Nachruf

Letzter Kämpfer des Aufstands des Warschauer Ghettos gestorben

Michael Smuss (1926 - 2025) Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Nachruf

Letzter Kämpfer des Aufstands des Warschauer Ghettos gestorben

Michael Smuss wurde 99 Jahre alt

 24.10.2025 11:14 Uhr

Der letzte noch lebende Kämpfer des Warschauer Ghetto-Aufstands, Michael Smuss, ist im Alter von 99 Jahren gestorben. Seine Ehefrau bestätigte laut »Times of Israel«, dass er bereits am 21. Oktober in Israel verstarb. Die Beisetzung soll heute stattfinden, teilte Yad Vashem, die israelische Holocaust-Gedenkstätte, mit.

Smuss wurde 1926 in der damaligen Freien Stadt Danzig geboren, dem heutigen Danzig (Gdańsk). Nach seiner Kindheit in Lodz und Warschau wurde er 1940 in das von den Deutschen errichtete Warschauer Ghetto gebracht – zusammen mit Hunderttausenden anderer Juden. Unter menschenunwürdigen Bedingungen, geprägt von Hunger und Seuchen, entschloss er sich, dem Widerstand beizutreten.

Er schloss sich einer Untergrundgruppe um den Aufstandsführer Mordechai Anielewicz an. Während seiner Arbeit in einer Werkstatt, in der Helme deutscher Soldaten repariert wurden, gelang es ihm, ein Lösungsmittel zu entwenden, das sich zur Herstellung von Molotowcocktails eignete. »Wir füllten Flaschen und platzierten sie auf den Dächern der Häuser nahe der Ghettomauer, bereit, sie auf die Deutschen zu werfen, sobald sie eindringen würden«, erinnerte sich Smuss in einem Interview vor drei Jahren.

Lager und Todersmarsch

Als die deutsche Armee am 19. April 1943 mit dem Ziel einmarschierte, das Ghetto endgültig zu zerstören, griff Smuss selbst zu den improvisierten Brandbomben. Gemeinsam mit wenigen Hundert Mitstreitern kämpfte er fast einen Monat lang gegen die überlegene Wehrmacht – ein aussichtsloser, aber symbolisch bedeutsamer Akt des Widerstands.

Lesen Sie auch

Nach der Niederschlagung des Aufstands wurde Smuss gefasst und sollte ins Vernichtungslager Treblinka deportiert werden. Doch die Deutschen schickten ihn zurück, da sie Zwangsarbeiter benötigten. Er überlebte mehrere Lager und einen Todesmarsch im Frühjahr 1945.

Nach dem Krieg wanderte Smuss in die Vereinigten Staaten aus, wo er eine Familie gründete. Später zog er nach Israel. Die Malerei wurde für ihn zu einer Möglichkeit, die erlebten Schrecken zu verarbeiten. »Die Kunst war für ihn ein zweiter Atem nach der Dunkelheit«, sagte ein Angehöriger in Deutschland.

Mit Michael Smuss ist nun die letzte direkte Stimme des Warschauer Ghetto-Aufstands verstummt – eines der eindrucksvollsten Symbole jüdischen Widerstands gegen die nationalsozialistische Vernichtungsmaschinerie. ja

Vereinte Nationen

Welche Chancen hat diese Frau?

Erstmals könnte eine Frau neue UN-Generalsekretärin werden. Mit im Rennen ist Rebeca Grynspan aus Costa Rica. Sollte sie gewählt werden, wäre sie auch die erste jüdische Person im Amt

von Michael Thaidigsmann  28.04.2026

Universität Gent

»So weit ist es also gekommen«

Israelfeindliche Aktivisten haben erneut ein Fakultätsgebäude besetzt - obwohl die belgische Uni bereits vor zwei Jahren die Kooperation mit drei israelischen Hochschulen beendet hatte

von Michael Thaidigsmann  27.04.2026

Kirgistan

Hotel verbietet »Juden und Tieren« den Zutritt

Eine erst vor wenigen Wochen eröffnete Unterkunft in der kirgisischen Stadt Osch musste nach Intervention der israelischen Botschaft ein Schild wieder abhängen

 27.04.2026

Nachruf

Dirigent Michael Tilson Thomas mit 81 Jahren gestorben

Als Chefdirigent der San Francisco Symphony wurde er berühmt. Doch er arbeitete mit Orchestern in aller Welt. Nun ist der Musiker mit 81 Jahren gestorben

 24.04.2026

Österreich

Der geneigte Antisemit

In Wien soll das Denkmal des einstigen Bürgermeisters Karl Lueger um 3,5 Grad gekippt werden. Die jüdische Gemeinde sähe die Bronzestatue lieber im Museum. Ein Ortsbesuch

von Tobias Kühn  24.04.2026

Tschernobyl

Damals in Tschernobyl

Im März 1987 arbeitete unser Autor zwei Wochen lang im havarierten Atomkraftwerk Tschernobyl. Eine persönlicher Bericht über die Zeit in der Sperrzone und wie es danach weitergeht

von Vitalii Miasnikov  24.04.2026

Sowjetunion

Der Schatten von Tschernobyl

Auch 40 Jahre nach der Katastrophe beschäftigt das Reaktorunglück die Menschen. Unseren Autor begleitet sie seit der Kindheit. Persönliche Erinnerungen und ein politischer Blick zurück

von Alexander Friedman  24.04.2026

USA

Recht auf Restitution

Ende April sollte der Anspruch auf Rückerlangung von in der Nazizeit gestohlener Kunst auslaufen. Per Gesetz wurde er nun entfristet

von Sophie Albers Ben Chamo  23.04.2026

London

Weitere Festnahmen nach Anschlägen auf jüdische Gemeinde

Binnen weniger Wochen werden mehrere jüdische Einrichtungen in London zum Ziel von Brandanschlägen. Nun meldet die Anti-Terror-Einheit der Polizei erneut Festnahmen

 21.04.2026