USA

Stephen Miller: Ein Jude wird Stabschef im Weißen Haus

Stephen Miller
Stephen Miller (Archivbild)

US-Präsident Donald Trump hat Stephen Miller zu seinem neuen Stabschef ernannt. Der 41-Jährige tritt am Montag die Nachfolge von Susie Wiles an, die in Trumps politische Organisation wechselt. Auf seiner Plattform Truth Social bezeichnete Trump Miller als einen seiner »vertrauenswürdigsten Berater«. Die Personalie folgt auf die Niederlage der Republikaner bei den Zwischenwahlen, bei denen die Partei die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses verlor.

Miller wuchs in Santa Monica in Kalifornien in einer jüdischen Familie mit demokratischen Wurzeln auf. Bereits als Schüler vertrat er konservative Positionen zu Einwanderung und Multikulturalismus und trat in konservativen Radiosendungen auf. Nach dem Studium an der Duke University arbeitete er für republikanische Abgeordnete, unter anderem für den Senator Jeff Sessions aus Alabama. 2015 schloss er sich Trumps Wahlkampf an und wurde einer seiner wichtigsten Redenschreiber.

In Trumps erster Amtszeit war Miller an den Einreisebeschränkungen für Menschen aus mehreren mehrheitlich muslimischen Ländern beteiligt, ebenso an der Politik, die an der Grenze zu Mexiko zur Trennung von Kindern und Eltern führte. Seit Januar 2025 war er stellvertretender Stabschef und Heimatschutzberater des Präsidenten.

Kritik aus der eigenen Familie

Ein Teil der schärfsten Kritik an seiner Migrationspolitik kam aus seinem jüdischen Umfeld. Sein Onkel mütterlicherseits, David Glosser, warf ihm 2018 in einem Beitrag für »Politico« Heuchelei vor. Die Vorfahren der Familie seien vor Verfolgung in Europa geflohen, einer von ihnen, Wolf-Leib Glosser, sei 1903 mit acht Dollar in der Tasche in die USA gekommen. Unter den Regeln, für die sein Neffe eintrete, hätte die Familie Amerika womöglich nie erreicht.

Auch Rabbiner Neil Comess-Daniels, der Miller als Kind in einer Synagoge in Santa Monica unterrichtet hatte, kritisierte ihn laut »Jerusalem Post« scharf: Seine Politik widerspreche den jüdischen Werten, die er ihm habe vermitteln wollen. 2019 forderten Rabbinerverbände der reformierten, konservativen und rekonstruktionistischen Strömung Millers Entlassung. Zuvor war Korrespondenz von ihm veröffentlicht worden, die ihm den Vorwurf einbrachte, Ideen weißer Rassisten verbreitet zu haben. Miller wies die Kritik zurück und erklärte, manche Angriffe auf ihn seien antisemitisch motiviert.

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Unterstützung erhält Miller von der Republican Jewish Coalition. Deren Geschäftsführer Matt Brooks gratulierte ihm zur Ernennung und nannte ihn einen der einflussreichsten Architekten der MAGA-Bewegung. Der demokratische Fraktionschef im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries, bezeichnete Miller dagegen als »gefährlichen Fremdenfeind«.

Miller ist mit Katie Miller verheiratet, die ebenfalls jüdisch ist und Ämter in der Trump-Regierung innehatte. Getraut wurde das Paar 2020 von Rabbiner Aryeh Lightstone, der später an den Abraham-Abkommen zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten mitwirkte. Die beiden haben drei Kinder. JA

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