Dokumentation

»Mein Name ist Gal. Und ich bin Jüdin«

Gal Gadot Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Dokumentation

»Mein Name ist Gal. Und ich bin Jüdin«

Die israelische Schauspielerin Gal Gadot erhielt den International Leadership Award der ADL. Ihre Dankesrede fällt kämpferisch aus

 07.03.2025 13:28 Uhr

Auf dem diesjährigen Gipfel der New Yorker NGO Anti-Defamation League (ADL) zum Thema Antisemitismus hielt Gal Gadot diese Woche eine viel beachtete Rede, die wir hier dokumentieren. Die israelische Schauspielerin erhielt zuvor den ADL International Leadership Award.

Ich danke Ihnen! Vielen Dank für diese unglaubliche Anerkennung, und ein riesiges Dankeschön an die ADL. Jonathan (Greenblatt, Präsident der Organisation), vielen Dank für deine freundlichen Worte.

Wie wir alle wissen, sind Hass, Intoleranz und Bigotterie auf dem Vormarsch. Die meisten von uns werden in ihrem Leben noch nie eine schlimmere Zeit des Antisemitismus erlebt haben. Aber wir sollten uns sicherer fühlen, wenn wir wissen, dass die ADL uns den Rücken freihält. Vielen Dank also an die ADL für die Arbeit, die sie für uns alle leistet.

Mein Name ist Gal. Ich bin eine Mutter, eine Ehefrau, eine Schwester, eine Tochter, eine Schauspielerin, ich bin Israelin - und ich bin Jüdin.

Ich sage es noch einmal. Mein Name ist Gal. Und ich bin Jüdin.

Ist es nicht verrückt, dass es sich wie eine kontroverse Aussage anfühlt, wenn ich das sage, wenn ich eine so einfache Tatsache darüber, wer ich bin, zum Ausdruck bringe? Aber leider sind wir heute an diesem Punkt angelangt.

Liebe und Mitgefühl

Ich bin in Rosh HaAyin im Zentrum Israels aufgewachsen. Meine Mutter war die Tochter eines Holocaust-Überlebenden. Ihr Vater, mein Großvater, Abraham Weiss, möge er in Frieden ruhen, wurde in der damaligen Tschechoslowakei geboren. Er war der einzige Überlebende seiner Familie.

Sein Vater starb im Kampf für die tschechische Armee, als die Nazis einmarschierten. Seine Mutter und sein Bruder wurden in den Gaskammern von Auschwitz ermordet. Er kam mit nichts nach Israel und baute sich ein Leben auf, und trotz der Schrecken, die er ertragen musste, lehrte er mich immer die Werte der Liebe, des Mitgefühls und der Toleranz. »Mit Wut und Hass kann man nichts gewinnen«, sagte er mir immer.

Väterlicherseits bin ich die achte Generation, die im Land Israel geboren wurde. Einer meiner Vorfahren war der allererste Chemiker im Shaare Zedek Krankenhaus in Jerusalem.

Ich bin sehr stolz auf beide Seiten meiner Familie. Sie zeigen zwei Seiten Israels. Auf der einen Seite ein Land, das Flüchtlingen, die vor den Schrecken der Verfolgung, der Pogrome und des Holocausts flohen, eine Lebensgrundlage bot. Auf der anderen Seite das historische Heimatland des jüdischen Volkes, wo unsere Wurzeln tief reichen und wo wir ein autochthones Volk sind.

Äußerst unangenehm

Ich bin stolz darauf, Israelin zu sein, und ich bin stolz darauf, Jüdin zu sein.

Aber dies ist eine Zeit, in der viele von uns in der jüdischen Gemeinschaft ihre Stimme finden und dem Hass gegen uns entgegentreten müssen, auch wenn dies äußerst unangenehm ist. Das gilt für uns alle, in jedem Lebensbereich und in jedem Beruf - auch in meinem eigenen.

Ich wollte nie wirklich über Politik sprechen. Ich habe mich sehr bemüht, es zu vermeiden, denn niemand will hören, wie sich Prominente über politische Themen auslassen, oder?

Aber ich habe mich auch immer als Weltbürgerin betrachtet, als eine Gleiche unter Gleichen. Als Israelin wusste ich, dass es Antisemitismus und Israelhass gibt. Und wie jeder von uns habe ich manchmal etwas davon mitbekommen. Ich habe meine Herkunft nie als entscheidend angesehen. Sie war ein Aspekt dessen, was ich bin, aber sie hat mich nicht definiert.

Dann geschah der 7. Oktober und die Ereignisse seither.

Tod und Vernichtung

Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass wir zu unseren Lebzeiten Zeuge eines solchen Tages des Todes und der Vernichtung von Juden werden würden. Und niemals hätte ich mir vorstellen können, dass wir auf den Straßen der Vereinigten Staaten und in verschiedenen Städten der Welt Menschen sehen würden, die die Hamas nicht verurteilen, sondern ein Massaker an Juden feiern, rechtfertigen und bejubeln.

Ich weiß, dass ich nicht die einzige in diesem Raum bin, die glaubt, dass dies ein Weckruf war.

Die Sache ist die: Wie sehr Sie auch versucht haben, sich davor zu drücken, selbst wenn es nicht Ihr Ding war, sich zu Wort zu melden: Niemand von uns kann die Explosion des Judenhasses in der Welt mehr ignorieren.

Und das ist es, was ich tue. Keine KI nötig. Ich stehe heute wirklich vor Ihnen und sage ganz einfach, dass mein Name Gal ist und ich Jüdin bin. Und dass wir genug haben von all dem Judenhass.

Unsere Liebe ist stärker

Wir werden dem Antisemitismus entgegentreten. Wir werden ihn anprangern. Aber wir werden niemals zulassen, dass er uns nicht nur besiegt, sondern uns definiert, denn unsere Liebe ist stärker als ihr Hass.

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In den Tagen nach dem 7. Oktober waren wir alle verzweifelt. Wie viele von Ihnen verfolgte auch ich die Schrecken, die aus Israel kamen, und den Hass, der hierher überschwappte. Ich bin kein religiöser Mensch. Aber ich fand mich im Tempel wieder - in der Synagoge. Und das war der Moment, in dem ich getröstet wurde. Ich spürte die Umarmung des jüdischen Volkes und die Kraft und Wärme unserer Gemeinschaft.

Und dieses Gefühl werde ich nie vergessen. Denn obwohl ich weit weg von Israel in einem Tempel in Los Angeles war, fühlte ich mich wie zu Hause, als Teil der Familie. Und für diese wenigen kostbaren Momente waren das Chaos und die Gewalt der Außenwelt ein wenig leichter zu ertragen.

Der 7. Oktober hat uns gezeigt, dass das, was Juden irgendwo passiert, Juden überall betrifft. Und das gilt in beide Richtungen. Nicht nur, dass das, was dort geschieht, uns hier betrifft, sondern auch das, was wir hier tun, hat Auswirkungen auf sie dort.

Verantwortung füreinander

Deshalb sind wir hier und fordern gemeinsam die Freilassung jeder einzelnen unserer Geiseln. Wir müssen sie nach Hause bringen!

Mit jeder Geiselfreilassung hören wir neue Berichte über das Grauen, das sie durchgemacht haben. Jede Minute ist für sie die Hölle. Ihr Leben ist in Gefahr. Wir brauchen sie zu Hause.

Wir wollen, dass die Geiseln und ihre Familien wissen, dass wir hinter ihnen stehen und für sie da sind. Ich möchte, dass Sie wissen, dass Sie überall auf der Welt, wo es eine jüdische Gemeinde gibt, Menschen finden werden, die sich für Sie eingesetzt haben, die Sie lieben und die immer für Sie da sein werden.

Denn das ist es, was wir sind und was wir immer sein werden: Wir werden stets Verantwortung füreinander übernehmen.

Frauen und Mädchen

Zusammen mit meinem Mann Yaron erziehe ich vier Töchter, die ebenfalls stolz darauf sind, wer sie sind. Sie wissen, dass es wichtig ist, Verantwortung zu übernehmen, sich selbst zu lieben und andere zu lieben. Wir erziehen starke, unabhängige jüdische Frauen. Starke Frauen, die anderen Frauen zur Seite stehen.

Ich weiß, dass sich viele Frauen in diesem Saal und in unserer Gemeinschaft immer für die Rechte von Frauen und Mädchen eingesetzt haben. Am 7. Oktober wurden jüdische Frauen von der Hamas sexuell terrorisiert, ermordet, vergewaltigt und verschleppt. Wir alle haben zugehört und gehofft, von unseren Schwestern auf der ganzen Welt Unterstützung zu erfahren, und haben allzu oft Schweigen gehört.

Wir können nicht länger warten. Wir können nicht den Atem anhalten, beten oder um Unterstützung von Menschengruppen oder Gemeinschaften betteln, die nicht für uns da sein wollen. Wir müssen für uns selbst da sein.

Und deshalb muss sich jeder einzelne Jude jetzt einmischen, auf welche Weise auch immer. Sprechen Sie sich aus. Lernen Sie mehr über unsere Geschichte. Das können wir immer tun. Treten Sie einer Gemeinde bei. Finden Sie Ihren Stamm, schließen Sie sich an. Und während wir unsere eigene Gemeinschaft unterstützen, sollten wir nie aufhören, der Welt die Hand zu reichen.

Bessere und friedlichere Zukunft

Rabbi Hillel sagte bekanntlich: אם אין אני לי מי לי »Wenn ich nicht für mich selbst bin, wer wird dann für mich sein? Und wenn ich nur für mich selbst bin, was bin ich dann?« Selbst wenn wir also nicht hören, dass andere für uns eintreten, müssen wir immer wieder für uns selbst eintreten und jedem die Hand reichen, der sich uns anschließen will.

Das ist es, was ich meinen Töchtern sage. Lernt zuerst, euch selbst zu lieben, wer ihr seid und wo ihr herkommt, dann wird der Rest schon kommen. Es ist an der Zeit, unseren Kindern die Liebe zu dem, was sie sind, weiterzugeben.

Wer sind wir also? Wir, das jüdische Volk, sind ein uraltes Volk, mit einer uralten Geschichte in einer uralten Heimat. Wir sind das Volk, das das Leben feiert. Wir arbeiten für eine bessere und friedlichere Zukunft. Wir stellen uns dem Hass, dem wir begegnen, aber wir tun es mit Liebe, während wir immer danach streben, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Und wer bin ich? Mein Name ist Gal. Und ich bin Jüdin.

Am Yisrael Chai. Ich danke euch!

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