London

Nach Brandanschlag: König Charles übernimmt Schirmherrschaft für jüdische Sicherheitsorganisation

König Charles am Dienstag im englischen St. Austell Foto: picture alliance / Photoshot

Nach einem mutmaßlich antisemitischen Brandanschlag in London hat König Charles III. ein deutliches Zeichen gesetzt. Der Monarch übernimmt die Schirmherrschaft für den Community Security Trust (CST), der jüdische Einrichtungen im Vereinigten Königreich schützt und antisemitische Vorfälle dokumentiert. Britische Medien berichteten.

Die Entscheidung wurde im Rahmen einer Benefizveranstaltung der Organisation bekanntgegeben. Charles selbst nahm nicht teil, ließ sich jedoch durch einen ranghohen Vertreter repräsentieren. Die CST erklärte, die Zusage unterstreiche die »langjährige Unterstützung Seiner Majestät für die jüdische Gemeinschaft im Vereinigten Königreich und den breiteren Kampf gegen Antisemitismus«. Zudem passe sein Engagement für »Toleranz, Inklusion und interreligiöses Verständnis« eng zur Arbeit der Organisation.

Hintergrund ist ein Anschlag in der Londoner Gegend Golders Green, bei dem mehrere Fahrzeuge eines jüdischen Rettungsdienstes in Brand gesetzt wurden. Nach Angaben der Polizei näherten sich drei vermummte Täter den geparkten Ambulanzfahrzeugen, übergossen sie mit Brandbeschleuniger und zündeten sie an.

Synagoge beschädigt

Durch Explosionen von Sauerstoffflaschen wurden Fensterscheiben einer nahegelegenen Synagoge sowie umliegender Gebäude beschädigt. Anwohner mussten vorsorglich evakuiert werden. Verletzt wurde niemand.

Die Tat wird als Hassverbrechen eingestuft, zugleich ermittelt die Anti-Terror-Einheit. Eine eindeutige Einstufung als Terroranschlag liegt bislang jedoch nicht vor.

In sozialen Netzwerken tauchte ein Video auf, in dem eine Gruppierung namens »Ashab al-Yamin« die Verantwortung für den Angriff beansprucht. Die Echtheit des Materials ist nicht bestätigt. Die Gruppe ist bereits zuvor mit Bekennerschreiben zu ähnlichen Taten in mehreren europäischen Ländern in Erscheinung getreten.

Lesen Sie auch

Verfolgung aller Ermittlungsansätze

Ein leitender Ermittler betonte, es habe »höchste Priorität«, die Hintergründe dieser Bekennerschreiben zu prüfen. Gleichzeitig würden »alle Ermittlungsansätze verfolgt«, auch im Hinblick auf mögliche internationale Verbindungen.

Der Londoner Polizeichef Mark Rowley warnte laut Zeitungsberichten vor einer zunehmenden Gefahrenlage. In den vergangenen Jahren habe es eine »rasche Zunahme staatlich gesteuerter Bedrohungen aus dem Iran« gegeben. Zugleich machte er deutlich, dass eine direkte Verbindung zum aktuellen Anschlag noch nicht belegt sei: »Es ist zu früh, den Angriff in Golders Green dem iranischen Staat zuzuschreiben.«

Rowley betonte jedoch, die jüdische Gemeinschaft sei verstärkt Ziel von Angriffen durch Einzelpersonen, Gruppen und staatliche Akteure, die darauf abzielten, Angst und Gewalt zu verbreiten.

Verschärfte Maßnahmen

Innenministerin Shabana Mahmood sprach von einem Angriff auf die gesamte Gesellschaft. Der Anschlag sei »ein Angriff auf dieses Land und auf uns alle«. Zugleich warnte sie, der Antisemitismus nehme wieder deutlich zu und bezeichnete ihn als »den ältesten Hass, der erneut auflebt«.

Die Polizei kündigte an, ihre Präsenz deutlich zu erhöhen. Zusätzliche Einsatzkräfte sollen insbesondere jüdische Einrichtungen schützen. Geplant sind verstärkte Patrouillen, auch bewaffnet, sowie weitere Sicherheitsmaßnahmen im Vorfeld des Pessach-Festes.

Die Ermittlungen zu den Tätern dauern an. im

Rom

Papst vor AJC-Delegation: »Kirche duldet keinen Antisemitismus«  

Erstmals empfing Leo XIV. im Vatikan eine Delegation des American Jewish Committee - und betonte in seiner Ansprache, dass der interreligiöse Dialog zum Weltfrieden beitrage

 22.10.2026

New York

Magische Juden

Handleser, Geisterbeschwörer, Wahrsager und Wunderheiler: Eine neue Ausstellung beleuchtet die Lust am Okkulten

von Eva C. Schweitzer  21.10.2026

Interview

»Die Situation in Irland ist besonders dramatisch«

Daniel Botmann, der Geschäftsführer des Zentralrats der Juden in Deutschland, spricht über seine jüngsten Besuche in Irland und Großbritannien und die Zusammenarbeit innerhalb der J7-Gruppe der großen jüdischen Gemeinden weltweit

von Michael Thaidigsmann  21.10.2026

London

Jüdinnen auf offener Straße angegriffen

Die Opfer wurden im Stadtteil Clapton Common ins Gesicht geschlagen

 21.10.2026

Israel

»So wollte ich nicht sterben«

Der indische Kapitän des »Fly Dubai«-Fluges schildert erstmals ausführlich, was sich an Bord abspielte

 20.10.2026

Kommentar

Eine unheilvolle Allianz

Wenn wie in Frankreich die radikale Linke und Islamisten Juden für Israels Politik verantwortlich machen, ist eine Grenze überschritten

von Simone Rodan  20.10.2026

Frankreich

Anarchie und Antisemitismus

Was mit Schülerprotesten gegen schlechte Lernbedingungen begann, hat sich zu gewalttätigen politischen Unruhen ausgewachsen, befeuert von Judenhass

von Laura Sahin  19.10.2026

Dave Rich

»Jüdische Studierende schweigen oft«

Der Antisemitismus-Experte über zunehmenden Judenhass an Universitäten, mangelnde Sicherheit im Alltag und die extreme Rechte in Großbritannien

von Nicole Dreyfus  19.10.2026

Frankreich

Prozess eröffnet: Rima Hassan droht Entzug des passiven Wahlrechts

Die israelfeindliche linke Europaabgeordnete muss sich in Paris wegen mutmaßlicher Terrorverherrlichung verantworten

 19.10.2026