Nachruf

Louise Lasser, die Frau, die Mary Hartman erfand, ist tot

Louise Lasser (1939 - 2026) Foto: picture alliance / Everett Collection

Nachruf

Louise Lasser, die Frau, die Mary Hartman erfand, ist tot

Die Schauspielerin vertrat Barbra Streisand auf dem Broadway und war mit Woody Allen verheiratet. Sie wurde 87 Jahre alt

 08.07.2026 13:00 Uhr

Sie war die neurotische Hausfrau, die mit einer Schüssel Hühnersuppe unabsichtlich einen Menschen tötete und damit zur Ikone einer ganzen TV-Ära wurde: Louise Lasser, Schauspielerin, Drehbuchautorin und Schauspiellehrerin, ist bereits am Montag im Alter von 87 Jahren in ihrer Wohnung in Manhattan gestorben, wie erst jetzt bekanntwurde. Sie hinterlässt ihren langjährigen Lebenspartner, den Filmproduzenten Michael Citriniti.

Lasser wurde am 11. April 1939 in New York City geboren, als einziges Kind von Paula und Sol Jay Lasser. Ihr Vater verfasste in den 1970er und 1980er Jahren eine Steuerratgeber-Reihe. Zu ihrem jüdischen Erbe fand Lasser erst spät in ihrem Leben einen wirklichen Zugang.

Ihre Kindheit und Jugend waren von einer tiefen familiären Tragödie überschattet. 1961 unternahm ihre Mutter einen Suizidversuch, den die damals noch junge Louise selbst vereitelte. Ihre Mutter soll ihr diese Rettung nie verziehen haben. Nach der Scheidung von ihrem Mann nahm sie sich 1964 schließlich das Leben. Jahre später starb auch ihr Vater Sol Jay Lasser durch Suizid.

Die Jahre mit Woody Allen

Louise Lasser studierte drei Jahre lang Politikwissenschaft an der Brandeis University, bevor sie sich der Schauspielerei zuwandte. Sie begann in den Kaffeehäusern und Bars von Greenwich Village und in improvisierten Revuen, ehe sie am Broadway als Ersatzbesetzung für ihre ebenfalls jüdische Kollegin Barbra Streisand in I Can Get It for You Wholesale debütierte.

Von 1966 bis 1970 war Lasser mit Woody Allen verheiratet. Auch nach der Scheidung blieb die künstlerische Verbindung bestehen: Sie wirkte in insgesamt fünf seiner Filme mit, darunter Take the Money and Run (1969), Bananas (1971) und Der Stadtneurotiker-Vorläufer Everything You Always Wanted to Know About Sex (1972). Allen bezeichnete sie später als prägenden Einfluss.

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Ihre berühmteste Rolle fand Lasser 1976 in der Satire-Seifenoper Mary Hartman, Mary Hartman, die fünf Abende die Woche im amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Als unglückliche, neurotische Titelheldin wurde sie über Nacht zum Gesicht einer ganzen Generation und zierte die Titelseiten von Newsweek, People und Rolling Stone. Für ihre Darstellung erhielt sie eine Emmy-Nominierung.

Erschöpfte Gesellschaft

Die Serie, die von Norman Lear produziert wurde, gilt bis heute als schräg-hintergründiges Porträt einer vom Post-Watergate-Amerika erschöpften Gesellschaft. In einer ihrer bekanntesten Episoden bringt Mary Hartman einem kranken Nachbarn eine Schüssel Hühnersuppe – der Mann schläft dabei ein und ertrinkt darin. »Ich habe tatsächlich mit meiner Hühnersuppe ein Menschenleben genommen«, klagt die Figur in der Serie. Nach zwei Staffeln und 325 Folgen verließ Lasser erschöpft die Produktion.

Im selben Jahr moderierte sie eine Ausgabe von Saturday Night Live, die vor allem durch ihren exzentrischen Auftritt in Erinnerung blieb.

Auch nach Mary Hartman blieb Lasser dem Filmgeschäft treu. Zu ihren bemerkenswertesten späteren Arbeiten zählen Frankenhooker (1990), Todd Solondz’ bissige Familien-Tragikomödie Happiness (1998), Darren Aronofskys Requiem for a Dream (2000) sowie eine wiederkehrende Rolle als Manhattan-Künstlerin in der HBO-Serie Girls (2014). Ihre letzte große Kinorolle hatte sie 2022 in Funny Pages, ihrem ersten Auftritt in einem Kinofilm seit fast zwei Jahrzehnten.

Neben ihrer Schauspielkarriere unterrichtete Lasser jahrelang Schauspieltechnik an den HB Studios in New York und leitete zeitweise ihre eigene Schauspielschule auf der Upper East Side von Manhattan.
Mit Louise Lasser verliert die amerikanische Kulturszene eine Künstlerin, deren Werk untrennbar mit den Brüchen und Umbrüchen ihrer Zeit verwoben war – und deren eigene Familiengeschichte von einer Tragik geprägt war, die sie zeitlebens begleitete. im

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