Lustiger, sagte im Deutschlandfunk: »Es gibt kein Gebäude in Frankreich, das derart die Geschichte dieses Landes mitträgt und symbolisiert.« Notre-Dame sei nicht nur das Wahrzeichen von Paris, sondern auch des Christentums.

JERUSALEM Israels Präsident Reuven Rivlin sagte: »Notre Dame gehört zu den schönsten Symbolen von Paris und Frankreichs, aber auch zu den wichtigsten für jeden Kulturmenschen. Unser Herz ist bei den Bürgern Frankreichs und den Geschichten von Notre Dame, wir beten, dass sie für immer bestehen werden.«

Israels Außenminister Israel Katz teilte mit: »Im Namen des Staates Israel möchte ich meine tiefste Solidarität mit Frankreich und der französischen Nation angesichts des schrecklichen Feuers in Notre Dame, einem Weltsymbol der Zivilisation, zum Ausdruck bringen.«

Die Geschichte der Kathedrale reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück.

CRIF Die französisch-jüdische Dachorganisation CRIF teilte auf Twitter mit: »Wir teilen die starken Emotionen aller Franzosen, die durch das Feuer der Kathedrale Notre Dame im Herzen von Paris getroffen wurde. Wir drücken auch mit großer Emotion unsere Solidarität mit den Feuerwehrleuten aus, die gegen die Flammen kämpfen« Und weiter: »Solidarische und brüderliche Gedanken an die Katholiken Frankreichs. Es herrscht bei uns große Traurigkeit angesichts dieses Dramas, das unser Land begräbt.«

Frankreichs Oberrabbiner Haïm Korsia versicherte am Montagabend der katholischen Kirche und vor allem dem Hausherrn der Kathedrale Notre Dame, Bischof Michel Aupetit, seine Freundschaft und seine Unterstützung im Gebet.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

CRIF-Präsident Francis Kalifat twitterte am Dienstagmorgen: »Schreckliche Bilder der Pariser Kathedrale in Flammen. Solidarische und brüderliche Gedanken an die Katholiken Frankreichs. Große Traurigkeit angesichts dieses Dramas, das unser Land betrübt«

Die Geschichte der Kathedrale reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Die Dimensionen der im gotischen Stil konstruierten und der Jungfrau Maria geweihten Kirche mit ihren beiden majestätischen Haupttürmen sind gewaltig: Die Kathedrale ist 127 Meter lang, 40 Meter breit und bis zu 33 Meter hoch. Mit seinem 1831 erschienenen historischen Roman Der Glöckner von Notre-Dame verewigte Victor Hugo die Kathedrale in der Literatur.  (mit ja)

Kommentar

250 Gründe, die USA zu lieben

Am 4. Juli 1776 wurden die Vereinigten Staaten gegründet. Eine etwas andere Liebeserklärung

von Imanuel Marcus  26.06.2026

Frankreich

Gesinnung von der Stange

Antisemitismus und eine feindliche Haltung gegenüber Israel stehen in der Modewelt hoch im Kurs. Längst gehören sie zum ideologischen Accessoire so mancher Marke

von Ute Cohen  25.06.2026

Kolumbien

Knapper Wahlsieg, dramatischer Kurswechsel?

Der knapp zum kolumbianischen Präsidenten gewählte Abelardo de la Espriella will die Beziehungen zu Israel kitten - doch de la Espriella ist wie sein Vorgänger Gustavo Petro sehr umstritten

von Michael Thaidigsmann  24.06.2026

Nachruf

Erfinder des »Greenspeak«

Alan Greenspan prägte als Chef der US-Notenbank eine 19 Jahre währende Boom-Phase der Börsen und Konjunkturen

von Philip Fabian  23.06.2026

Nachruf

Clive Davis: Der Mann, der den Sound ganzer Generationen prägte, ist tot

Der jüdische Musikmanager entdeckte und förderte Bands und Künstler wie Earth, Wind & Fire, Chicago, Santana, Whitney Houston, Barry Manilow und Barbra Streisand

 23.06.2026

Uganda

Entebbe-Entführung 1976: Debatten um Linksterror und Antisemitismus

Vor 50 Jahren entführten zwei Deutsche und zwei Palästinenser einen Airbus aus Israel nach Uganda. Dabei sollen sie Geiseln nach antisemitischen Kriterien voneinander getrennt haben. Die Tat befeuerte das Unbehagen vieler Linker mit Gewalt

von Nils Sandrisser  22.06.2026

Kommentar

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026

St. Petersburg

Im Licht der Weißen Nächte

Die Mitternachtsdämmerung des Nordens weckt Erinnerungen an Märchen und führt unseren Autor zurück in seine Kindheit im damaligen Leningrad

von Vladimir Vertlib  18.06.2026

Schweiz

Jugendlicher plante Blutbad

Der Prozess gegen einen Schüler, der einen Juden in Zürich töten wollte, beginnt am 1. Juli. Die Anklageschrift zeichnet das Bild eines sich früh radikalisierenden Jugendlichen

von Nicole Dreyfus  18.06.2026