USA

Trump erweitert Vorwurf der »Illoyalität«

Ex-Präsident Donald Trump Foto: imago

US-Präsident Donald Trump hat jüdischen Wählern der US-Demokraten am Dienstag »Illoyalität« vorgeworfen und damit scharfe Kritik jüdisch-amerikanischer Organisationen hervorgerufen.

Am Mittwoch erweiterte Trump seinen Vorwurf noch und erklärte, eine Stimme für die Demokraten generell sei sehr illoyal gegenüber Juden und gegenüber Israel. »Sie wollen Israel viel Schlechtes antun«, sagte er im Weißen Haus mit Blick auf die Demokraten. Er wiederum habe so viel für Israel getan wie kein Präsident vor ihm, sagte Trump. Der Präsident bewirbt sich im kommenden Jahr um eine Wiederwahl.

»Es ist unklar, wem gegenüber (laut Trump) Juden ›illoyal‹ sein sollen, aber Anschuldigungen von Illoyalität wurden schon lange dazu benutzt, um Juden anzugreifen«, schrieb Jonathan Greenblatt von der Anti-Defamation League (ADL) in New York in der Nacht zu Mittwoch auf Twitter. Er forderte dazu auf, damit aufzuhören, »Juden als politischen Spielball zu verwenden«.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

israel Trump hatte am Dienstag zuvor Juden in den USA, die für die Demokraten stimmen, Illoyalität unterstellt. Der Republikaner äußerte sich zur Entscheidung der israelischen Regierung, den beiden demokratischen Kongressabgeordneten Ilhan Omar und Rashida Tlaib die Einreise zu verweigern.

Trump verband dies mit einer Attacke auf die Demokraten: »Was ist aus der demokratischen Partei geworden? Was ist aus ihnen geworden, wenn sie diese beiden Personen verteidigen und damit über den Staat Israel stellen?«, fragte er und fügte hinzu: »Und ich denke, dass alle jüdischen Personen, die für einen Demokraten stimmen, ich denke, das zeigt entweder eine totale Wissenslücke oder große Illoyalität.«

Omar und Tlaib hatten einen politischen Besuch in Israel und in den Palästinensergebieten geplant. Israels Regierung hatte am vergangenen Donnerstag aber verkündet, die beiden würden nicht ins Land gelassen. Als Begründung nannte die Regierung, dass sich beide im US-Kongress für Gesetze zum Boykott Israels einsetzten.

AJC David Harris, Vorsitzender des American Jewish Committee in Washington, verurteilte Trumps Aussagen ebenfalls. Er bezeichnete sie in einer Mitteilung als »auf schockierende Weise spaltend und unziemlich für den Inhaber des höchsten Amtes«. Amerikanische Juden hätten wie alle anderen Amerikaner unterschiedliche politische Haltungen. »Seine Einschätzung ihres Wissens oder ihrer ›Loyalität‹, basierend auf ihrer Parteipräferenz, ist unpassend, unerwünscht und absolut gefährlich.«

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Das AJC fordere den Präsidenten auf, eine solch spaltende Rhetorik zu beenden und seine abfälligen Äußerungen zurückzuziehen.

Dan Shapiro, ehemaliger US-Botschafter in Israel, schrieb auf Twitter zu Trumps Aussagen: »Er ist widerlich, natürlich. Aber das verdient, verspottet zu werden, mehr noch als verurteilt zu werden.« Jedes Mal, wenn Trump spreche, führe dies zu einem höheren jüdisch-demokratischen Wähleranteil. 

j street Die Mehrheit der amerikanischen Juden sei loyal gegenüber den »demokratischen Werten der Toleranz, Gleichheit und sozialen Gerechtigkeit«, so die liberale jüdische Gruppe »J Street«, aber »nicht gegenüber der rechtsextremen Agenda dieses Präsidenten«. Es sei beschämend, wie Trump die große Mehrheit der US-Juden indirekt als »unintelligent« abqualifiziere.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Beto O’Rourke twitterte: »Juden müssen ihre Loyalität weder Trump noch anderen gegenüber beweisen.« Auch unter einigen republikanischen Politikern stieß die Trump-Äußerung auf Kritik. Die Aussage sei schlicht beleidigend, so der Tenor.

Tatsächlich unterstützen Amerikas Juden mehrheitlich die Demokraten. Bei den letzten Präsidentschaftswahlen 2016 votierten 71 Prozent für die demokratische Kandidatin Hillary Clinton und nur 23 Prozent gaben ihre Stimme Donald Trump.  dpa/kna/ja

USA

Wanderer zwischen Ostküste und Oregon

Howard Rossbach ist eine feste Größe im Weinhandel, liebt Anekdoten und prophezeit seiner schwächelnden Branche trotz allem eine gute Zukunft

von Michael Thaidigsmann  17.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Herkunft und Sympathien der Spielerikone kursieren, erzählen die Söhne eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine andere, besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  16.07.2026 Aktualisiert

Justiz

Schweizer Comedian Hamza Raya wegen Rassismus angezeigt

Ein muslimischer Comedian und ein jüdischer Gastronom loten die Grenzen der Satire aus. Nun droht dem einen von beiden eine juristische Auseinandersetzung

von Nicole Dreyfus  15.07.2026

Jahrhundertzeugin

Wie eine Sintiza die Nazizeit überlebte und ihre Heiterkeit rettete

Frieda Daniels ist Hochseilartistin. Sie floh als Sintiza vor der Vernichtung durch die Nationalsozialisten. Als 93-jährige Zeitzeugin war sie nun in Heidelberg zu Gast. Eine außergewöhnliche Lebensgeschichte

von Stefanie Ball  15.07.2026

Verschwörungsmythen

Messi: Im Visier von Antisemiten

Eine NGO, die in den sozialen Medien antisemitische Inhalte aufspürt, berichtet, dass Argentiniens Starspieler immer wieder Ziel von judenfeindlichen Verschwörungsmythen wird

 15.07.2026

New York

Ronald Lauder sucht Nachfolger

Der WJC-Präsident, Unternehmer und Philanthrop wirbt außerdem dafür, dass sich eine neue Generation wohlhabender Juden stärker für jüdisches Leben engagiert – durch Investitionen in Bildung

 15.07.2026

David Baddiel

»Inzwischen kann man Messi in den Griff bekommen«

Der britische Autor über das Halbfinale England vs Argentinien, seinen legendären Fußball-Song »Three Lions« und warum er immer noch glaubt, dass England gegen Argentinien gewinnen wird

von Katrin Richter  15.07.2026

Schweiz

Die gegen den Hass sprüht

Inna E. fühlt sich dem jüdischen Volk verbunden und macht gegen anti-israelische Graffitis mobil. Wenn die Behörden nicht reagieren, auch mit Farbe

von Peter Bollag  14.07.2026

Monaco

Zweitjüdischste Nation der Welt

Die kleine jüdische Gemeinschaft im Stadtstaat wächst. Immer mehr Jüdinnen und Juden entscheiden sich für das luxuriöse und sichere Fürstentum

von Mark Feldon  13.07.2026