Hollywood

Der unaufgeregte Glam der Zoë Kravitz

Vielleicht bald Mrs. Styles? Zoë Kravitz Foto: picture alliance / DPRF/STAR MAX/IPx

Hollywood

Der unaufgeregte Glam der Zoë Kravitz

Die Tochter berühmter Eltern hat sich eine eigene Karriere aufgebaut – und ist stolz auf ihre afroamerikanischen und jüdischen Wurzeln

von Nicole Dreyfus  17.05.2026 01:54 Uhr

Wenn moderne Coolness in Hollywood ein Gesicht hätte, dann wäre es wohl das von Zoë Kravitz. Die Tochter von Rockstar Lenny Kravitz gehört zu jenen Stars, die anscheinend alles gleichzeitig sein können: Schauspieler, Musiker und Mode-Ikonen einer Generation, die Glamour nicht mehr aalglatt repräsentiert, sondern selbstbewusst lässig und mit einem Hauch Rebellion. Die junge Frau mit dem berühmten Namen wirkt dabei völlig unangestrengt. Und wenn eine große Portion Ausstrahlung auf eine Dosis Unnahbarkeit trifft, entsteht Faszination.

Wenn ihr selbstbewusster Blick über das Blitzlichtgewitter der schreienden Fotografen gleitet, könnte es auch die schönste Auenlandschaft sein. Darin liegt wohl ihre größte Stärke – in nonchalanter Körpersprache äußert sich eine Präsenz, die gleichzeitig kühl und verletzlich wirken kann. Sie braucht keine großen Gesten, um Aufmerksamkeit zu erzeugen; oft reicht ein kurzes Lächeln oder ein scheinbar beiläufiger Blick in Richtung der Objektive.

Stilfigur seit der Wiege

Genau diese Mischung aus Zurückhaltung, Selbstbewusstsein und unterschwelliger Intensität macht sie für viele zur Stilfigur – ein Attribut, das ihr in die Wiege gelegt wurde, denn die am 1. Dezember 1988 in Los Angeles geborene Zoë Isabella Kravitz hat neben ihrem seit 45 Jahren stilprägenden Vater Lenny Kravitz auch noch die einst für ihre Schönheit und Coolness gefeierte Schauspielerin Lisa Bonet als Mutter.

»Ich bin gemischt. Meine Eltern sind gemischt. Je mehr Lebenserfahrung ich sammle, desto mehr identifiziere ich mich mit dem Schwarzsein.«

Zoë blieb gar nichts anderes übrig, als im Rampenlicht aufzuwachsen. Doch sie hat es sich auch selbst erobert und verortete sich irgendwo zwischen Indie-Girl, High Fashion und New Yorker Underground. Besonders spannend ist dabei der Fokus, den sie immer wieder auf ihre kulturellen und religiösen Wurzeln legt.

Ihre Familie vereint afroamerikanische, karibische und jüdische Einflüsse, und das sowohl mütterlicher- als auch väterlicherseits. Sie wuchs offensichtlich mit dem Gefühl auf, mehreren Welten gleichzeitig anzugehören – etwas, das man auch in ihrer Kunst und ihrem Auftreten spürt. Nie wirkt sie eindimensional oder nach Hollywood-Schema geglättet. Stattdessen bringt sie alles, was ihre Identität ausmacht, ganz selbstverständlich zusammen.

»Ich bin gemischt. Meine Eltern sind gemischt. Je mehr Lebenserfahrung ich sammle, desto mehr identifiziere ich mich mit dem Schwarzsein und dem, was das bedeutet«, sagte sie in einem Interview. Und auch, dass sie eine »säkulare Jüdin« sei. Vater Lenny bemerkte einst dazu: »Sie weiß, wo sie hingehen muss.«

Eigener Refrain, nie laut

Das wusste sie offensichtlich auch schon früh in Sachen Berufswahl. Es zog sie zur Schauspielerei, und nach kleineren Rollen wie in Birds of America gelang ihr mit ihren Auftritten in X-Men: Erste Entscheidung und Mad Max: Fury Road der Durchbruch, den sie später vor allem als Bonnie Carlson in der gefeierten Serie Big Little Lies ausbaute. Darin spielte sie eine ruhige, geheimnisvolle und emotional komplexe Figur, aber das selten laut oder übertrieben.

Lesen Sie auch

Schon fast experimentell und eher persönliche Ausdrucksform als Business ist dagegen ihr Ausflug in die Musikwelt. Mit ihrer Band Lolawolf veröffentlichte sie bereits mehrere Songs, deren Stil deutlich alternativer ist als der gängige Mainstream-Pop. Auch hier ist ihr ganz eigener Refrain, dass sie nichts und niemandem hinterherläuft. Zoë Kravitz erschafft lieber ihre eigenen kleinen Welten.

Viel schwarze Spitze und keinen Ring

Und auch im Privatleben bleibt es geheimnisvoll. Derzeit sorgt das durch Fotos durchaus belegte Gerücht für große Aufregung, dass Kravitz mit Popikone Harry Styles den Bund fürs Leben schließen werde. Sogar ein ziemlich großer Ring wurde schon entdeckt – oder auch nicht. Wirklich bestätigt wurde bisher nichts.

Doch so wie die Klatschblätter begeistern sich auch die Fans in den sozialen Medien angesichts der Möglichkeit, dass es mehr als gefunkt haben könnte zwischen den Superstars. Passen würde es: Beide sind stylish, kreativ und unberechenbar – ganz so wie das Saint-Laurent-Kleid, das Zoë auf der diesjährigen Met-Gala trug: viel schwarze Spitze, ein Hauch von Transparenz und dazu kunstvoll entspannt-verwuschelte Haare – typisch Zoë eben.

Meister der Melancholie

Leonard Cohen: »Jikan der Stille« lebte seine Religion - und auch eine andere

Seine Lieder sind geheimnisvoll, oft düster - und doch von beklemmender Schönheit. Leonard Cohen war nie zu greifen, mit niemandem zu vergleichen. Vor zehn Jahren ist er gestorben

von Alexander Brüggemann  07.11.2026

Kanada

Ein wenig Mizwa, sehr viel Macho

Das Magazin »Rolling Stone« kürte Drake einst zum »größten jüdischen Rapper aller Zeiten«. Doch der Anfang war hart

von Sarah Thalia Pines  05.11.2026

London

Banal, schlicht und ironisch

Julia Pascals Theaterstück »The Banality of Evil: Hannah Arendt, France, 1940« erzählt von Hannah Arendt, Charlotte Salomon und Eva Daube als deutsche Jüdinnen in Frankreich und ihrem Leben zwischen zwischen Exil, Gefangenschaft und Überlebenskampf

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  05.11.2026

Treffen

Bob Dylan bei Papst Leo XIV. im Vatikan - mit Cap und Kapuze

Der Musiker und Songwriter Bob Dylan ist 1997 zum ersten Mal einem Papst begegnet - damals in Bologna, bei einem Jugendtreffen. Nun kam er in den Vatikan und sprach dort mit einem Landsmann

von Ludwig Ring-Eifel  05.11.2026

Internetbetrug

Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau warnt vor Fake-Webseite

Wer die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau besuchen will, muss bei der Buchung aufpassen. Denn aktuell gibt es eine gefakte Webseite, teilte die Gedenkstätte mit

von Christiane Laudage  04.11.2026

Brasilien

Kein Freund Israels

Nach dem überraschenden Wahlsieg des linken Präsidenten Lula gibt sich die jüdische Gemeinde des Landes dennoch zuversichtlich

von Andreas Knobloch  04.11.2026

USA

Jüdische MAGA-Aktivistin an der Uni mit Tod bedroht

Die jüdische Studentin und Trump-Unterstützerin Liz Benichou wurde auf dem Campus der University of Michigan attackiert und zu Boden gestoßen

von Nicole Dreyfus  04.11.2026

USA

»Viele jüdische Wähler haben mit zugehaltener Nase abgestimmt«

Der jüdische Rechtsanwalt und Historiker Michael Traison über den Erdrutschsieg der Demokraten bei den Midterms und die möglichen Folgen für Amerikas Beziehungen zu Israel

von Michael Thaidigsmann  04.11.2026

USA

Die innere Sicherheit

Wie jüdische Gemeinden ihren Alltag gegen wachsenden Antisemitismus verteidigen – und sich zunehmend selbst schützen müssen. Ein Ortsbesuch in Washington, D.C. und Miami

von Katrin Richter  02.11.2026